WÜRZBURG

Der Hafensommer endet ausverkauft, karibisch und ehrwürdig

Kubanische Nacht beim Hafensommer       -  Der kubanische Musiker Eliades Ochoa unter Palmen und rotem Stern: Altmeister am Sonntagabend beim Hafensommer.DANIEL PETER
Der kubanische Musiker Eliades Ochoa unter Palmen und rotem Stern: Altmeister am Sonntagabend beim Hafensommer.DANIEL PETER Foto: Foto:

Da steht Musikgeschichte mit schwarzem Stetson auf der Bühne: Eliades Ochoa, der kubanische Johnny Cash, zweitjüngster Hauptakteur und letzter Überlebender aus dem legendären „Buena Vista Social Club“ und seit den späten 70er Jahren Chef des berühmten „Cuarteto Patria“, das es seit 1939 schon gibt und das damals, in den späten 70ern, mit seinem Folklore-Sound eher als altmodisch galt.

Da steht also Eliades Ochoa – 71 Jahre alt, Grandseigneur, Virtuose und Sänger mit dem schwarzen Hut auf dem Kopf und der Tres, der kubanischen Gitarre, vor dem Bauch – auf der Hafensommerbühne. Und zeigt, dass Geschichte frisch und Nostalgie sehr, sehr lebendig sein kann. Zumindest scheinbar zeitlos. 1300 Zuhörer sind gekommen, die Treppen im Würzburger Alten Hafen dicht an dicht an dicht besetzt, um den „Son Cubano“ zu hören, den Klang aus den Straßen des alten Havanna.

Die Legende spielt mit – und der freundlich-herzliche Eliades Ochoa wird auch nicht müde, immer wieder an den „Buena Vista Social Club“ zu erinnern und der „Grande Familia“ zu danken. Mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Kontrabass, Trommeln, Maracas und inzwischen auch einem Keyboard braucht es nur wenige Takte, da ist am Sonntagabend der Hafen von karibischer Leichtigkeit und Leidenschaft erfüllt. Und von jener Musik, die seit jenem Album 1996, seit dem „Buena Vista Social Club“, die ganze Welt verzaubert.

Es ist der letzte Abend des Hafensommers. Das Abschlusswochenende des weltmusikalischen „Entdeckerfestivals“ sollte durch und durch süd- und mittelamerikanisch klingen. Am Samstag hatte die chilenische Truppe Chico Trujillo Latin-Rock-Freunden und Tanzbegeisterten viel Spaß gemacht. Und für die erste Gruppe des Abends entschädigt: „La Chiva Gantiva“ aus Belgien war im Programmheft mit „furioser, leidenschaftlicher Gute-Laune-Musik“ angekündigt gewesen. „Rustikale traditionelle Perkussion paart sich mit derbem Rockschlagzeug, E-Bass, Saxophon oder Klarinette zu einem grenzüberschreitenden Soundclash“, hieß es da.

Es war nicht übertrieben, eher noch verklärend beschrieben. Denn das kubanisch-belgische Sextett machte vor allem: viel Lärm und schlimmen Krach.

Umso wärmer, sanfter, wohliger dann Eliades Ochoa. Das Konzert war schon im Vorfeld ausverkauft gewesen, die Besucherzahl damit insgesamt bei diesem 17-tägigen Hafensommer auf 11 500 geklettert. Immerhin fast 2000 mehr als im vergangenen Jahr. Und deutlich mehr als die 8500 Zuhörer, die in den Jahren 2015 und 2016 gekommen waren. Auch wenn die finanzielle Bilanz der (in den Vorjahren wegen hoher Subventionierung umstrittenen) städtischen Veranstaltung noch nicht gezogen ist – über Zuspruch, Atmosphäre und Stimmung in diesem Jahr waren Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und Kulturamtsleiterin Sibylle Linke schon mal „glücklich“.

Und glücklich auch die Menge bei Eliades Ochoa. Der trat immer wieder gut gelaunt in Dialog mit Zuhörer(inne)n – und erfüllte Wünsche. „A la luna yo me voy“ zum Beispiel. Ja, der Vollmond zog über dem Alten Hafen dann auch noch leuchtend auf. Ein würdiges kubanisches Finale des diesjährigen Hafensommers. Wobei, den endgültigen Schlusspunkt setzten die Bayerisch-Kubaner „Los Dos Y Companeros“. Aber das war nach dem ehrwürdigen Altmeister dann irgendwie . . . nun, ja. Geschenkt.

Kubanische Nacht beim Hafensommer       -  Der kubanische Musiker Eliades Ochoa: Star am Sonntagabend beim Hafensommer-Finale.DANIEL PETER
Der kubanische Musiker Eliades Ochoa: Star am Sonntagabend beim Hafensommer-Finale.DANIEL PETER Foto: Foto:
Kubanische Nacht beim Hafensommer       -  Ausverkauft: 1300 Zuhörer kamen zur Kubanischen Nacht.Daniel Peter
Ausverkauft: 1300 Zuhörer kamen zur Kubanischen Nacht.Daniel Peter Foto: Foto:

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