BERLIN

Für den Suhrkamp Verlag ist Rettung in Sicht

Bunte Vielfalt: Mit farbenfrohen Bänden brannte sich der Suhrkamp Verlag ins kollektive Gedächtnis der Deutschen ein. Foto: dpa

Für den traditionsreichen Suhrkamp Verlag ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Der Berliner Gerichtssprecher Ulrich Wimmer teilte am Mittwoch mit, das Amtsgericht Charlottenburg habe das Verfahren am Dienstagabend wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Es laufe in Eigenverantwortung. Damit bleibt die Geschäftsführung im Amt, wird aber von einem Sachwalter überwacht.

Nach Angaben des Suhrkamp Verlags sieht der Insolvenzplan die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft vor. Dieser Schritt sichere die Existenz und Handlungsfähigkeit des Verlags, teilte das Traditionshaus mit. Der Gesellschafterstreit werde das operative Geschäft nicht länger beeinträchtigen können, hieß es.

Eigenverantwortlicher Vorstand

Verlagschefin Ursula Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent am Unternehmen hält, ist mit dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach (39 Prozent) seit Jahren zerstritten. Beide hatten gerichtlich beantragt, sich gegenseitig als Teilhaber auszuschließen.

An der Gesellschafterstellung werde der Formwechsel des Unternehmens nichts ändern, so der Verlag. Sie würden als Aktionäre wie bisher am Unternehmen beteiligt sein. Allerdings werde künftig ein Vorstand – kontrolliert von einem durch die Aktionäre gewählten Aufsichtsrat – eigenverantwortlich handeln.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“, fehlten Suhrkamp im August drei Millionen Euro in der Kasse. Das gehe aus einer eidesstattlichen Versicherung von Geschäftsführer Jonathan Landgrebe hervor, schreibt das Blatt. Die zuständige Richterin will den Insolvenzplan innerhalb der kommenden zwei Wochen prüfen. Wird er angenommen, erhalten ihn die Beteiligten zur Stellungnahme. Der Plan sieht laut Verlag auch ein Abfindungsangebot vor, sollte einer der beiden Gesellschafter an dem umgewandelten Verlag nicht mehr beteiligt sein wollen. „Damit wird jedem der Gesellschafter die Möglichkeit eröffnet, seine Aktien gegen Erhalt eines Abfindungsbetrags an die Gesellschaft – oder mit Zustimmung des Verlags – an einen Dritten zu übertragen“, heißt es in der Mitteilung. Ende Mai hatte Suhrkamp ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Danach hatten die Beteiligten drei Monate Zeit, Sanierungsvorschläge zu unterbreiten. Dann musste – wie jetzt geschehen – über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden werden.

Der Streit zwischen Unseld-Berkéwicz, der Witwe des früheren Verlagspatriarchen Siegfried Unseld, und Barlach tobt seit 2006. Damals war der Hamburger Medienunternehmer gegen Berkéwicz' Willen in den Verlag eingestiegen und hatte versucht, dort Macht zu übernehmen. Beide Seiten überzogen sich seither gegenseitig mit einer Vielzahl von Verfahren.

Die Namen der Autoren, deren Werke bei Suhrkamp publiziert sind, lesen sich wie ein literarisches Who's who, darunter Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Max Frisch, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, Jürgen Becker, Thomas Bernhard, Wolfgang Hildesheimer, Peter Handke, Paul Celan, Nelly Sachs, Peter Huchel, Adolf Muschg, Ingeborg Bachmann, Robert Walser, T. S. Eliot, Samuel Beckett, George Bernard Shaw, Marcel Proust, William Faulkner, Marguerite Duras, Truman Capote, Gertrude Stein, James Joyce, Octavio Paz, Mario Vargas Llosa, Amos Oz und Isabel Allende, aber auch Karl Dedecius, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin und Ernst Bloch oder Alexander Mitscherlich.

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