WÜRZBURG

Hafensommer: Ringsgwandl mit neuen Glanz-Liedern und aufgepeppten Klassikern

Knie angewinkelt, Arme gestreckt: Ringsgwandl in Würzburg.
Knie angewinkelt, Arme gestreckt: Ringsgwandl in Würzburg. Foto: Will

Da ist er wieder! Nase hoch in die Luft gereckt, Hut aus der Stirn gezogen, Knie angewinkelt, Arme gestreckt, Hand lasziv abgeknickt. Georg Ringsgwandl wirft sich in Pose. „Für die wirklich hohe Kunst bin ich zu naiv, für die Popmusik zu kompliziert“, wird er beim Würzburger Hafensommer-Konzert noch singen. Weil er also keine hohe Kunst macht und auch keine Popmusik, macht Ringsgwandl einfach Ringsgwandl.

64 Jahre ist er inzwischen alt, der Kardiologe a. D., schräge Bühnenvogel und Kabarett-Punk. Vor vier Jahren kam sein Album „Untersendling“ heraus. Und seitdem? Na ja, er hat ein Theaterstück geschrieben, ein viel gelobtes. Hat Kurzgeschichten veröffentlicht. Aber jetzt: neues Album! Im Juni ist sie erschienen, die Scheibe „Mehr Glanz!“. Auf dem Tollwood-Festival in München präsentierte er sich mit den Songs gerade erstmals glanzvoll neu – und nun auf den Würzburger Mainwiesen vor voller Tribüne, knapp 1000 Zuhörer.

Fotoserie

Ringsgwandl beim Hafensommer

zur Fotoansicht

Nase gereckt, Knie gewinkelt, umständlich in die Umhängebänder der Gitarre gestiegen – Posen in Jeansjacke, Blümchenhemd und den hängenden weißen Hosen, und los! Mit seinen neuen, jungen Musikern – „der geilsten Funk-Band zwischen Flensburg und Berchtesgaden“ – rockt und groovt der einst so wütende Sprachkünstler und Musik-Kabarettist, der mit Glanz ein richtiger Musiker sein will, knackig und wuchtig durch den Abend. „Schmeiß den Typen naus“, singt Ringsgwandl in seiner Fistelstimme.

Und bloß Vorsicht! Natürlich geht es nicht um schieren Glanz und Glamour. Es geht immer noch ums Unbequemsein, ums Überdrehtsein, ums Unzufriedenbleiben, ums Schimpfen und Aufzeigen der Absurditäten des Lebens und dessen, was im Land und bei den Leuten nicht in Ordnung ist.

Auf der Bühne ist sehr viel in Ordnung: Die Band ist formidabel. Der junge Jazzgitarrist Daniel Stelter lässt die Gitarren jaulen und schrammelt launig über die Mandoline, Bassist Christian Diener und Schlagzeuger Tommy Baldu bereiten mit ihren Beats das Beet, über das Ringsgwandl schlurft und stelzt. Ach, wenn Butter kein Fett mehr hat, Zahnweh kein Schmerz mehr macht und Scherze witzlos sind. Ach, dann ist Zukunft nichts als der „emotionale Wärmetod“.

Zu den neuen Glanz-Liedern peppt der Bayer zur Freude der Fans Klassiker auf: den Garten-Nazi mit dem Laubwegbläser, den Hühnerarsch und das verklebte Unterhoserl am Straßenrand. Apropos Hose. Noch einmal zieht Ringsgwandl die rutschenden Hosen empor. Die Botschaft, die bleibt: „Es geht um die Kunst, egal wo die Hose hängt.“

Rückblick

  1. Hafensommer: Spektakel mit Tentakel
  2. "Babylon Berlin" am Main: Golden Twenties nicht ganz so golden
  3. Rainald Grebe macht ernsthaft Spaß
  4. Sternstunde beim Würzburger Hafensommer
  5. Hafensommer: Kettcars Aufruf, Löcher in Zäune zu schneiden
  6. Wenn sich ein Songwriter Gäste einlädt
  7. Die drei, vier, fünf Instrumente im Kontrabass
  8. 8 Punkte: Was zum Hafensommer gesagt werden muss
  9. Vorab reingehört: So klingt der Hafensommer
  10. Hafensommer: Moka Efti Orchestra ausverkauft
  11. Warum eine Bank und ein Orchester den Hafensommer lieben
  12. Till Brönner und das gute Leben in der Main-Philharmonie
  13. Warum Asaf Avidan „One Day“ im Original singt
  14. Wie Kümmert mit Hiphop und Intimschmuck fernsehtauglich wird
  15. Hafensommer: Heißer Sound in nichtatmungsaktiven Jacken
  16. Olli Schulz verkuppelt auf dem schwimmenden Einhorn
  17. 16 Saiten und ein Fazit: wow!
  18. Orient trifft Okzident – eine coole Kombi
  19. Klassik trifft Weltmusik zur Eröffnung des Hafensommers 2018
  20. Hafensommer-Start mit Orient-Flair
  21. Hafensommer auf der "Arte Noah"
  22. Der Hafensommer in Bildern
  23. Musikalischer Blick nach Israel beim Hafensommer
  24. Der Hafensommer endet ausverkauft, karibisch und ehrwürdig
  25. Rebellen mit E-Gitarren beim Hafensommer
  26. Das Tingvall Trio lässt die Musik kreisen
  27. Seven singt die Wolken weg
  28. Der neue Hafensommer kommt gut an
  29. Musik aus der Perspektive eines Vogels beim Hafensommer
  30. Max Mutzke lässt Lenden kreisen
  31. Treibholz schwimmt im Hafenbecken
  32. Nils Landgren und der Funk fürs Leben
  33. Hafensommer-Chefs: „Wir wollen auch herausfordern“
  34. Der Hafensommer schwappt über die Ufer
  35. Elfter Hafensommer mit klaren regionalen Akzenten
  36. Der neue Hafensommer ist ein bisschen auch der alte
  37. Mit neuem Leitungsteam: Neustart für den Hafensommer
  38. Hafensommer: Kulturreferent will höheren Zuschuss
  39. Hubert von Goiserns furioses Hafensommer-Finale
  40. Hafensommer: Der Regen als fünftes Instrument
  41. Harfensommer und Flowzirkus: Zweimal Jazz im Hafen
  42. Der Hafensommerabend des geplant Spontanen
  43. Eine Zwischenbilanz: Der etwas neue Hafensommer
  44. Stimmung wie im Madison Square Garden
  45. Cooler Hafensommer-Sound bei kühlen Temperaturen
  46. The Notwist ließen das Hafenbecken erzittern
  47. Hafensommer: Auf Klangreise mit Michael Wollny
  48. Bilanz der ersten Hafensommer-Woche: Huij und Respekt
  49. Hafensommer: Klaus Doldingers Wagnisse vor sicherer Trommelwand
  50. Interview: Al Ghusain und der Hafensommer

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Georg Ringsgwandl
  • Hafensommer
  • Hafensommer in Würzburg
  • Kabarett
  • Kardiologinnen und Kardiologen
  • Popmusik
  • Punkrock
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!