FRANKFURT

Die lange Geduld der Margarethe von Trotta

Margarethe von Trotta: Von der Zeitgeschichte wandte sich die Regisseurin in den 80ern der Geschichte zu. Foto: dpa

Margarethe von Trotta wusste schon mit 20, dass sie Regisseurin werden wollte. Aber erst mit 35 entstand ihr erster eigener Film. „Eine lange Zeit, eine lange Geduld“, sagt sie über diese Jahre. Die Geduld hat sich ausgezahlt.

Die Regisseurin, die am Dienstag, 21. Februar, 70 Jahre alt wird, ist eine der wichtigsten Figuren des deutschen Kinos. Mit feinem Gespür für Widersprüche in Politik und Gesellschaft drehte sie Filme wie „Die bleierne Zeit“ (1981), „Heller Wahn“ (1983), „Rosa Luxemburg“ (1986), „Zeit des Zorns“ (1993) und den ersten großen Film über den Mauerfall, „Das Versprechen“ (1995).

Geboren wurde Margaretha von Trotta in Berlin, mitten im Krieg, im Winter 1942. Sie war ein Siebenmonatskind, das kämpfen musste, um am Leben zu bleiben.

Mit 18 Jahren nach Paris

Trottas Mutter war eine baltische Adelige aus Moskau, die es 1920 nach Berlin verschlagen hatte. Ihr Vater, der Maler Alfred Roloff, starb früh. Sie wuchs in Düsseldorf auf. Mit 18 ging Trotta nach Paris. Sie begeisterte sich für die Filme von Ingmar Bergman, für das junge französische Kino, die Nouvelle Vague. Später holte sie das Abitur nach und ging auf die Schauspielschule.

Mit 22 spielte sie Theater, führte eine kurze Ehe, bekam einen Sohn. Die berühmte Zeile „Fremd bin eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“ aus Schuberts „Winterreise“ zieht sich leitmotivisch durch Trottas Leben, das von Ortswechseln geprägt blieb. Berlin, München, Rom und Paris, wo sie heute lebt, waren die wichtigsten Stationen. Überall drehte sie Filme, fürs Kino wie fürs Fernsehen, sie ist in Italien und Frankreich so bekannt wie in Deutschland. Erlebt man Trotta bei Auftritten, beeindruckt die Frau mit der grausilbernen Mähne und dem eindringlichen Blick durch eine unglaubliche Energie.

Erste Meriten als Schauspielerin erwarb sie sich Anfang der 70er Jahre in Fernsehserien wie „Der Kommissar“ und im neuen deutschen Film. Herbert Achternbusch engagierte sie („Das Andechser Gefühl“, 1974), für Rainer Werner Fassbinder spielte sie in vier Filmen, darunter in „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (1970/71). Aber sie wollte mehr als Schauspielerin sein – sie wollte Regie führen und eigene Drehbücher verfilmen. Entscheidend für die Verwirklichung dieses Plans war Regisseur Volker Schlöndorff, mit dem Trotta von 1971 bis 1991 verheiratet war. In dessen „Strohfeuer“ (1972) und „Der Fangschuss“ (1976) spielte sie nicht nur, sie schrieb auch an den Drehbüchern mit. Koregie führte sie dann bei „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975).

Trotta sieht in Schlöndorff ihren wichtigsten Lehrer: „Bei ihm durfte ich an allem beteiligt sein. Von der ersten Idee übers Drehbuchschreiben, die Schauspieler- und Motivsuche bis zum Drehen, Schneiden und Mischen – also am ganzen gedanklichen und praktischen Vorgang“, sagte sie einmal. Ihr erster eigener Film als Regisseurin und Drehbuchautorin entstand 1977/78, „Das zweite Erwachen der Christa Klages“ – die Geschichte einer Kosmetikerin, die aus Frust zur Bankräuberin wird. Es waren die 70er Jahre, die Zeit von RAF-Terror und Radikalenerlass. Und es war die Zeit einer erstarkenden Frauenbewegung, der Trotta durchaus kritisch gegenübersteht.

Kämpfende und leidende Frauen

Sie zeigt Frauen, die kämpfen, auch leiden, sich in komplexen Beziehungen verstricken. „Die bleierne Zeit“ (1981), in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, erzählt von der angepassten Juliane und der aufmüpfigen Marianne – beide unverkennbar nach den Schwestern Gudrun und Christiane Ensslin gestaltet. Von der Zeitgeschichte wandte sich Trotta in den 80ern der Geschichte zu: 1986 drehte sie mit „Rosa Luxemburg“ das erste einer Reihe historischer Frauenporträts, jeweils mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle. 2009 kam „Vision – aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ ins Kino, der von der Mystikerin und Heilkundigen erzählt. Momentan arbeitet Trotta an „Hannah Arendt“, einem Spielfilm über die jüdische Philosophin, die als Beobachterin des Eichmann-Prozesses in Jerusalem 1961 die Debatte um die „Banalität des Bösen“ auslöste.

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