BERLIN

Deutscher Filmpreis: Ein kleiner Berlin-Film wird zum großen Lola-Sieger

Bester Schauspieler: Tom Schilling in „Oh Boy!“ Foto: X-Verleih

Poetisch, melancholisch und wunderbar selbstironisch: Die in Schwarz-Weiß gedrehte Tragikomödie „Oh Boy“ hat die Goldene Lola für den besten deutschen Film gewonnen. Doch das Kinodebüt von Jan Ole Gerster holte am Freitagabend im Berliner Friedrichstadt-Palast nicht nur den Deutschen Filmpreis in der Königskategorie. Daneben gingen fünf weitere Trophäen an den kleinen, jazzigen Berlin-Film über einen in den Tag hinein lebenden Studienabbrecher.

Das mit neun Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangene Drama „Cloud Atlas“ von Tom Tykwer holte fünf Lolas. Allerdings wurde der mit 100 Millionen Dollar teuerste deutsche Film der Geschichte ausschließlich in Nebenkategorien wie Schnitt, Kostümbild und Maskenbild ausgezeichnet. Vielleicht reagierte die Filmakademie damit auf Kritik im Vorfeld. Der mit US-Unterstützung entstandene englischsprachige Film, in dem Stars wie Tom Hanks und Halle Berry mitspielen, sei gar kein „echter“ deutscher Film, ward vielfach beanstandet worden.

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Deutscher Filmpreis 2013

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Die Preise in den wichtigen Kategorien von Regie und Drehbuch bis zu den Darstellerpreisen gingen alle an „Oh Boy“. Hauptdarsteller Tom Schilling nahm für seine Rolle des in der deutschen Hauptstadt umherstreifenden Niko die Goldene Lola als bester Schauspieler entgegen. Der 71-jährige Michael Gwisdek wurde als desillusionierter Berliner Nachtschwärmer in „Oh Boy“ zum besten Nebendarsteller gekürt.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, so der völlig überwältigte Regisseur Gerster (Jahrgang 1978), als er für seinen Berlin-Film eine Lola nach der anderen entgegennahm.

„Dieser Lebensstil ist auch nur in Berlin möglich – dass man mit relativ wenig Geld auskommt und nichts macht“, sagte Tom Schilling. Der Schauspieler dankte auch seiner im Publikum sitzenden Freundin für ihre Geduld mit ihm: „Schauspieler sind ja nicht so die Ausbalanciertesten zu Hause“, meinte er. Rund 230 000 Kinogänger haben den für nur 300 000 Euro gedrehten Gewinnerfilm „Oh Boy“ bislang gesehen.

Zum dritten Mal und wiederum für eine Rolle in einem Film von Margarethe von Trotta erhielt Barbara Sukowa den Preis als beste Schauspielerin. Nach Ehrungen für „Die bleierne Zeit“ (1982) und „Rosa Luxemburg“ (1986) holte die 63-Jährige dieses Mal die Lola für die Titelrolle in „Hannah Arendt“. Die Biografie über die deutsch-jüdische Philosophin wurde außerdem mit der Silbernen Lola in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet. Beste Nebendarstellerin wurde Christine Schorn für „Das Leben ist nichts für Feiglinge“.

Für den Publikumspreis konnten Zuschauer unter den an der Kinokasse erfolgreichsten Filmen wählen. Sieger war Matthias Schweighöfer mit der Komödie „Schlussmacher“, die nicht auf der Nominierungsliste der Deutschen Filmakademie stand.

Sehr gerührt war der Filmemacher Werner Herzog, als er die Ehren-Lola für sein Lebenswerk entgegennahm. Der 70-Jährige („Aguirre, der Zorn Gottes“, „Fitzcarraldo“) war aus seiner Wahlheimat Los Angeles angereist, und der Applaus für ihn wollte gar kein Ende nehmen. Herzog versprach, es werde bald neue Filme von ihm zu sehen geben.

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