PRINZESSIN

Eine Revolution der Popmusik und wie ein Roman entsteht

Beim 33. Internationalen Filmwochenende in Würzburg, das noch bis Sonntag, 28. Januar, andauert, ist das Angebot enorm vielfältig. Als Orientierungshilfe sollen Tipps von Festival-Machern dienen, die auf besonders sehenswerte Streifen aufmerksam machen. Heute:

(von Dietmar Post/Lucía Palacios): Sie sahen aus, als seien sie in ein Kloster eingetreten und dort sofort verrückt geworden. Sie trugen Kutten und hatten Tonsuren. Das Schlagzeug bollerte drauf los, das Keyboard gab schräge Töne von sich. Der Gesang glich eher Schreien und Rufen. Schöne Melodien, eingängige Hooklines? Fehlanzeige! Statt dessen ein perkussiv orientierter, minimalistischer Sound. Das waren die Monks. Fünf GIs, die als durchschnittliche Beatband starteten, dann zwei deutschen Kunsthochschülern begegneten und auf deren Anregung begannen, die Welt der Popmusik zu revolutionieren. „Black Monk Time“, ihre einzige Schallplatte, erschien 1966; bald darauf lösten die Monks sich auf. Heute gelten die seinerzeit Ignorierten als Vorläufer von Punk und Metal, von Techno und Prog-Rock. Der Dokumentarfilm „Monks – The Transatlantic Feedback“, an dem Dietmar Post und Lucía Palacios acht Jahre gearbeitet haben, zeichnet unterhaltsam ein vergessenes, aber wichtiges Stück Popgeschichte nach.

Heute, Freitag, 26. 1., 23:30 Uhr, Cinemaxx 3, Samstag, 27. 1., 19:15 Uhr, Bockshorn.

und

(von Jörg Adolph): Im Jugendkultur- haus Cairo stellt Jörg Adolph am Filmwochenende persönlich zwei seiner Werke vor. In beiden Filmen dokumentiert er künstlerische Schaffensprozesse. In „Houwelandt – Ein Roman entsteht“ begleitete Adolph 15 Monate lang den Schriftsteller John von Düffel – bekannt geworden durch sein Debüt „Vom Wasser“ (1998) – und konnte so den kompletten Prozess vom Schreiben bis zu Vermarktung und Verkauf eines Buches verfolgen.

In „On/Off the Record“ dokumentierte er die dreimonatige Entstehung des Albums „Neon Golden“ der deutschen Pop-Gruppe „The Notwist“. Der Film vermittelt einen guten Eindruck vom Entstehungsprozess der Musik, aber auch von der Suche nach einem geeigneten Label, der CD/LP-Pressung und dem Fotoshooting. Die Platte erschien im Januar 2002. Seitdem werden Band und Platte von Publikum, Kritikern und Presse als „vielleicht bedeutendste deutsche Pop-Gruppe“ (FAZ) und als „deutsches Pop-Ereignis“ („Der Spiegel“) gefeiert. Der Produktionsprozess lässt sich anhand des Films gut nachvollziehen.

Heute, Freitag, 26. 1., 17 und 20 Uhr im Jugendkulturhaus Cairo

(von Birgit Grosskopf): Filme, die sich mit körperlicher Gewalt auseinander setzen, beschäftigen sich meistens mit männlichen Jugendlichen. Anders bei „Prinzessin“: Im Vordergrund stehen drei junge Frauen, die brutal zur Sache gehen. Inmitten einer Plattenbausiedlung streifen die Mädchen unruhig durch ihr Revier. Kommt man ihnen blöde, gibt es Prügel. Gemeinsam versuchen sie, sich inmitten der Tristesse zu behaupten. Allein ist keine von ihnen stark genug für das harte Vorstadtleben. Regisseurin Birgit Großkopf, die beim Filmwochenende mit einer Hauptdarstellerin anwesend sein wird, geht offen und ohne Vorurteile an die Geschichte der Mädchenclique heran. Die Mädchen werden unverstellt gezeigt, aber nicht vorgeführt. Der Zuschauer hat die Möglichkeit, selbst einzuschätzen, weshalb sich die jungen Frauen verbal und mit vollem Körpereinsatz gegen ihre Umgebung stellen.

Heute, Freitag, 26. 1., 17:45 Uhr, Cinemaxx 3, Samstag, 27. 1., 18.45 Uhr, Corso 2. Die Gast-Autoren Christoph Haas, Susanne Bauer und Christine Hetzner sind Mitglieder der Filminitiative Würzburg, die das Filmwochenende veranstaltet.

Eine Revolution der Popmusik und wie ein Roman entsteht

Internationales Filmwochenende Einzelkarten fürs Filmwochenende kosten sechs Euro, sie sind an den Kassen der Kinos Corso und Cinemaxx erhältlich. Telefonische Vorbestellung: Tel. (09 31) 5 16 16 (Corso) und Tel. (09 31) 4 52 12 80 (Cinemaxx). Weitere Infos: Filminitiative Würzburg, Tel. (09 31) 1 50 77, im Internet unter: www.filmwochenende.de

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