NEW YORK

Eine Enttäuschung brachte Billy Joel den großen Erfolg

Billy Joel Foto: dpa

Nur der Dritte zu sein, klingt erst einmal nicht so toll. Es sei denn, die ersten beiden sind ein Herr namens Elvis Presley und die Country-Legende Garth Brooks – und es geht um die meisten Plattenverkäufe eines Solokünstlers in den USA. Da soll Billy Joel noch vor Michael Jackson, Elton John und weit vor Madonna liegen. Und der New Yorker hat noch etwas anderes geschafft: Er ist ein Stück Musikgeschichte, immer wieder kopiert, immer wieder nachgesungen, immer wieder ausgezeichnet. An diesem Freitag, 9. Mai, wird der „Piano Man“ 65 Jahre alt.

„Piano Man“, das war sein erster Hit. William Martin Joel trug damals lange Haare und einen Schnäuzer und hatte den Misserfolg seines ersten Soloalbums „Cold Spring Harbor“ zu verkraften – hervorgerufen auch durch einen Studiofehler bei der Aufnahme. In Los Angeles spielte der enttäuschte und wütende Joel als „Bill Martin“ in einem Hotel und schrieb einen Song über die anderen enttäuschten, wütenden Menschen an der Hotelbar („Sie teilen einen Drink namens Einsamkeit, aber zumindest trinken sie ihn nicht allein“).

Der Song wird nicht nur ein Hit, sondern Joels Markenzeichen. Die letzten trüben Zeilen lauten: „Das Mikrofon riecht wie ein Bier. Alle sitzen an der Bar und werfen mir meine täglichen Brötchen in den Hut und sagen ,Mann, warum sitzt Du hier?‘“ Ja, warum? Denn Hotelbars waren mit einem Mal zu klein für Billy Joel aus der Bronx, den Sohn eines aus Deutschland geflohenen Juden. Der Mann, der als Junge eigentlich keinesfalls Klavier lernen wollte, füllte mit einem Mal Säle und wurde in Fernsehshows eingeladen.

Joel schrieb eine ganze Menge Songs, die heute als Klassiker gelten. „Say Goodbye to Hollywood“, „New York State of Mind“, „Just The Way you are“, „Uptown Girl“ oder „We didn't start the Fire“ hat jeder schon einmal gehört und vielleicht sogar mitgesungen. Schließlich gehören sie zum festen Repertoire von Karaoke-Abenden.

Wenn es stimmt, dass unglückliche Künstler die kreativsten sind – eine Art Glück des Unglücks –, ist Billy Joel ein gutes Beispiel. Schon als junger Mann hatte er Depressionen, es ging bis zu einem Selbstmordversuch. Später kamen Probleme mit Alkohol und Tabletten dazu. Seiner ersten Frau schrieb er den Song „Just the Way you are“ – 1982 ließen sich beide nach neun Jahren scheiden.

Drei Jahre später heiratete er das Model Christie Brinkley – auch diese Ehe hielt nur neun Jahre. Brinkley war dabei, als Joel das dritte Mal heiratete. Trauzeugin war seine Tochter, mit 18 Jahren fünf Jahre jünger als die Braut. Die Ehe besteht jetzt neun Jahre.

Billy Joel behielt immer etwas vom Liedermacher. Es gab fröhliche Popsongs wie „Uptown Girl“, aber typisch sind kritische Titel wie „Allentown“ über den Niedergang einer Stadt. Zum 40. Geburtstag schenkte er sich „We didn't start the Fire“, in dem er aufzählte, was in den letzten 40 Jahren so passiert war – ohne zu ahnen, was in den nächsten 24 Stunden nach Erscheinen der Platte passierte: In East Germany, also der DDR, trat ein Mann namens Erich Honecker zurück, drei Wochen später fiel die Mauer. Joel feierte alles mit dem Versöhnungssong „Leningrad“.

Zweieinhalb Jahrzehnte später will ausgerechnet Billy Joel keine neuen Songs mehr schreiben. „Ich würde niemals nie sagen. Aber ich möchte es einfach gerade nicht“, sagte er gut eine Woche vor seinem 65. Geburtstag. Er habe schlichtweg keine Lust dazu, auch wenn ein guter Freund ihn immer wieder dränge: „Elton John würde sagen: ,Warum machst du nicht eine neue Platte?‘ Und ich sage: ,Warum machst du nicht ein paar weniger?‘“

In seiner Freizeit beschäftigt sich der Sänger gerne mit seiner ausgedehnten Motorradsammlung. Vor allem historische BMWs haben's ihm angetan.

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