MASSBACH

Fränkisches Theater: Die Erotik des Zündholzes

Carsten Stier und Nilz Bessel.
Carsten Stier und Nilz Bessel. Foto: Sebastian Worch

Eigentlich soll das ja ein Abend nach Pierres bewährtem, deftigen Muster werden: Man lädt einen einfältigen Menschen zum Essen ein, lacht sich über dessen ausgefallenes Hobby halb tot und verarscht ihn dabei nach Strich und Faden. Doch diesmal läuft nichts nach Plan, und die Komödie „Dinner für Spinner“ von Francis Veber wird zu einem schmissigen Vergnügen, gewürzt von der ausgelassenen Spielfreude des Maßbacher Ensembles unter der Regie von Sandra Lava.

Ein übler Hexenschuss hat den großkotzigen Verleger Pierre Brochant zu Boden gestreckt, Marc Marchand hat sich seine Schmerzen aufgeladen. Er bietet ein Bild des Jammers, wenn er auf allen Vieren durch die Wohnung kriecht und unvorsichtige Bewegungen mit erschütternden Schreien quittiert. Mit nachlassender Qual kehrt die schroffe Arroganz zurück, die jedoch an der Arglosigkeit des Finanzbeamten Francois Pignon abprallt. Diesen biederen Gutmenschen hat er sich als lächerliches Objekt zu seinem Troddel-Dinner eingeladen.

Carsten Stier entpuppt sich als geniale Besetzung dieser komödiantischen Prachtrolle. Mit nicht zu bremsender Emsigkeit tröstet er den von Eifersucht geplagten Hausherren und sorgt tollpatschig für heikle Verwechslungen. Der zwischen strahlender Laune und Betroffenheit schwankende Streichholzarchitekt schwärmt von seinen Miniaturmodellen und leiser Zündholzerotik. Bei Marlene, der „meschuggenen Nymphomanin“ und Freundin von Pierre (Iris Faber quirlig zwischen Liebeslust und Beziehungsfrust), versucht sich der schüchterne Bürohengst als Verführer, quatscht sich dabei schwindelig und um jede Chance.

Eike Domroes als Schriftsteller Juste Leblanc verfolgt die Verwicklungen seines Ex-Rivalen Pierre mit schnoddrigen Kommentaren und verhaltener Schadenfreude. Tatkräftig hilft er mit, den bissigen Finanzkontrolleur Lucien Cheval (Nilz Bessel) hinters Licht zu führen – Erfolg zweifelhaft! Katharina Försch als betrogene Ehefrau von Pierre verbleibt in diesem Trubel der ruhigste Part. Das originelle Bühnenbild von Mai Gogishvili mit raffinierter Aufzugstechnik und Bildtelefon überzeugt auch durch reibungslose Funktion.

Nächste Vorstellungen in Maßbach: 18., 19., 25. Mai. Karten unter: Tel. (0 97 35) 235

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