SCHWEINFURT

Cherubino in der Blüte der Flegeljahre

Verwicklungen: „Cosi fan tutte“ aus Wien. Foto: Claudius Schutte

Ein Bett, ein paar Stühle, ein, zwei Kisten – viel mehr braucht es nicht, um die Gemächer des gräflichen Schlosses und den Schlossgarten darzustellen. Michael Temmes Inszenierung von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ für die Kammeroper Schönbrunn lebt von den Personen und dem, was Temme mit ihnen anstellt. Wobei das, abgesehen von allerhand Slapstick, gar nicht so sehr die spektakulären Aktionen sind. Es geht vielmehr um Schlüssigkeit: Warum macht wer was?

Das ist beim Figaro wichtig, denn das Intrigengeflecht aus Liebe, Macht und Eifersucht ist zwar ziemlich kompliziert, aber eben auch ziemlich spannend. Da die angekündigten Übertitel im Schweinfurter Theater, wo die Kammeroper noch bis Donnerstag gastiert, nicht zur Verfügung stehen (was den ein oder anderen Besucher irritiert), gibt es Gratisblätter mit der Handlung, aber dank der Regie müsste man auch so ganz gut verstehen können, was passiert.

Tatsächlich passiert dauernd etwas Witziges, Spannendes oder Ergreifendes, dafür sorgt schon die Musik, die noch kleinste Nuancen menschlicher Regungen beredt illustriert. Das Schloss Schönbrunn Festival Orchester unter der Leitung von Guido Mancusi tritt in Kammerbesetzung auf, bis auf drei erste und drei zweite Geigen sind alle Stimmen solistisch besetzt. Das sorgt für ein lichtes, gut durchhörbares Klangbild, umso auffälliger sind allerdings am ersten Abend die – wenigen – Intonationstrübungen ausgerechnet in „Porgi, amor“ der Gräfin zu Beginn des zweiten Akts und in Barbarinas „L'ho perduta“ zu Beginn des vierten. Ansonsten ist dieser Figaro auch musikalisch die reine Freude.

Die Kammeroper kooperiert mit dem Institut für Gesang und Musiktheater der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, weswegen auf der Bühne junge Darsteller auf der Schwelle zur Profikarriere stehen – durchweg wunderbare Stimmen und eine Spielfreude, wie man sie in etablierten Ensembles nicht immer beobachtet.

In Schweinfurt gastieren die Wiener gleich mit zwei Mozart-Opern: Nach dem „Figaro“ am Montag und Dienstag steht für Mittwoch und Donnerstag „Cosi fan tutte“ auf dem Programm. Der Clou: Die Sänger, die beim „Figaro“ den Chor bilden, sind die Solisten bei „Cosi“ und umgekehrt.

Temme verzichtet auf eine tiefere Aus- oder gar Umdeutung des Stoffs. Das Ambiente deutet Rokoko an, wir befinden uns in der Endzeit des Absolutismus, noch müssen sich mehr oder weniger rechtlose Untergebene listenreich den Übergriffen des Adels entziehen. In Temmes „Figaro“ tun sie es ziemlich unverblümt.

David Ostrek als sarkastisch-tapsiger Figaro liefert sich mit Stefan Hadzic, der den Grafen als leicht beschränkten Machtmenschen gibt, einen Baritonwettbewerb auf allerhöchstem Niveau. Sara-Bigna Janett ist eine pfiffige Susanna, Michiko Fujikawa eine noble, amourösen Eskapaden gar nicht abgeneigte Gräfin. Was wohl auch an Laura Rieger liegt, die einen hinreißenden Cherubino in der Blüte seiner Flegeljahre darstellt.

Cosi fan tutte, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Gastspiel der Kammeroper Schönbrunn im Theater Schweinfurt: Mittwoch und Donnerstag, 25. und 26. November, 19.30 Uhr. Karten: Tel. (0 97 21) 51 49 55.

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