NÜRNBERG

Festival-Premiere eines 16-Jährigen aus Volkach

Musik kennt keine Grenzen, Altersgrenzen schon gar nicht. Oder doch? Die alten Säcke stehen auf Rock, die jungen nur auf Hip-Hop und Disco-Beats? Blödsinn. Gehen Sie doch mal mit einem 16-Jährigen auf ein Festival. Sie werden staunen. Unser 16-Jähriger heißt Daniel, kommt aus Volkach und mag „Die Ärzte“. Auf einer Großveranstaltung war er noch nie. Sein erstes Mal erlebt er bei Rock im Park.

„Wir gehen dann wohl zunächst da hin.“ „Dann könnten wir uns die und die anschauen.“ „Und wenn wir uns verlieren, dann treffen wir uns dort.“ Jede Menge guter Ideen. Daniel nickt fleißig, sagt dann aber nur trocken: „Ich geh' jetzt erstmal rüber zur Alternastage.“ Woher weiß der Kerl überhaupt, wie die zweitgrößte Bühne auf diesem riesigen Gelände heißt? Fragen kann man ihn nicht mehr – er ist weg.

Neues und Erinnerungsstücke

Aber nicht lange. Erstaunlicherweise begegnet man sich immer wieder mal – und das bei 76 000 Menschen. Ein 16-Jähriger hat die gleichen Laufwege und damit wohl auch die gleichen musikalischen Interessen wie ein 46-Jähriger? Ja! Daniel will die „Hosen“ sehen, klar. Das ist seine Musik. Aber auch Graveyard? Dort sieht man sich bei einem der vereinbarten Treffpunkte. „Die sind gut. Richtig gut“, sagt er. Graveyard? Respekt! Der Kleine hört frickeligen Prog-Rock.

„Und jetzt hol' ich mir ein Festival-Shirt.“ Das Fieber hat ihn gepackt. Rock-Festival heißt alles aufzusaugen, was es aufzusaugen gibt. Heißt Neues kennenlernen. Und heißt auch, Erinnerungsstücke zu sammeln.

Daniel rennt ganz allein rum, es stört ihn nicht. Er quatscht mit allerhand Leuten, hört acht Bands in acht Stunden, isst gebratene Nudeln mit Hühnchenfleisch vom Asia-Grill, möglicherweise trinkt er auch ein Bier. Wie die Großen eben. Und er will nicht heim.

Treffpunkt Halle, so ab zwölf. Von wegen. Der Festival-Frischling ist noch unterwegs, erzählt später, dass er Jan Delay und Beginner sehen wollte. Da ist er danach einfach mal stehen geblieben, um Deichkind zu gucken. Deichkind – waren das nicht die, von denen er nachmittags noch gesagt hatte, die gefallen ihm nicht? „Wahnsinnige Show“, meint er Stunden später.

Noch später, Opeth haben ihn gerade mit verspieltem, aber härterem Progressive-Metal begeistert, kommen wir darauf zu sprechen, dass man als Musiker – Daniel hat's schon mit der Gitarre versucht – zwar „seiner“ Musik treu sein, als Zuhörer aber ein breites Spektrum haben sollte. Plötzlich erzählt er was von Bob Dylan, Phil Collins und Elton John. Elton John? Jetzt ist aber gut . . . Text: MIB (46)

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