LÜBECK

Der Literaturnobelpreisträger selbst empfand seinen Erfolg als märchenhaft

(dpa/hele) Günter Grass, geboren am 16. Oktober 1927, wollte schon mit zwölf Jahren Künstler werden. Er studierte denn auch an den Kunsthochschulen in Düsseldorf und Berlin und arbeitete immer wieder als Bildhauer, Zeichner und Maler. Sein Leben lang wechselten sich Phasen des Schreibens und des Zeichnens ab. Nach Abschluss eines Romans folgte meist eine Schaffensphase der Bildenden Kunst. Teils illustrierte er seine literarischen Werke selbst, etwa seinen ersten Gedichtband „Die Vorzüge der Windhühner“ oder den persönlichen Rückblick aufs 20. Jahrhundert („Mein Jahrhundert“).

Seinen frühen Erfolg als Schriftsteller, der 1999 im Literaturnobelpreis gipfelte, empfand der Sohn sogenannter kleiner Leute aus dem Danziger Vorort Langfuhr selbst als märchenhaft. Der deutschstämmige Vater verdiente sein Geld als Lebensmittelhändler. Grass' Mutter war kaschubischer Abstammung. Die Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen war für den Danziger Ehrenbürger Günter Grass ein wichtiges Thema.

Hinter den oft donnergrollenden Rollen des öffentlichen Polit- und Literaturtheaters ist der sensible Mensch und Künstler Grass oft nicht wahrgenommen worden. Er, der von sich selbst sagte, einen Mutterkomplex zu haben. Der es Frauen nicht immer leicht gemacht hat. Von drei Partnerinnen hat Grass insgesamt sechs Kinder. Mit seiner damaligen Frau Anna Schwarz, einer Schweizer Ballettstudentin, lebte er ab 1956 drei Jahre in Paris. In den 70ern hatte er eine Beziehung mit einer Architektin. Grass' zweite Frau Ute Grunert brachte zwei Kinder in die Familie mit, 1979 wurde geheiratet.

Leidenschaftlich gern kochte Grass – was auch sein Roman „Der Butt“ verrät. Seine bevorzugt deftigen Essen waren nicht jedermanns Geschmack, die Liebe zum Rotwein bleibt unvergessen. Günter Grass war ein „Familientier“, die Enkelschar der Patchworkfamilie wuchs im Laufe der Jahre, in vielen Sommern zu Gast im Ferienhaus mitten im Wald der dänischen Insel Moen.

Die Jahre mit Ute hatten feste Zyklen: Im Winter lebte der Schriftsteller im Ferienhaus in Portugal, im Sommer auf Moen mit Badefreuden in der Ostsee. Stammsitz wurde ein altes Haus mit Arbeitsatelier in Behlendorf bei Lübeck, gelegen an einem Kanal. Dort schrieb Grass per Hand und tippte dann seine Manuskripte auf einer alten Olivetti Schreibmaschine.

Oft kam Günter Grass auch nach Berlin, wo er früher gelebt hatte, oder nach Hamburg. Das Flüchtlingskind, wie sich der Künstler immer selbst empfand, fand keine richtige neue Heimat.

Günter Grass stand bis zuletzt in der Öffentlichkeit. Am 28. März hatte er noch einen großen Auftritt bei der Uraufführung seines dramatisierten Jahrhundertromans „Die Blechtrommel“ am Hamburger Thalia Theater. Er verfolgte mit seiner Frau von der ersten Reihe aus die Vorstellung, am Ende verbeugte er sich mit den Schauspielern vor dem applaudierenden Publikum.

Trotz seines hohen Alters sei sein Tod am Montagmorgen für die Familie überraschend gekommen, hieß es.

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