Maßbach

Frühschicht bei Tiffany

Eine gelungene Premiere  in "schwindelerregender" Höhe: Das Theater Schloß Maßbach gewährt den Zuschauern einen tiefen Einblick ins Seelenleben dreier Nachbarn.   
Eine Szene aus „Frühschicht bei Tiffany“ im Theater Schloss Maßbach.   Foto: Sebastian Worch

"Frühschicht bei Tiffany" - da denkt man unwillkürlich an Audrey Hepburn und das alte Hollywood, gleichzeitig gemahnt das Wort "Schicht" an die ganz prosaischen Anforderungen des Lebens. Der Titel setzt somit schon ziemlich geschickt die Vorzeichen für die Komödie der Kanadierin Kerry Renard, die ihre Protagonisten auf drei Balkonen mitten in New York zusammen treffen lässt, zwischen Romantik und schnödem Alltag, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das Stück - bei seiner deutschen Uraufführung vor vier Jahren als "überaus heiterer Balanceakt" gefeiert - hatte nun seine Premiere im Theater Schloß Maßbach.

Mit leichter Hand inszeniert 

Augustinus von Loë hat "Frühschicht bei Tiffany" mit leichter Hand und so viel Schwung inszeniert, wie der eingeschränkte Aktionsraum (tatsächlich drei Balkone in mutmaßlich schwindelerregender Höhe) zulässt. Und das ist erstaunlich viel, was auch der ganz eigenen Dynamik der Charaktere zu verdanken ist: Da ist der Versicherungsvertreter Bob mit seiner großen Liebe zu seinen Balkonpflanzen und der Countrymusik von Dolly Parton - und seiner panischen Angst vor Handy- und WLAN-Strahlung. Als der eine zarte Begeisterung für die neue Nachbarin Amy entwickelt, die sich auf Ruhe (ohne Dolly Parton) freut und den Männern zu Gunsten ihres emotionalen Roboters namens Brad Pitt abgeschworen hat, kann das eigentlich nur schief gehen.

Drei hinreißende Darsteller 

Der dritte Nachbar entpuppt sich - laut auf der mechanischen Schreibmaschine hämmernd - als Amys Exmann, von dem sie sich scheiden ließ, weil ihm sein erster Roman stets wichtiger war als sie. Jede Menge humoristischer Zündstoff also, der angenehm unverbraucht und immer wieder komplett überraschend daherkommt und das etwa zweistündige Stück zu einem kurzweiligen Vergnügen macht. Dazu tragen auch die drei hinreißenden Darsteller bei.

Marc Marchand spielt seinen Bob mit Hingabe zwischen Charme und Schrulligkeit, immer wieder genau auf dem Punkt. Lukas Redemann und Silvia Steger lassen als Ex-Ehepaar ordentlich die Funken fliegen: alte Rechnungen und alte Anziehung, allesamt noch nicht ausgeglichen. Und zu dieser Menage à trois gesellt sich noch der "Emobot", der mit dem Äußeren eines Spielzeugs, dem Wesen von Jack Nicholson und der Stimme von Brad Pitt (bzw. der von Christian Schidlowsky) den ein oder anderen Kommentar beisteuert. "Frühschicht bei Tiffany" ist eine wunderbar zeitgemäße Komödie: Überraschend, unzotig und sehr unterhaltsam.

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