Blase Bayreuth, Teil 3: Sängerhumor

Mathias Wiedemann vor dem Festspielhaus in Bayreuth
Mathias Wiedemann vor dem Festspielhaus in Bayreuth Foto: anonym

Unter echten Wagnerianern ist es verpönt. Scherze unter Verwendung der Operntexte zu machen. Wagner ist eine ernste Sache, jeder Satz hat tiefe Bedeutung, und Humor ist ja auch tatsächlich nicht die auffälligste Eigenschaft in seinem Werk, auch wenn manche Regisseure sich hin und wieder einen kleinen Gag erlauben, der denn auch in der Fankurve mit hörbarem Naserümpfen quittiert wird. In einem Punkt bin ich geneigt, ihnen Recht zu geben: Es ist wirklich etwas abgedroschen, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Lohengrin-Satz „Nie sollst du mich befragen“ zu bemühen.

Aber ganz so ernst wie die Gralshüter muss man die Sache vielleicht trotzdem nicht sehen. Zumal manche Passagen in der Tat ein wenig sonderbar sind. Marcel Reich-Ranicki meinte, Wagners Texte seien auf sehr unterschiedlichem Niveau, „zum Teil sprachlich unerträglich, miserable Literatur“. Ohne das jetzt als Freibrief für wüstes Kalauern zu sehen, Richard Wagners Sprachschöpfungen und Handlungen können ein unerschöpflicher Fundus für durchaus geistvollen Witz sein. Und wer sollte diesen besser beherrschen, als die Menschen, die täglich damit zu tun haben – die Sänger?

Dank sozialen Netzwerken bekommt heute auch der Operngänger, der keinen Zugang zu Garderoben oder VIP-Lounges hat, einiges von diesem Humor mit, denn viele der Stars nutzen das Netz für sich. So postet etwa Andreas Schager (mit bürgerlichem Namen Schagerl), der in Bayreuth den Parsifal singt, ein Selfie mit Piotr Beczala, der den Lohengrin singt. Text dazu: „Nachdem mein Sohn gestern eine wunderbare Leistung vollbracht hat, muss heute der Papa zeigen, wie es geht.“ Und fügt hinzu, dies nun ein leicht abgewandeltes Zitat aus seinem Text: „Ihr wisst ohnehin alle, wo ihr mich wiederfinden könnt.“

Die Tenöre Schager und Beczala sind freilich nicht miteinander verwandt. Aber ihre Rollen sind es: Lohengrin ist Parsifals Sohn, auch wenn die beiden Opern dieses Titels sonst nichts miteinander zu tun haben.

Der Bass René Pape, der sich heuer mit Georg Zeppenfeld die Rolle des Marke in „Tristan und Isolde“ teilt, erfreut seine Fans schon lange mit Selfies von Engagements aus aller Welt. Etwa wie er in irgendwelchen Katakomben in vollem Kostüm mal eben noch eine Bratwurst verdrückt. Immer dabei: Minime, eine Badeente mit Pape-Bärtchen in Frack und Weste, im Netz zu finden unter #papeduck. Ziemlich cool, der Typ, das muss man ihm lassen.

Wie die Badeente hat auch das ganz persönliche Premieren-Ritual von Piotr Beczala mit Wagners Werk eher weniger zu tun. Bemerkenswert ist es dennoch: Wenn andere sich zurückziehen, meditieren oder hektisch auf und abrennen, steht Beczala am Backofen. Und backt seinen traditionellen Premierenkuchen, diesmal drei Bleche Pflaumen mit Streuseln. Sah großartig aus.

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