Würzburg

"Babylon Berlin" am Main: Golden Twenties nicht ganz so golden

"Babylon Berlin" beim Würzburger Hafensommer. Das Moka Efti Orchestra aus dem Film sollte die schwimmende Bühne in einen Nachtclub verwandeln. Ob das gelang?
Das Moka Efti Orchestra, die original Big Band aus der Serie 'Babylon Berlin”, beim Würzburger Hafensommer.
Das Moka Efti Orchestra, die original Big Band aus der Serie "Babylon Berlin”, beim Würzburger Hafensommer. Foto: Patty Varasano

Gegen Ende, als es dunkel geworden ist am Alten Hafen und die Scheinwerfer strahlen und gleißen können, da kommt dann – endlich – dieses Lied. "Zu Asche, zu Staub".  Aus dem Bühnennebel kommt die düstere, geheimnisvolle Stimme von Severija Janušauskaite. Zu Asche, zu Staub . . . der Titelsong von "Babylon Berlin", der vielgerühmten Fernsehserie aus dem Jahr 2017, wegen der vor allem das Hafensommer-Konzert mit dem Moka Efti Orchestra seit Wochen ausverkauft war.

In "Babylon Berlin" gibt Severija  die androgyne Nachtclubsängerin – und zwei Jahre nach dem Serienerfolg bringt sie mit großem Ensemble die Filmmusik in die Clubs und auf die Freilichtbühnen der Republik.  Der Geist der Roaring Twenties ist angekündigt – als Musik noch echte Handarbeit bedeutete, in Kneipen und Tanzsälen keine Lieder vom Band dudelten und jedes bessere Kaffeehaus, jeder Unterhaltungspalast, jeder Vergnügungsclub dafür seine kleine Band oder wenigstens einen Barpianisten hatte.  

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Hafensommer - Moka Efti Orchestra

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Und kurzweilige 90 Minuten – Spielfilmlänge! – geht es beim Würzburger Hafensommer am Mittwochabend also knapp 100 Jahre musikalisch zurück.  Das Moka Efti Orchestra – ein gutes Dutzend Instrumentalisten von Bariton-Saxofon bis Banjo – liefert ein buntes Potpourri der Genres:  munter gepfiffene Wannsee-Weisen, schwere russischen Klavierballaden, fetzige Bigband-Nummern. Auf den Soundtrack von "Babylon Berlin" beschränkt sich das Ensemble um die Komponisten Nikko Weidemann und Mario Kamien nicht mehr.

Zwar gehen auf den dicht an dicht besetzten Hafentreppenstufen viele Hände nach oben auf die Frage, wer die Serie kennt. Der Rest aber kann mit den Anmoderationen zu Film und Figuren wenig anfangen – und könnte dafür allein die Musik genießen, wenn die zu genießen wäre. Das Problem an diesem Abend: Das Blech klingt arg schrill, der Sound insgesamt viel zu vermatscht. Und die Stimmen der Sänger? Bei Severija und dem berühmten Song über die Suche nach Unsterblichkeit wunderbar und dunkel-magisch . . .  sonst zu recht vergänglich und eher zum Vergessen. 

Das Publikum aber hält es nicht mehr auf den Sitzen und swingt mit. Wieso aber beim markanten, starken Schlagzeugsolo in der Mitte jenes Nachtclubliedes mitgeklatscht wird? Ein Rätsel.

Rückblick

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