Würzburg

Die drei, vier, fünf Instrumente im Kontrabass

Jazz-Abend beim Hafensommer, was für Genießer. Zwar waren nicht so viele Leute auf den Betontreppen am Heizkraftwerk. Aber die bekamen Unfassbares geboten.
Renaud Garcia-Fons spielt einen fünfsaitigen Kontrabass - im Jazz ist das eher selten. Ergebnis: außergewöhnliche klangliche Effekte im Zusammenspiel mit Pianist David Peña Dorantes. 
Renaud Garcia-Fons spielt einen fünfsaitigen Kontrabass - im Jazz ist das eher selten. Ergebnis: außergewöhnliche klangliche Effekte im Zusammenspiel mit Pianist David Peña Dorantes.  Foto: Thomas Obermeier

Ein Kontrabass ist ein Kontrabass, klar. Ein Kontrabass ist aber auch eine orientalische Trommel. Ein Kontrabass ist eine Gambe. Ein Kontrabass ist Violine, Laute, Flamenco-Gitarre. Zumindest, wenn Renaud Garcia-Fons den Kontrabass spielt. Und spielen heißt: Wenn er über die fünf Saiten streicht, sie streichelt und zupft, wenn er aufs Holz klopft, sein Instrument so zart, so virtuos, so melodisch klingen lässt, als spielten hier vier Geigen. Und wenn er – mit unfassbarer Kontrolle und Beherrschung – die Bogenspitze über die Saiten springen, hüpfen, flirren lässt, als spielte ein Gitarrist furios zum andalusischen Tanz auf.

Auf der Wasserbühne beim Würzburger Hafensommer am Jazz-Montagabend aber sitzt kein Gitarrist, da steht ein 56-jähriger französischer Bassist, der instrumentale Hochleistung bietet. Und der mit dem 50-jährigen Flamenco-Pianisten David Peña Dorantes ein unvergleichliches Wechselspiel bietet. Mag hier auf Papier schrecklich schwärmerisch klingen – die (für so ein Weltklasse-Duo wenigen) Zuhörer, die am Heizkraftwerk hörten, lauschten, staunten, werden zustimmen können.

Ein Flügel ist ein Flügel. Auch klar. Aber wenn Dorantes ihn spielt, wird er zu einem grenzen- und weltenüberschreitenden Instrument.  Und wenn er mit links die Tasten drückt, mit rechts aber oben in die Saiten greift, klopft und zupft, so zur Gitarre wie Garcia-Fons' Bass. Zwei tolle außergewöhnliche Musiker, eine exzellente Konzertstunde, viel Applaus. 

Fotoserie

Hafensommer

zur Fotoansicht

Und um die dritte Ausnahmemusikerin des Abends nicht zu übergehen: Eine Gitarristin ist eine Gitarristin. Eine Gitarristin ist aber auch eine Bassistin. Eine Sängerin. Eine Perkussionistin. Eine Maultrommlerin, Zungenschnalzerin, Vogelstimmen-und-Affenlaute-Imitatorin. Und manchmal alles auf einmal. Im musikalischen Regenwald, den die Brasilianerin Badi Assad nach Würzburg brachte, kreisten und kreischten zum Sonnenuntergang dankbar die Mauersegler und Schwalben. Tolle Sache.   

Rückblick

  1. Hafensommer: Spektakel mit Tentakel
  2. "Babylon Berlin" am Main: Golden Twenties nicht ganz so golden
  3. Rainald Grebe macht ernsthaft Spaß
  4. Sternstunde beim Würzburger Hafensommer
  5. Hafensommer: Kettcars Aufruf, Löcher in Zäune zu schneiden
  6. Wenn sich ein Songwriter Gäste einlädt
  7. Die drei, vier, fünf Instrumente im Kontrabass
  8. 8 Punkte: Was zum Hafensommer gesagt werden muss
  9. Vorab reingehört: So klingt der Hafensommer
  10. Hafensommer: Moka Efti Orchestra ausverkauft
  11. Warum eine Bank und ein Orchester den Hafensommer lieben
  12. Till Brönner und das gute Leben in der Main-Philharmonie
  13. Warum Asaf Avidan „One Day“ im Original singt
  14. Wie Kümmert mit Hiphop und Intimschmuck fernsehtauglich wird
  15. Hafensommer: Heißer Sound in nichtatmungsaktiven Jacken
  16. Olli Schulz verkuppelt auf dem schwimmenden Einhorn
  17. 16 Saiten und ein Fazit: wow!
  18. Orient trifft Okzident – eine coole Kombi
  19. Klassik trifft Weltmusik zur Eröffnung des Hafensommers 2018
  20. Hafensommer-Start mit Orient-Flair
  21. Hafensommer auf der "Arte Noah"
  22. Der Hafensommer in Bildern
  23. Musikalischer Blick nach Israel beim Hafensommer
  24. Der Hafensommer endet ausverkauft, karibisch und ehrwürdig
  25. Rebellen mit E-Gitarren beim Hafensommer
  26. Das Tingvall Trio lässt die Musik kreisen
  27. Seven singt die Wolken weg
  28. Der neue Hafensommer kommt gut an
  29. Musik aus der Perspektive eines Vogels beim Hafensommer
  30. Max Mutzke lässt Lenden kreisen
  31. Treibholz schwimmt im Hafenbecken
  32. Nils Landgren und der Funk fürs Leben
  33. Hafensommer-Chefs: „Wir wollen auch herausfordern“
  34. Der Hafensommer schwappt über die Ufer
  35. Elfter Hafensommer mit klaren regionalen Akzenten
  36. Der neue Hafensommer ist ein bisschen auch der alte
  37. Mit neuem Leitungsteam: Neustart für den Hafensommer
  38. Hafensommer: Kulturreferent will höheren Zuschuss
  39. Hubert von Goiserns furioses Hafensommer-Finale
  40. Hafensommer: Der Regen als fünftes Instrument
  41. Harfensommer und Flowzirkus: Zweimal Jazz im Hafen
  42. Der Hafensommerabend des geplant Spontanen
  43. Eine Zwischenbilanz: Der etwas neue Hafensommer
  44. Stimmung wie im Madison Square Garden
  45. Cooler Hafensommer-Sound bei kühlen Temperaturen
  46. The Notwist ließen das Hafenbecken erzittern
  47. Hafensommer: Auf Klangreise mit Michael Wollny
  48. Bilanz der ersten Hafensommer-Woche: Huij und Respekt
  49. Hafensommer: Klaus Doldingers Wagnisse vor sicherer Trommelwand
  50. Interview: Al Ghusain und der Hafensommer

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Alice Natter
  • Badi Assad
  • Bassisten
  • Bassistinnen
  • Gitarre
  • Gitarristen
  • Hafensommer in Würzburg
  • Kontrabass
  • Musiker
  • Renaud
  • Sängerinnen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!