Würzburg

"Der Goldene Drache": Wie Tenor Roberto Ortiz fünf Rollen singt

Diese Oper ist Training fürs Gehirn und eine Herausforderung, sagt Roberto Ortiz. Der Sänger vom Mainfranken Theater über die Proben - und schöne Momente.
Tenor Roberto Ortiz als Grille in "Der Goldene Drache" am Mainfranken Theater.  Foto: Nick Schölzel

Der Tenor Roberto Ortiz steht am Mainfranken Theater vor allem mit typischen Belcanto-Partien auf der Bühne, als Rodolfo in "La Bohème" oder als Herzog im "Rigoletto". Im "Goldenen Drachen" ist alles anders. Nicht nur für ihn, sondern für das ganze Ensemble.

Im "Rigoletto" haben Sie als Duca wunderbare Belcanto-Melodien. Im "Goldenen Drachen" gibt es  viel Sprache, wilde Taktwechsel. Eine große Umstellung?

Roberto Ortiz: Es ist ein gutes Training fürs Gehirn. Das Stück ist für das ganze Ensemble eine große Herausforderung. Man muss immer voll konzentriert sein – wenn du eine Sekunde weg bist, hast du schon einen Einsatz verpasst. Erst nach vielen Wiederholungen beginnt man zu verstehen: Ah, es gibt ein Muster, es gibt eine Melodie. Und es gibt viele Motive, etwa für die Ameise oder die Grille. Ein bisschen wie Benjamin Britten. Wir haben zuvor immer mit Klavier geprobt, aber jetzt mit Orchester klingt alles ganz anders. Es gibt 21 kurze Szenen, und doch muss man versuchen, eine große Linie für das ganze Stück zu finden.

Die Sänger spielen mehrere Rollen, wie funktioniert das?

Ortiz: Ich in ein junger Mann, ein junger Asiate, eine Kellnerin, eine Grille und ein alter Mann. Auch das erfordert eine Menge Konzentration, dass man zum Beispiel nicht in einer Szene die Perücke vergisst. Oder dass meine Hand zittern muss, wenn ich gerade der alte Mann bin. Man muss an unglaublich viele Sachen gleichzeitig denken.

Das Stück ist extrem genau durchkomponiert – gibt es trotzdem Freiheit für die Sänger?

Ortiz: Es ist schon sehr schwer, immer genau mit dem Orchester zusammen zu sein, deshalb gibt es kaum Flexibilität. Wir müssen sehr taktisch denken und im Kopf immer mitzählen. Aber hin und wieder gibt es Momente, wo ich die Musik genießen kann.

Ist das Stück sängergerecht komponiert?

Ortiz: Ich muss sagen, es ist gut geschrieben für die Stimme, nicht zu hoch, nicht zu tief. Ich liebe Belcanto, Mozart und so weiter. Aber früher, als ich noch in Mexiko war, habe ich viel Neue Musik gesungen. Und im Vergleich dazu ist Eötvös wesentlich angenehmer. Man muss bei ihm nicht diese Geräusche machen, die schlecht für die Stimme sind (macht Krächz- und Würgelaute).

Einmal müssen Sie allerdings Melodie auf den Buchstaben N singen.

Ortiz: Das ist schwer. Auf dem N zu singen und trotzdem gegen das Orchester durchzukommen.

Wie bereitet man so ein Stück vor?

Ortiz: Als ich diese Musik zum ersten Mal gehört habe, habe ich gedacht, was ist das? Ich arbeite zuerst am liebsten allein, bereite eine Rolle möglichst genau vor und komme erst dann zur Korrepetition. Ich gehe sehr respektvoll mit der Zeit anderer Leute um. Für dieses Stück gibt es keinen einfachen Weg, da muss man wirklich viel studieren. Aber die Herausforderung hier ist eher eine für das Gehirn als für die Gesangstechnik.

Der Goldene Drache: Oper von Péter Eötvös, Mainfranken Theater Würzburg. Premiere am 25. Januar, 19.30 Uhr. In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln, eine Stunde, 40 Minuten, keine Pause. Weitere Vorstellungen 1., 8., 14. Februar, 1., 5., 17. März, 1., 17., April, 27. Mai. Karten: Tel. (09 31) 39 08-124 oder karten@mainfrankentheater.de

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