Schweinfurt

Falcos schillerndes Leben

Ein Musical widmet sich dem "Rock me Amadeus"-Star, der vor 20 Jahren bei einem Autounfall starb. Wie nahe kommt das Stück dem Original?
Alexander Kerbst schlüpft in Schweinfurt in die Rolle von Falco. 
Alexander Kerbst schlüpft in Schweinfurt in die Rolle von Falco.  Foto: Marcel Klette

Vor 20 Jahren ist Hans Hölzl bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich verunglückt. Ein schillerndes Leben ging zu Ende. Ein Leben, das die Menschen bewegte, anzog und auch abstieß.

Hans Hölzl, alias Falco, war ganz großes Theater. Und ganz großes Theater ist es noch heute, wenn "Falco - Das Musical" auf die Bühne kommt, wie jetzt im Theater der Stadt Schweinfurt. Alexander Kerbst und Stefanie Kock haben es geschrieben und sie spielen auch die zentralen Rollen in der Inszenierung des Passauer Produzenten Oliver Forster und des Regisseurs Peter Rein.

Der Schauspieler und Sänger Alexander Kerbst schlüpft in die Rolle des Wieners, der heute 61 Jahre alt wäre. Auf den ersten Blick - gegeltes Haar, Sonnenbrille, Smoking - könnte man Kerbst durchaus für das Original halten. Auch stimmlich kommt er ihm sehr nahe.

Entlang der Kette seiner Erfolgssongs wird Falcos Leben von einem Erzähler, dem Manager des Sängers (Sebastian Achilles), abgeschritten. Erstmals richtig öffentlich wurde es 1980. Mit "Ganz Wien", einem Lied, das sich mit dem Drogenkonsum der Wiener Szene beschäftigte, eroberte er trotz des Rundfunkboykotts ein breites Publikum. Sein Sprechgesang wurde prägend: Er galt als erster weißer Rapper. Ein Jahr später startete er mit "Der Kommissar" eine Weltkarriere, die ihn in den USA über Monate an die Spitze der Charts brachte.

Der Egomane

1985 kam Falcos größter Erfolg heraus - "Rock me Amadeus". Mit "Jeanny" löste er wenig später eine heftige Diskussion aus, wurde ihm doch vorgeworfen, Gewalt zu verherrlichen. Der Erfolg bestätigte Falco in seiner Überheblichkeit, der Egomane in ihm begann kräftig zu wachsen. Alkoholexzesse ließen ihn abstürzen, aber er kam immer wieder zurück, um sich schließlich nach "Domrep" zurückzuziehen.

Temporeich, mit faszinierendem Tanz, der Projektion von Originalszenen, einer hinreißenden Lichtregie und dem Vorwärtstreiben der Band entstehen starke Bilder. Kerbst ist brillant. Er hat das unverschämte Grinsen, die Gesten, die Körpersprache Falcos immer präsent. In zwei Frauenfiguren wird die Zerrissenheit dieses Lebens gespiegelt: in der guten Jeanny und der Bösen Avna Conda. Nike Tiecke im unschuldigen Weiß und Stefanie Kock als die Düstere sind gesanglich und tänzerisch mit Kerbst auf Augenhöhe.

Geboten werden zweieinhalb spannende Stunden - ohne, dass nur eine Sekunde lang Länge zu spüren ist. Mit "Out of the Dark" gibt es zum Ende hin noch einmal einen Höhepunkt. Falco entlässt sein Publikum im Schweinfurter Theater mit der Zugabe "Europa". Das dankt mit stehenden Ovationen.

Weitere Vorstellungen bis Samstag im Schweinfurter Theater. Vorverkauf: (09721) 514955

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