Würzburg

Ein souveräner Denis Goldfeld in Würzburg

Der russische Geiger glänzte mit Schostakowitschs erstem Violinkonzert. Und er fand beim Würzburger Konzert in Gábor Hontvári einen idealen Partner.
Denis Goldfeld brillierter mit Schostakowitschs erstem Violinkonzert. Foto: MFT

Die Jahrzehnte der Stalindiktatur schrieben eines der vielen düsteren Kapitel der Geschichte. Wie sich das Denken des Herrschers auch in der Kulturpolitik niederschlug, welche Folgen es für Kulturschaffende hatte, lässt sich an zahlreichen Künstlerbiographien ablesen und im Werkschaffen von Komponisten wie zum Beispiel Dmitri Schostakowitsch aufspüren. Im dritten Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg dieser Saison, das unter das Motto "Das andere Ich" gestellt war, erklang mit Schostakowitschs erstem violinkonzert ein Zeugnis dieser Zeit, ein Zeugnis auch für die innere Zerrissenheit einer Künstlerpersönlichkeit, die sich einerseits frei ausdrücken will, andererseits kulturpolitischen Dogmen unterwerfen muss.

Auseinandersetzung mit dem Stalinregime

Mit dem russischen Geiger Denis Goldfeld hatte man einen Solisten gewonnen, der den Gehalt dieses mitunter schroff wirkenden Werkes geradezu ideal zu transportieren wusste. Absolut souverän über jeglichen technischen Anforderungen stehend, konnte er gänzlich in den Charakteren und Emotionen aufgehen, die der Komponist so zahlreich und komplex ineinander verwoben hat. Sein Innerstes nach außen kehren – Goldfeld tat genau dies, mit einer Intensität und Vollkommenheit, die in der Tiefe berührte und mitunter körperlich bedrückende Wirkung zeigte.

Dabei legte er in den langsamen Abschnitten größtmögliche Ruhe an den Tag, tauchte den Saal mal im übertragenen Sinn in ein musikalisch fahles Licht, mal in unheilschwangere Düsternis. Die groteske Überzeichnung, mit der sich Schostakowitsch der Auseinandersetzung mit dem Stalinregime widmet, vollzog Goldfeld in vollkommener Manier, sodass die Musik bombastisch, aggressiv und grell durch den Saal paradierte. Dirigent Gábor Hontvári war der ideale Partner, lieferte mit dem Orchester Temperament und Tänzerisches; parodistische Momente erklangen meisterlich und fein ausgearbeitet.

Teuflischer Husarentanz und stürmischer Applaus

Auch im Finale gaben sich Orchester, Dirigent und Solist völlig dem teuflischen Husarentanz von Rhythmus und Metrik hin. Der stürmische Applaus wollte kaum enden; Goldfeld besänftigte die aufgeheizte Atmosphäre mit einer lichten Zugabe der österreichischen Komponistin Maria Theresia von Paradis.

Die erste Sinfonie von Jean Sibelius führte nach der Pause in eine andere musikalische Welt, ebenfalls voller üppiger Klangmalerei und rauschhafter Farbpracht, jedoch ungleich sanfter und schmelzender. Hontvári und das Orchester fluteten mit engagiert auftrumpfendem Spiel und glänzenden Einzelleistungen den Saal ganz einfach mit Musik.

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