OBERSINN

Eisenwahn in Obersinn: Der Roberto Blanco der Dresch-Metaller

Witze auf Deutsch: Derrick Leon Green, Sänger der brasilianischen Metal-Band Sepultura, beim Eisenwahn-Festival. Foto: chris weiss

Zehn Jahre ist es her, da spielte die brasilianische Metal-Legende Sepultura vor 150 000 Fans in Rio de Janeiro. Diesmal sind's ein paar weniger, aber ein Hammer ist's allemal. Eisenwahn an der Eisenbahn – so hieß mal das Metal-Festival in Obersinn. Heute heißt's nur noch Eisenwahn und hat in seiner achten Auflage tüchtig draufgepackt an Prominenz. Legion of the Damned, Onslaught, Tankard, The Crown und Sepultura – kaum zu glauben, dass das am Freitag und Samstag nur jeweils 2500 Anhänger der härtesten Gangart des Rock hören wollen. Die bedeuten freilich Zuschauerrekord für Obersinn, und aus dem Häuschen sind sie auch.

Ein Festival von Fans für Fans

2004 hatten ein paar Obersinner die Idee, ein Metal-Open-Air auf die Beine zu stellen. Drei lokale Bands schrammelten vor 300 Fans auf einem idyllischen Hang zwischen Rhön und Spessart. Dann ging alles ruckzuck! Bandliste und Publikum wuchsen stetig, 2010 war mit den Apokalyptischen Reitern erstmals eine Szenegröße am Start. Für die Macher vom Obersinner Motorsportclub um Karl Dill („Wir machen kein kommerzielles Agentur-Festival, sondern eines von Fans für Fans“) war das längst nicht das Ende der Fahnenstange. Und so stehen 2011 die Platten-Millionäre aus Brasilien auf der inzwischen üppigen Bühne.

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Spielfreudig präsentieren sich Gitarrist Andreas Kisser und Bassist Paulo Xisto Pinto, das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Sepultura. Als Schlagzeuger ersetzt Amilcar Christofaro von Torture Squad den an muskulären Problemen in den Armen leidenden Jean Dolabella famos. Und Sänger Derrick Leon Green ist die gute Laune in Person, witzelt auf Deutsch und gibt mit sonorer Stimme den Roberto Blanco, nur mit ellenlangen Rastazöpfen. Perfekt abgemischt donnert der brachiale, beinahe opernhaft arrangierte Thrash-Metal übers Publikum. Das ist schon eine andere Liga als die neun Bands davor.

Nicht dass die schwedischen Thrash-/Death-Metaller von The Crown oder Benediction (England) taktfrei herumgeschrubbt hätten, aber so bombastisch wie bei Sepultura klang's nicht. Auch nicht bei Cripper, einer der wenigen Bands mit einer Frau an der Spitze, die den szenetypischen gutturalen Gesang beherrscht. Das Gebrüll gehört zum Death-, Black- oder Thrash-Metal mit seinen irrwitzig schnellen Gitarren und dem brutalen Bass-/Drum-Rhythmus wie das Th in dem Wort Thrash – mit T wär's Trash, also Müll, derweil Thrash für Dreschen steht.

Gedroschen wird mächtig an den beiden Tagen, jeweils von 14.30 bis 1 Uhr. Und es geht friedlich zu. Überhaupt sind die Extrem-Metaller ein sicher trinkfestes, aber vor allem tolerantes Völkchen. Da gibt es auch keinen schiefen Blick für die paar Mädels im Emo-Look. Oder für den skurrilen Typen in weißer (!) Lederjacke, schwarzer Lederhose und weißen (!) Cowboystiefeln. Dreckig werden seine Salonschleicher nicht: Das Festival hat Petrus' Segen. Auch am Samstag, als es nach einer kleinen Durchschnaufpause mit Big Ball (im AC/DC-Stil die softeste der 20 Kapellen) noch mal richtig zur Sache geht. Debauchery legen den Schalter um, ehe mit Onslaught und den Frankfurter Bier-Thrashern von Tankard alte Haudegen des Genres den Teppich für Legion of the Damned ausrollen.

Vor allem die Hessen sind dabei nicht zu stoppen: Die Fans bringen sie mit ihrer mitreißenden Show völlig außer Atem, sich selbst nicht – 20 Minuten überziehen die heimlichen Könige des Wochenendes. Da hat es der holländische Headliner schwer. Doch die Legionäre sind trotz kleinerer technischer Probleme ein würdiger Abschluss 2011.

Und 2012? Können Dill und Co das heuer Gebotene noch toppen? Groß genug ist die beinahe wie ein Amphitheater gelegene Wiese ja, um vielleicht mal ein zweites Wacken zu werden. Die nette Dame von der Kasse betont: „Dann wäre es doch nicht mehr so idyllisch bei uns.“

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