KRONBERG

Die Musikwelt nimmt Abschied von Fritz Rau

„Nie ein Haifisch“: Der legendäre Konzertveranstalter Fritz Rau war für viele Musiker nicht nur Geschäftspartner, sondern Familienmitglied. Foto: dpa

Mick Jagger nannte ihn „The Godfather of us all“, für Al Jarreau war er „Everybody's Papa“: Der Konzertveranstalter Fritz Rau war für viele Musiker nicht nur Geschäftspartner, sondern Familienmitglied. Obwohl er seine Autobiografie „50 Jahre Backstage“ nannte, wurde Rau selbst zu einer Art Legende. Am Montag starb er in Kronberg bei Frankfurt. Zur Todesursache sagte seine Tochter: „Na ja, er war 83.“

An die 6000 Konzerte hat Fritz Rau organisiert. Die Liste der Stars, die er nach Deutschland holte, ist so lang, dass sie jeden Text sprengen würde. Eigentlich ist es eher so, dass kaum ein prominenter Name fehlt: Jimi Hendrix und Bob Dylan, die Rolling Stones und The Who, Tina Turner und Michael Jackson, Ella Fitzgerald und Miles Davis, David Bowie und Queen, Madonna und Prince, Eric Clapton und Rod Stewart, Udo Lindenberg und Udo Jürgens und so weiter und so fort.

Die ersten Open-Air-Konzerte

Beinahe wäre der in Pforzheim geborene Sohn eines Schmieds Anwalt geworden. Als der Jazzfan in Heidelberg in den 50er Jahren erste Jazzkonzerte organisierte, wechselte er das Business. 1964 gründete er mit Horst Lippmann die Konzertagentur Lippmann + Rau, an der weltweit bald niemand mehr vorbeikam. Rau erfand neue Formate, veranstaltete die ersten großen Open-Air-Konzerte und mietete Sonderzüge, um Fans zu den Konzerten zu bringen.

1989 fusionierte die Firma mit dem Rivalen Marcel Avram von Mama Concerts zu Mama Concerts & Rau. Das Großunternehmen stürzte ab, als Avram Anfang der 90er Jahre wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Rau zog sich erst 2004 aus dem Geschäftsleben zurück. Er schrieb seine Memoiren und wurde Honorarprofessor. Seine letzten Jahre verbrachte er in einer Seniorenresidenz im Taunus.

Die Urnenbeisetzung finde im engsten Familienkreis statt, sagte Raus Tochter. Es werde aber „in einigen Wochen“ eine öffentliche Trauerfeier geben. Rau hinterlässt zwei erwachsene Kinder, er war zweimal verheiratet. „Stars werden geboren, nicht gemacht“, war Raus Devise. Er räumte ein, mit ihm zu arbeiten sei nicht leicht gewesen, „weil ich doch gelegentlich, sagen wir, zu Ausfällen hinsichtlich meiner Lautstärke neige“. Er habe 30 Jahre keinen Urlaub gemacht, „weil ich in meinem Beruf genug erlebt habe“, sagte er an seinem 65. Geburtstag, als er noch lange nicht an Ruhestand dachte.

Rau hatte klare politische Überzeugungen. Er unterstützte die Grünen und die Friedensbewegung, und er lehnte es ab, Konzerte für „rechte“ Bands zu organisieren. „Er schläft nie“, sagte Joan Baez in dem Buch „50 Jahre Backstage“ über den Tour-Manager. „Wenn Fritz gegen eine Wand lief, dann wackelte die“, erinnerte sich Peter Maffay.

Seinen 80. Geburtstag feierte Rau mit 2500 Gästen und vielen prominenten Gratulanten in der Frankfurter Alten Oper. In der Laudatio hieß es, er sei im „Haifischbecken“ des Showgeschäfts „nie selbst ein Haifisch gewesen. Aber er war so clever wie ein Haifisch.“ Rau habe „Liebe, Perfektion, Kreativität und Cleverness“ verbunden.

Zitate über Fritz Rau

• „Kein aalglatter Dealer, der sich nur an Verkaufscharts orientiert, kein Eintrittskartenverkäufer mit dem Rechenschieber im Kopf, sondern einer, der sein Feeling und seinen Glauben und sein Gewissen fragt, was er machen soll.“ (Udo Lindenberg 2005 in seinem Vorwort zu Raus Lebenserinnerungen) • „Fritz Rau hat wohl als Erster die Bedeutung der Promotion erkannt. Er war leidenschaftlich, was seine Bands anging, er hat sich selbst zum Instrument des Marketing gemacht. Legendär sind seine Pressekonferenzen, wo er des Künstlers gar nicht bedurfte.“ (Konzertveranstalter Marek Lieberberg) • „Er war ein sehr komplexer Mensch: kantig, sperrig, humorvoll, auch cholerisch. Sein Spitzname war ,Ayatollah Choleri'.“ (Verleger Georg Stein, in dessen Palmyra-Verlag 2005 Raus Autobiografie erschien) Text: dpa

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