LONDON

Autobiografie des Rockstars: Kaninchenherzen für Rod Stewart

Der doppelte Rod: Stewart auf der Bühne und – dahinter – auf der Leinwand. Foto: dpa

Wenn man Rod Stewart eines nicht vorwerfen kann, dann ist das ein Mangel an Selbstironie. Ob er nun über modische Fehltritte aus der Vergangenheit oder seine Liebe zu Modelleisenbahnen berichtet – mit 67 Jahren hat er es ganz offensichtlich nicht mehr nötig, sich zu verstellen. In seiner Autobiografie berichtet er jetzt so unterhaltsam und mit so viel Witz über sein Leben, dass Kritiker in Großbritannien schon die Frage aufwarfen, ob er diese überhaupt selber geschrieben hat.

Zu Beginn stellt Stewart erst einmal eines fest, und setzt damit die Stimmung für die restlichen Kapitel: Er ist mit seinem Leben, wie es bisher war, rundum zufrieden. „Mein Leben war ein ausgefülltes – spektakulärer, privilegierter und farbenfroher, als ich jemals zu träumen gewagt hätte, mit Abenteuern, Reichtum und Liebe weit über den Anteil hinaus, der mir zusteht.“

Kindheit in Londons Norden

Herzerwärmend berichtet er erst einmal von seiner Kindheit im Norden von London und vom Familienzusammenhalt des „Stewart Clans“. Er kam 1945 als Nachkömmling zur Welt. Seine Eltern und die vier Geschwister verwöhnten ihn nach allen Möglichkeiten, die ihnen im Großbritannien der Nachkriegszeit zur Verfügung standen. Ein Beispiel: „Meine Mutter machte oft Kaninchen-Eintopf, und bevor ich zur Welt kam, wurde das Herz des Kaninchens – klein, aber als besonderes Gourmetstück betrachtet – in vier Teile geschnitten und unter den Kindern verteilt. Als ich dann da war, wurde mir immer das Herz gegeben.“

In der Schule hasste der kleine Rod nichts mehr, als vor der ganzen Klasse singen zu müssen. Um dieser Blamage möglichst oft zu entgehen, entwickelte er einen Trick: Aus seinem Schulessen rührte er eine Matsche zusammen, verteilte sie auf dem Boden und behauptete, er habe sich übergeben müssen.

Kaum ist er aus der Schule, wird die Musik allerdings mehr und mehr sein Leben. Zwar hat er auch andere Karrierepfade im Blick – als Profifußballer und Totengräber zum Beispiel. Doch in den frühen 1960ern hat er erste Auftritte in Londoner R&B-Clubs. Seine auffällige rauchige Stimme wird entdeckt. Das Leben mit Sex, Drugs and Rock'n'Roll beginnt. Legendär sind Stewarts Frauengeschichten, und von denen berichtet er ausführlich. Gleichzeitig ist das Buch eine Liebeserklärung an seine heutige Ehefrau, Penny Lancaster.

Doch spannend sind vor allem seine kleineren Geständnisse. Zum Beispiel, dass „unser Held“, wie er sich im Buch nennt, und die Queen seiner Ansicht nach etwas gemeinsam haben: „Wir haben beide seit ungefähr 45 Jahren mehr oder weniger dieselbe Frisur. Na ja, wenn man das gefunden hat, was einem steht . . .“ Allerdings sei sein „durchgewuselter Büschel von Haarsträhnen“ sehr viel schwerer hinzubekommen, als man denken könne. „Denken Sie, Haare wie meine sind einfach da? Falsch. Das ist Arbeit.“

Trotz haarsträubender Jugendgeschichten und bei aller Coolness sind seine Hobbys mittlerweile gar nicht mehr so furchtbar anders als die anderer älterer Herren. Er liebt Modelleisenbahnen, hat in seinem Haus in Los Angeles eine riesige Anlage gebaut: „Im Dezember 2010 habe ich einen der wichtigsten Meilensteine meiner Karriere erreicht. Ich war zum zweiten Mal auf der Titelseite des 'Model Railroader'-Magazins. Auf dem Titel des “Rolling Stone“ zu sein war nichts dagegen.“

Rod Stewart: Die Autobiografie (Heyne, 480 Seiten, 22,99 Euro)

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