Würzburg

Hirten, Engel und Choräle

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehöre zu Weihnachten wie Plätzchen und Weihnachtsbaum, so Matthias Göttemann, der Leiter eines Konzerts mit den Kantaten I-III. Dieser Meinung waren offensichtlich auch die Zuhörer, die in beeindruckend großer Zahl in die Heiligkreuzkirche Würzburg strömten. Der Oratorienchor Würzburg und die Kantorei Haßberge hatten sich zu einem stimmgewaltigen Chor vereint, begleitet vom Orchester Würzburg.

Der Dirigent hatte vor Beginn die Polarität des Werkes thematisiert: So stehen sich nicht nur Engel und Hirten oder Geburt und Tod gegenüber. Bach verbinde Gegensätze auch musikalisch, indem er den Adventschoral "Wie soll ich dich empfangen" mit der Musik des Kirchenlieds "Oh Haupt voll Blut und Wunden" oder den Gesang der Engel mit herrschaftlichen Trompetenklängen verknüpfe.

Auch in Göttemanns Aufführungsansatz drückte sich Polarität aus: Die schnellen Sätze nahm er sämtlich in äußerst forschen Tempi, die ruhigen sehr meditativ. Dass die Grenze zwischen lebhaft und hektisch schnell überschritten ist, ließ sich mehrfach nicht überhören. Die Chorgemeinschaft nahm die Herausforderung jedoch mit Bravour!

Das Orchester, zusammengesetzt aus Mitgliedern verschiedenster musikberuflicher oder studentischer Herkunft, agierte professionell, fand aber vor allem in der Streichgruppe nicht immer zu einem wohlgeformten Gesamtklang und zeigte in der Basso Continuo-Gruppe auffällige Intonationsschwächen.

Weiche und füllige Stimme

Die Mezzosopranistin/Altistin Anna Haase nutzte in der ruhigen Anlage ihrer Partie alle Gelegenheiten zur Ausschöpfung vielfältiger und wunderbarer stimmlicher Facetten: Weich und füllig, dabei voller Leidenschaft trug ihre Stimme, beruhigend und glücklich ("Schlafe, mein Liebster"). Julian Freibott als Evangelist zeigte schöne und helle Höhen; die Tenorarie "Frohe Hirten" atmete Verspieltheit. Der junge Sänger ging sie hinsichtlich der Koloraturen und Verzierungen jedoch deutlich zu forciert an.

Sopranistin Johanna Wagners Stimme schwang sich klar und mühelos empor. Sven Fürst, Bass, brillierte souverän und virtuos, fast tänzerisch mit den Koloraturen ("Großer Herr und starker König"), bekam aber aufgrund des hohen Tempos wenig Gelegenheit zum stimmigen Aussingen der Phrasen.

Eine Stärke des Abends lag in der Ausgestaltung der Choräle: So differenziert wie die Zeichengebung des Dirigenten sang auch der Chor, widmete sich hingebungsvoll dynamischen Feinheiten, Tempoveränderungen und Ausgestaltung des Textes. Großer Applaus. 

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