Würzburg

Das Mainfranken Theater wird zu Hotzenplotz' Räuberhöhle

In Würzburg wird die Geschichte um den Räuber, Kasperl und Seppel quietschvergnügt und liebenswert erzählt.
Der Räuber Hotzenplotz und seine Gegenspieler Kasperl und Seppel
Der Räuber Hotzenplotz und seine Gegenspieler Kasperl und Seppel Foto: Thomas Obermeier

Wer seinen Kinder – und auch sich selbst – mal eine bonbonbunte zauberhafte Verschnaufpause in der Vorweihnachtszeit gönnen möchte, dem sei ein Besuch im Würzburger Mainfranken Theater ans Herz gelegt. Denn dort treibt jetzt schaurig und dödelig der Räuber Hotzenplotz sein höchst vergnügliches Unwesen.

Die Kaffeemühle als Objekt der Begierde

Die Geschichte ist altbekannt, aber immer wieder schön: Kaum haben Seppel (Bastian Beyer) und sein bester Kumpel Kasperl (Lukas Paul Mundas) für die Großmutter (Julia Baukus) eine Geburtstagsüberraschung besorgt, klaut ihnen der finstere Räuber Hotzenplotz (Matthias Fuchs) doch glatt das Geschenk, eine klingende Kaffeemühle. Kasperl und Seppel beschließen, Hotzenplotz zu überlisten und sich die Mühle zurückzuholen, der jedoch durchschaut den Plan und nimmt die beiden gefangen. Und so muss der eine fortan für den Räuber die Höhle putzen, der andere landet beim zwielichtigen Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Georg Zeies) zum Kartoffelschäldienst. Wie gut, dass die in eine Unke verzauberte Fee Amaryllis (Julia Baukus) noch ein Hühnchen mit dem schrägen Magier zu rupfen hat und den beiden Freunden aus der Patsche helfen kann. Und so steht einem schmissigen musikalischen Happy End bald nichts mehr im Wege...

Der Räuber Hotzenplotz stiehlt der Großmutter die Kaffeemühle.
Der Räuber Hotzenplotz stiehlt der Großmutter die Kaffeemühle. Foto: Thomas Obermeier

Regisseurin Bea Martinek schuf mit ihrem einfallsreichen Team eine kurzweilige Umsetzung des Kinderbuchklassikers von Otfried Preußler. Mal komisch, mal leicht unheimlich, doch stets absolut kindgerecht präsentiert sich so ein munterer Theaterspaß in angemessenen 75 Minuten. Die Bühne von Stephanie Dorn macht Staunen, besonderer Hingucker sind dabei Zauberer Zwackelmanns riesiges, mit allerlei magischem Bedarf gefülltes Hochregal und die raumgreifende Riesenunke. Für den Entwurf ihrer farbenprächtigen Kostüme müssten andere wohl zu bewußtseinserweiternden Substanzen greifen, einfach herrlich schrecklich. Und Mariella von Vequel-Westernach untermalt mit ihrer Lichtgestaltung das Geschehen und taucht die Bühne stimmungsvoll mal in quietschvergnügte Neonfarben, mal in neblig waberndes Grau.

Von den Vorzügen der Kartoffel

Die Darsteller zeigen sich bestens aufgelegt und scheinen ihre Rollen zu genießen. Lukas Paul Mundas und Bastian Beyer beweisen als Kasperl und Seppel schauspielerische Bandbreite, sind hier mal schlau und mutig, da mal tollpatschig und verunsichert. Julia Baukus gibt die liebenswerte Großmutter in tütteligem Tippelschritt und beeindruckt als Amaryllis mit gymnastischer Gelenkigkeit und gesanglicher Stimmkraft. Matthias Fuchs verleiht dem Hotzenplotz viel schauerliche Autorität, richtig böse kann man aber nicht auf ihn sein. Direkt aus einem Tim Burton Film scheint Georg Zeies als Zauberer Zwackelmann entsprungen, wenn er mit leicht wirrem Blick über die Bühne tänzelt und dazu über die Vorzüge der Kartoffel singt.

Georg Zeies als Petrosilius Zwackelmann
Georg Zeies als Petrosilius Zwackelmann Foto: Thomas Obermeier

Wirklich fehlen würde der "Räuber Hotzenplotz"-Inszenierung aber die musikalische Unterstützung durch Adrian Sieber (Gitarre), Kevin Sauer (Akkordeon) und Lorenz Huber (Kontrabass). Jenseits der bloßen Untermalung setzten sie hochmusikalisch handlungstechnisch bekräftigende Akzente, als eine Art von schrägem Hausmusiktrio, singende Säge inklusive. Die jungen Zuschauer hatten, gemeinsam mit den Erwachsenen, die sie begleiten durften, viel Freude am Bühnengeschehen und erklatschten sich dann auch stürmisch eine gesangliche Zugabe.

Nächste Vorstellungen am 2., 3. und 4. Dezember, Beginn jeweils um 9 und 11 Karten unter Tel.: (0931) 3908 124.

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