BAD KISSINGEN

Charles Bukowskis sensible Seiten beim Winterzauber

kg-red-0201-dichter_fotoOliver Betke       -  Peter Lohmeyer und der Club die toten Dichter.
Peter Lohmeyer und der Club die toten Dichter. Foto: Oliver Betke

Zum ersten Mal sei er in Bad Kissingen, plauderte Schauspieler Peter Lohmeyer, ruhig und kalt sei es in dieser spannenden Stadt, die Streiche geradezu herausfordere. Sein Auftritt beim Winterzauber, als Gastsänger im „Club der toten Dichter“, hatte nicht allzu viele Besucher ins Kurtheater gelockt. Dennoch entspann sich ein atmosphärisch dichter, musikalisch-poetischer Abend, in den sich die Texte von Charles Bukowski geradezu wohlig hinein kuschelten.

Nach Heine, Busch, Rilke und Schiller hatte sich der Gründer des Clubs, Reinhardt Repke, ausgerechnet einen Vertreter der 70er und 80er Jahre herausgepickt, dessen Sprache oft als schmuddelig, seicht und drastisch angeprangert wurde. Doch im Projekt „Club der toten Dichter“ wird Bukowskis Schaffen in ein neues, geradezu sensibles Licht gerückt.

Die Band – Reinhardt Repke, Tim Lorenz, Andreas Sperling und Markus Runzheimer – liefert mit Gesang, Gitarren, Banjo, Mundharmonika, Schlagzeug/Percussion, Keyboards und Bass professionell und routiniert Vertonungen von neu übersetzten Bukowski-Texten. Die Themen: Alkohol, Frauen, Kiffen, Wetten, Durchschnittliches und Menschliches in allen Facetten.

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Dennoch gibt es viel zu schmunzeln, wenn etwa einzelne Worte durch Wiederholungen überhöht werden, wenn sich überraschende Wendungen und Pointen einstellen: Eine seifenopernartig angedeutete Szene entpuppt sich als Therapiestunde beim Psychiater, psychedelisch wabert die Musik durch den Raum, die Bühne taucht in glühende Rottöne.

Das musikalische Universum reicht von Liedermachergesäusel über lässig-coolen Blues bis hin zu harten Rockklängen, es umfasst stilistisch alles, was eine Band so drauf haben muss. Peter Lohmeyer passt sowohl als Sänger mit rauchiger Stimme wie auch als Schauspieler perfekt in die Inszenierung: Intensiv in der Bühnenpräsenz, verkörpert er den Menschen schlechthin, sinniert mit Bukowski beziehungsvoll über Aktuelles („Dumme Menschen sind leider voll Selbstvertrauen“).

Lohmeyer bastelt Papierflieger aus Dichtermanuskripten, rutscht trunken vom Barhocker, tanzt in zuckender Ekstase. Brav dirigiert er ein Sprechstück über die hochtechnisierte Welt, in der doch vieles beim Alten bleibt, oder klettert als Bierdosen sammelnder Penner im Zuschauerraum herum. Und er philosophiert nach 50 Jahren Saufmarathon über seine Zukunftsperspektive: „Der Tod ist nebensächlich.“

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