Würzburg

Braucht es zeitgenössische Musik? Ja, unbedingt

„Danke für ihr offenes Herz und mutiges Ohr“, begrüßte Patricia Kopatchinskaja das Kissinger-Sommer-Publikum zum Konzert mit zeitgenössischer Musik im Max-Littmann-Saal.
Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern
Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern Foto: Gerhild Ahnert

Braucht es zeitgenössische Musik? Ja, unbedingt. Patricia Kopatchinskaja und Camerata Bern hielten mit „Emotionen“ ein Plädoyer für das etwas andere Konzertprogramm. „Danke für ihr offenes Herz und mutiges Ohr“, begrüßte sie das Kissinger-Sommer-Publikum im nicht ausverkauften Max-Littmann-Saal. Die Camerata Bern ist hochmotiviert, spiel- und experimentierfreudig. Jeder der 15 wäre eine Namensnennung wert. Kopatchinskaja ist eine erfrischend unkonventionelle Leiterin, Moderatorin und Violinen-Solistin. Die auch mal in die zweite Reihe zurücktritt, wie bei Strawinskys expressivem „Concerto in re“.

Kapriziös und komplex ist „Musica concertante für 12 Solostreicher“ von Sándor Veress. Da strichen sich alle die Seele aus dem Leib. Und dann wieder: magische Klangerlebnisse. Quellfrisch und vollkommen Mendelssohns d-Moll-Konzert für Violine und Streicher. Und als Abschluss Alberto Ginasteras faszinierendes „Concerto per corde op. 33“. Dieses ist so anstrengend, dass danach die Luft raus war.

Deshalb gab es die eingestreuten Intermezzi als Zugaben vorab: Faszinierend Heinz Holligers (geboren 1939) sportliches Tonleiter-Duell, György Ligetis (1923-2006) verbannte Auftragsarbeit und Francisco Colls (geboren 1986) dadaistisches „Lalu lalu lalu lalu la!“ Viele Bravorufe, begeisterter Applaus und betörendes Streicher-Vogelgezwitscher als Appell zur Erhaltung der Natur mit auf den Heimweg.

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