Würzburg

Berührende Affekte: die Johannespassion bei den Bachtagen

Der Bachchor und das Ensemble 'La Strada Armonica' führten bei den Bachtage in der Kirche St. Johannis in Würzburg die Johannespassion von Johann Sebastian Bach auf.
Der Bachchor und das Ensemble "La Strada Armonica" führten bei den Bachtage in der Kirche St. Johannis in Würzburg die Johannespassion von Johann Sebastian Bach auf. Foto: Daniel Peter

Er wolle versuchen, "auch die Seele zum Klingen zu bringen", so Matthias Querbach vor Beginn der Würzburger Bachtage. Mit seiner Aufführung der Bachschen "Johannespassion" hat der künstlerischen Leiter sowohl der Bachtage wie auch des Bachchors Würzburg seinen hohen Anspruch in musikalischer und spiritueller Hinsicht bestens erfüllt.

In der Johanniskirche entstand eine dramatische und fesselnde Erzählung des Passionsgeschehens, eingerahmt von zwei Lobpreisungen. Nicht die Klage steht also im Vordergrund, sondern die andächtige und zuversichtliche Ehrerweisung, vom Chor anfangs mit großer Ehrfurcht gestaltet, im Ausklang von Hoffnung geprägt.

Der Bachchor Würzburg hat beste Schulung, viel Können und große Erfahrung, sodass Querbach den Fokus aufs Gestalten legen kann. Perfektion und Präzision sind so selbstverständlich wie absolute Textverständlichkeit, egal ob als im Geschehen engagierte Menschenmenge in den Turbae-Einwürfen oder in kommentierender Rolle bei den ausdrucksvollen Chorälen. Mühelos ("Kreuzige!"), wendig ("Lasset uns den nicht zerteilen") und berührend im Affekt sprach man Gefühle an – auch das ein Ziel von Matthias Querbach.

"La strada armónica", in Würzburg gegründetes Barockorchester, zeichnete sich durch ein auffällig weiches, edles Klangbild aus. Vorzüglich im Begleiten und in der Verschmelzung mit Querbachs künstlerischer Großkonzeption, hatten die Musiker wesentlichen Anteil am tief gehenden Gesamteindruck.

Das galt auch für die exzellenten Solisten: Tenor Christian Rathgeber erzählte als Evangelist spannend und hochdramatisch, bewies dazu langen Atem und große Empfindsamkeit, als er von Wasserwogen, Regenbogen und Gottes Gnade sang. Altus David Erler, anfangs leicht zurückhaltend, beeindruckte durch schlanke und klare, in allen Lagen ausgeglichene Stimme. Die Zeit schien still zu stehen, als seine ergreifende Arie "Es ist vollbracht!" den Raum erfüllte.

Felix Rathgebers fülliger, weicher Bass verlieh dem Part des Jesus große Würde und Innigkeit. Tobias Berndt zeichnete den Pilatus mit profunder und klarer Bassstimme als streng und gütig, ließ aber auch Lyrisches zu ("Himmelsschlüsselblumen"). Doch die Entdeckung des Abends war die dreieinhalb Stunden vor Aufführungsbeginn eingesprungene Sopranistin Judith Wiesebrock: Erfrischend, schlank und glockenklar ihre Stimme, ein Höhepunkt ihre Arie "Zerfließe, mein Herz", zwischen unendlicher Trauer und hoffnungsloser Erkenntnis. Starker, hochverdienter Applaus für diesen Abend!    

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Elke Tober-Vogt
  • Affekt
  • Choräle
  • Chöre
  • Emotion und Gefühl
  • Künstlerinnen und Künstler
  • Künstlerische Leiter
  • Musik
  • Musiker
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!