WÜRZBURG

Frederic d'Ard: Weiche Linien und harter Stein

Kühle Schönheit: „Frauenkopf“ von Frédéric d'Ard, zu sehen in der Geburtstagsausstellung des Künstlers in der BBK-Galerie.
Kühle Schönheit: „Frauenkopf“ von Frédéric d'Ard, zu sehen in der Geburtstagsausstellung des Künstlers in der BBK-Galerie. Foto: Frank Kupke

Am Montag, 8. Juni, wird der Bildhauer Frédéric d?Ard 80 Jahre alt. Und so heißt die Ausstellung, in der der Künstler in der Galerie des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Unterfranken jetzt 20 Plastiken aus den vergangenen rund zehn Jahren zeigt, auch schlicht „80 Jahre“.

„Ans Aufhören denke ich noch immer nicht“, sagt der in Rumänien geborene Frédéric d?Ard, der vor dreieinhalb Jahrzehnten nach Deutschland kam und zunächst lange Jahre ein Atelier auf dem Würzburger Bürgerbräugelände hatte, bevor er – vor zehn Jahren – nach Wermerichshausen ging, einen Stadtteil von Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen).

Seiner künstlerischen Linie ist er immer treu geblieben. Und zwar buchstäblich. Denn Frédéric d?Ard hat zwei Vorlieben: harten Stein und weiche Linien. „Ja“, sagt der Künstler in der charakteristischen Sprachmelodie des Rumäniendeutschen, „fließende Linien sind mir sehr wichtig“. Er spricht von den Einflüssen arabischer Ornamentik, wie sie aus seiner Sicht der Jugendstil in Europa verbreitet hat. „Ich möchte mit meinen Skulpturen Ruhe und Frieden beim Betrachter hervorrufen, es geht mir um die schöne Form.“ In der Welt gebe es genug schreckliche Dinge, sagt er. Da brauche man das nicht auch noch in der Kunst. „Ich möchte nichts Aggressives gestalten.“

Dass Frédéric d?Ard sich vor allem und immer wieder mit dem Sujet des weiblichen Torsos – also des weiblichen Körpers, bei dem Kopf und Gliedmaßen bewusst weggelassen werden – beschäftigt, hat einen einfachen Grund: „Der weibliche Torso ist für mich die schönste kompakteste Form, die es gibt.“ Nirgendwo anders finde sich Vergleichbares in der Natur. Freilich könne auch ein männlicher Körper recht schön sein, das sei aber mit einem Frauenkörper einfach nicht zu vergleichen, sagt der Künstler. Dass Bildhauer seit Jahrhunderten Torsi schaffen, liege daran, dass man die antiken Statuen, die in der Renaissance wiederentdeckt wurden, vielfach ohne Kopf und Gliedmaßen aufgefunden habe, erklärt Frédéric d?Ard.

Fester Skulpturen-Typus

Was damals im Grunde ein Mangel gewesen sei, habe sich im Laufe der Kunstgeschichte schließlich zu einem festen Skulpturen-Typus entwickelt. „Sehen Sie“, sagt der Künstler und zeigt auf einen aus schwarzem Stein gemeißelten Torso, der ganz auf die herausgearbeitete schwungvolle Bewegung von Taille, Hüfte und Oberschenkeln reduziert ist. „Mehr brauche ich nicht.“ Um was es sich bei der Plastik handelt, braucht man dem Betrachter gar nicht zu sagen – es ist ganz offensichtlich, dass dies eine „Afrikanische Tänzerin“ (so der Titel) ist.

Die meisten Skulpturen, die Frédéric d?Ard aus Marmor und verschiedenen anderen harten Steinarten herausarbeitet, haben keinen Titel und benötigen auch keinen, da ihre Sujets in der Regel eindeutig sind. Nur einige wenige abstrakte Arbeiten bekommen Titel, die allerdings so allgemein gehalten sind, dass sie die Fantasie nicht einengen. Wichtig ist für Frédéric d?Ard die Oberflächenbehandlung des Steins. Er poliert den Marmor, den Rosso Collemandino, den Nero Belgico oder den Travertin, bis er hochglänzend ist und die inneren Mineralstrukturen freilegt. Dann ist das Material kaum noch als Stein zu erkennen. Die Besucher dürfen seine Plastiken ruhig mal anfassen, sagt der Bildhauer. Insbesondere die rötlichen Steinsorten bekommen etwas Organisches und erinnern an Fleisch. „Ein Chirurg hat mal über meine Skulpturen gesagt: ,So sieht es im Inneren des menschlichen Körpers aus‘“, sagt Frédéric d?Ard.

Beim Perfektionismus der Oberflächenbehandlung stehe natürlich auch der berühmteste Bildhauer seines rumänischen Heimatlandes Pate: Brancusi. „Ich würde mich niemals mit Brancusi vergleichen – aber er ist der Vater der modernen Skulptur in Rumänien“, betont Frédéric d?Ard, der in der BBK-Galerie auch noch einige interessante Nägel-Reliefs sowie eine Serie von 16 Sonnenaufgangsbildern zeigt. Die bunten Bilder haben reinen Dekorationszweck, damit die Wände nicht so leer sind, erklärt der Künstler, der in den nächsten Monaten erst mal auf Reisen gehen möchte, um neue Eindrücke für neue Arbeiten zu bekommen.

Öffnungszeiten: Mi-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr. Bis 28. Juni.

Frédéric d'Ard
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