WÜRZBURG

Farin schickt Würzburg in Urlaub

Uneitel: Farin Urlaub beim Konzert mit seinem Racing Team in der Würzburger s.Oliver Arena. Foto: Chris Weiss

„FURT“ steht an der Rückwand der Bühne in der Würzburger s.Oliver Arena. Die großen Buchstaben leuchten immer wieder in verschiedenen Farben, gehen nahtlos ineinander über – sie stehen für die Namen der Musiker, die rund 3500 in die Halle gelockt haben: Farin Urlaub, im Nebenberuf auch Chef der Rockband Die Ärzte, und sein Racing Team.

Mit den von Urlaub so benannten „Nattern“ Yoko, Simone, Cristina und Annette, die für Gesang und Percussion zuständig sind, Schlagzeugerin Rachel, Gitarristin Nessie, Bassistin Cindia sowie den Bläsern Rob, Hardy, Chris und Fischi geben elf begnadete Musiker auf der Bühne ihr Bestes. Und doch ist jedem klar, dass einer im Mittelpunkt steht – Jan Ulrich Max Vetter. Und das ganz ohne jeglichen Glamour. Uneitel hat er wie immer ein schlichtes Bühnenoutfit gewählt: schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, blondiertes Haar, breites Grinsen. So steht er seit vielen Jahren auf der Bühne.

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Farin Urlaub

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Älter sind auch die meisten seiner Songs, die er spielt. Sehr zur Freude des Publikums, das Vollgas gibt. Dass direkt vor der Bühne getanzt und gesungen wird, ist selbstverständlich, aber auch die Fans auf den Rängen, die ja eigentlich Sitzplätze haben, stehen dem in nichts nach.

Ganz vorne an der Brüstung steht eine Frau Anfang 50. Sie wirft den Kopf mit den kurzen blondierten Haaren vor und zurück, schwingt wild die Hüften und springt – nachdem Urlaub auf der Bühne bis zehn gezählt hat – mit Tausenden anderen willig auf und ab. „Ich sehe gerne, wie ihr schwitzt und euch verbiegt, ich will euch springen sehen“, ruft der 51-jährige Berliner ins Mikrofon und kommentiert den in der Halle ausbrechenden Pogo mit einem wohlwollenden Nicken. Wer bis zu diesem Zeitpunkt und trotz der Spiral-La-Ola noch nicht ins Schwitzen geraten ist, für den gibt es spätestens bei seinem Klassiker „Alle dasselbe“ kein Entkommen mehr.

Züge eines Alleinunterhalters

„Seid ihr noch fit? Und wolltet ihr als Kinder nicht auch immer Tierstimmenimitator werden? Jetzt habt ihr die Gelegenheit!“, ruft Urlaub und übt mit den Fans, passend zu seinem Text: „Es passierte am Abend des 4. April, die Sonne ging unter, es war gerad' ziemlich still“ – Schweigen im Saal – „nur ein paar Krähen waren zu sehen“ – Imitation von Flügelschlägen – „sie waren unterwegs, ich weiß nicht wohin, ich sah sie langsam gen Osten ziehen“ – laute „Zwickau“-Rufe. So geht es das komplette Lied lang. Farin schickt das Würzburger Publikum in Urlaub . . .

Vetter hat fast schon Alleinunterhalterzüge, die Ankündigung seiner Lieder kommt einer pointierten Bühneneinlage gleich. Etwa, wenn er von Würzburg schwärmt: „Die Innenstadt hier ist echt schön“ – nur um der s.Oliver Arena dann mit einem Augenzwinkern einen Seitenhieb zu verpassen, indem er die Zustände hinter der Bühne unzumutbar nennt.

Da bleibt, so scheint es, nur eine Lösung, und die hat der Musiker in seinem nächsten Song parat: „Dynamit – wir verschönern unser Innenstadtgebiet.“

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