Bad Kissingen

Herbert Blomstedt begeistert in Bad Kissingen

Wie der fast 92-jährige Dirigent in Bad Kissingen für scheinbar explodierende Musiker sorgte.
Der schwedische Dirigent Herbert Blomstedt
Der schwedische Dirigent Herbert Blomstedt Foto: ArchivMatthias Creutziger, dpa

Was macht dieser Mann mit seinem Orchester? Wie ein Zauberer entlockt Dirigent Herbert Blomstedt den Bamberger Symphonikern eine Musik, die das Publikum schier atemlos lauschen lässt. Ohne Dirigierstab und Partitur führt der weißhaarige Herr ein paar Tage vor seinem 92. Geburtstag mit Verve durch Beethovens 3. Symphonie, die "Eroica".

Es scheint, als explodierten Musikerinnen und Musiker unter seiner weichen, aber wohl dosierten Zeichensetzung, als streichle er mit seinen schlanken Fingern den Wohlklang aus den Instrumenten heraus. Violoncello, anmutige Holzbläser und Geigen spülen von Beginn an die Dramatik, die der Komponist in sein Werk gelegt hat, in den nahezu voll besetzten Max-Littmann-Saal des Regentenbaus in Bad Kissingen.

Samtweiche Totenklage

Mit vollem Klang wird der "energische, talentvolle Geist" hörbar, der dem Komponisten seinerzeit bestätigt wurde, aber auch die "wilde Phantasie, die sich ins Regellose verliert", die Beethovens Gegner damals kritisierten. Feinsinnig der 2. Satz "Marcia funebre", eine Totenklage, die samtweich berührt, bevor die Streicher im 3. Satz scheinbar atemlos ihre brodelnden Szenen entwerfen, bis wunderbare Hörner zum stimmungsvollen, beinahe heiteren Ausklang führen.

Nach der Pause: Richard Strauss' sinfonische Dichtung "Tod und Verklärung" in packender Intensität und die Ouvertüre zu der Wagner-Oper "Tannhäuser", in der die sirrenden Geigen des Venusbergs und die reine Urgewalt der Bläser unter die Haut gehen. Es war Herbert Blomstedts persönliches Anliegen, dieses historische Programm, das der legendäre Arthúr Nikisch seinerzeit bewusst für die erste Auslandstournee des Gewandhausorchesters zusammengestellt hatte, im Rahmen des Kissinger Sommers zur Aufführung zu bringen. Tosender Applaus.

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