Hohenroth

Ein Rhöner in der Elbphilharmonie

Seit 2015 spielt der Posaunist Felix Eckert im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Mit 27 ist er weit gekommen. Dann ist da noch die Sache mit den Knirpsen ...
Felix Eckert mit seinem weltberühmten Arbeitsplatz, der Elbphilharmonie, im Hintergrund. Foto: Selfie Felix Eckert

Das Blech glänzt von der einzigartigen Sonne Hamburgs, die ein schon nordisches Licht über die Stadt wirft. Kupfer und Goldmessing der Posaune wetteifern mit der Fassade der Hamburgischen Staatsoper darum, wer diese Sonnenstrahlen besser reflektieren kann.  

Noch mehr funkelt das Mundstück. Welche Töne mit ihm schon geblasen wurden! Wehmütiges, Liebestrunkenes aus einer Donizetti-Oper; Triumphales aus Verdis Dauerbrenner "Nabucco"; Andächtiges einer Mozart-Messe oder ganz Neuzeitliches von George Benjamin! So perfekt offenbar, dass diese Posaune nicht irgendwo erklingt, sondern im Großen Saal der spektakulären Hamburger Elbphilharmonie oder in der Hamburgischen Staatsoper. Und in dieses Mundstück bläst ein Rhöner: Felix Eckert aus Hohenroth.      

40 Konzerte in der Elphi

"Natürlich bin ich sehr happy, in diesem Saal zu spielen", sagt Felix Eckert über die Elbphilharmonie. Bei 40 Konzerten hat er in dem neuen Hamburger Wahrzeichen schon Posaune gespielt. "Man lernt den Saal und seine herausfordernde Akustik kennen", sagt Eckert. 27 Jahre ist der Orchestermusiker aus Hohenroth bei Bad Neustadt alt und auf der Karriereleiter schon einige ordentliche Stufen vorwärts gekommen. Sein Chefdirigent ist Kent Nagano. Mit Mariss Jansons hat er Stücke einstudiert und über Kirill Petrenkos Dirigat staunt er noch heute. Es hat also offensichtlich nicht geschadet, bei der Blaskapelle Hohenroth seine ersten Sporen zu verdienen.

Das prägende Umfeld für Felix Eckert war die Familie. Der Vater Trompetenlehrer an der Kreismusikschule, die Mutter Musiklehrerin an der Realschule in Mellrichstadt: Die Eckerts haben den Titel als musikalische Familie gewiss verdient. Und so nimmt es nicht wunder, dass Eckerts jüngerer Bruder Moritz Trompete studiert und Schwester Iris (23) Jazz-Gesang in Stuttgart.   

Felix Eckert aus Hohenroth im Landkreis Rhön-Grabfeld ist Solo-Posaunist an der Staatsphilharmonie Hamburg. Die Elbphilharmonie und die Hamburgische Staatsoper sind seine Arbeitsplätze. Foto: Gerhard Fischer

"Ich bin da halt reingewachsen. In der dritten Klasse habe ich mit dem Posaunenspiel begonnen, in der Hohenrother Blaskapelle wurde Böhmische Musik gespielt. Später habe ich bei der Big Breath Brass Band der Kreismusikschule gespielt, die mein Vater leitete", erzählt Eckert von den musikalischen Anfängen in der Rhön.

Viele Siege schon als junger Bub

Dann ging es praktisch Schlag auf Schlag. Siege beim Wettbewerb "Jugend musiziert" und bald schon die Aufnahme in das Bundejugendorchester (BJO), das damals in Würzburg zum Vorspiel geladen hatte. Kirill Petrenko, einst Generalmusikdirektur in Meiningen und jetzt designierter Chefdirigent der Berliner Philharmonikern, hatte ein BJO-Projekt seinerzeit angeleitet. Viele Konzerte in Deutschland und Auftritte in Südafrika folgten. "Das war so ein tolles Gefühl, in einem Orchester und mit solch einem Dirigenten zu spielen! Ich habe damals Blut geleckt", sagt Felix Eckert.     

Felix Eckert (rechts) und seine Kollegen Jonas Burow (links) und Hannes Tschugg (Mitte) im Großen Saal der Elbphilharmonie nach einem Bruckner-Konzert. Foto: Jesper Korneliusen

Eckert wechselte ans Schweinfurter Celtis-Gymnasium für einen Musik-Leistungskurs, wurde Jung- und dann Regel-Student an der Würzburger Hochschule für Musik bei Professor Andreas Kraft. Eckert war Soloposaunist des Mainfranken Theaters Würzburg und in der Akademie des Symphonierorchesters des Bayrischen Rundfunks unter Mariss Jansons. "In solchen Akademien lernt man viel, wird auch gleich eingebunden. Da muss jeder Ton sitzen", erzählt Eckert. Mit den Münchnern war er in Südamerika unterwegs. Noch so ein einmaliges Erlebnis, das unvergessen bleibt für den jungen Profi.

Vorspiel in Hamburg 2015

Dann kam 2015 das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. Vorspiel in drei Runden vor dem gesamten Orchester. Jedes Orchestermitglied hat eine Stimme. Die hanseatischen Musiker-Kollegen haben den Unterfranken in ihren erlauchten Kreis aufgenommen.

Und das als Solo-Posaunist. Das erste Werk, das er in der Hansestadt einstudierte für die Staatsoper, war Puccinis Oper "La Fanciulla del West" unter Simone Young, damals Chefin in Hamburg. Bereits nach einem halben Jahr war die einjährige Probezeit beendet. Er ist jetzt sozusagen städtischer Angestellte mit Einsatzort Elbphilharmonie.       

Kent Nagano als Chef

Sein Chef ist der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln Kent Nagano, der noch mit Orchestern in Göteborg, Montreal und Köln verbunden ist. "Sein Wohnsitz sind wohl Hotels und Flugzeuge", scherzt der Rhöner Posaunist. Das Klassik-Geschäft ist ein ruheloses Business. "Er weiß genau, was er musikalisch will. Unser Orchester ist so etwas wie 1. Bundesliga, Nagano dirigiert aber auch die Champions-League, deshalb verlangt er sehr viel von uns", bringt der Posaunist einen Vergleich.    

Also strengt sich Eckert ordentlich an, spielt abends den "Fidelio" und probt tagsüber Bruckners Neunte für den Juni. Ganz persönlich hat er zwei Favoriten: "Wagner und Mahler, das höre ich schon sehr gerne", sagt der Orchestermusiker. Mit der Blechbläserfomation "Salaputia Brass" ist er noch auf einem zweiten musikalischen Standbein erfolgreich und immer mal auch in der alten Heimat zu Gast. Salaputia ist Lateinisch und bedeutet Knirpse. Der Begriff könnte etwas mit den vielen Hamburgischen Regentagen zu tun haben, für die man den kleinen Schirm gerne im Gepäck hat. Musikalisch ist der Rhöner schon einige Nummern größer.  

Salaputia Brass beim Würzburger Mozartfest
Am 16. Juni gastiert das Bläser-Ensemble "Salaputia Brass" mit Felix Eckert beim Würzburger Mozartfest. "Bond, Beatles and other Brits" ist der Abend im Hofgarten Veitshöchheim überschrieben, als klingendes Plädoyer gegen den kulturellen Brexit. Renaissance, Edward Elgar oder Zeitgenössisches von Elgar Howarth wie auch moderne Gassenhauer der Beatles oder James-Bond-Songs werden zu hören sein. Natürlich gibt's auch Mozart.

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