SCHWEINFURT

Hüpfen und Schwitzen mit Farin Urlaub

Farin Urlaub Foto: dpa

Schon beim ersten Lied wird gepogt, beim zweiten Song startet das Stage Diving – zumindest die umgekehrte Form davon, bei der sich Feierwütige von der Menge Richtung Bühne tragen lassen. Die ist im Schweinfurter Stattbahnhof schnell erreicht. Gerade diese Intimität, die Wohnzimmeratmosphäre, trägt dazu bei, dass der Abend mit Farin Urlaub und seinem Racing Team für die 400 Zuhörer zu einer ausgelassenen zweistündigen Party wird.

„Farin, du geile Sau“, schreit jemand aus dem Publikum, kaum hat der Sänger und Gitarrist der Berliner Rockband Die Ärzte die Bühne pünktlich um 20 Uhr betreten. Der so Gefeierte zeigt sein unverkennbar breites Grinsen und greift enthusiastisch in die Saiten. Sobald die ersten Takte von „Am Strand“ erklingen, muss Jan Ulrich Max Vetter – so Urlaubs bürgerliche Name – nichts weiter tun, als seinem Song zu lauschen, der ihm aus 400 Kehlen entgegenschallt.

Vom Punk mit Irokesenschnitt über den gerade der Pubertät entwachsenen Schüler bis hin zum Ärzte-Veteran mit grauen Haaren kann jeder mitsingen. Und das den ganzen Abend lang. Denn es sind vor allem seine alten Songs, die Farin Urlaub auf die Bühne bringt, kaum Auszüge aus seinem neuen Album („Faszination Weltraum“), das am 17. Oktober erscheinen wird. „Ich sag' mal, heute Abend feiern wir einfach eine Riesenparty“, ruft der Berliner ins Mikrofon, und weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er recht behalten wird. Er, der unlängst in einem Interview klagte, bei seinen Auftritten oft nur noch in eine Wand aus Smartphones zu blicken, fordert das Publikum auf, weniger zu surfen und mehr zu springen, zu tanzen, zu pogen. Sein Wunsch ist den Schweinfurtern Befehl.

Bald tropft der Schweiß von jeder Nasenspitze, läuft aus den Haaren, saugt sich in den T-Shirts fest. Die Luft wabert. Nasse Körper drängen sich Richtung Bar, um schnell den Durst wegzuspülen, bevor sie sich wieder der wogenden Menge hingeben. Mitunter schlägt Farin Urlaub, der am 27. Oktober seinen 51. Geburtstag feiert, auch nachdenklichere Töne an. Was der Stimmung keinen Abbruch tut.

Der ewige Konflikt zwischen Männern und Frauen, ein bisschen Gesellschaftskritik, gewürzt mit witzigen Texten und Leidenschaft für die Musik – das ist das Rezept, das für den Vollblutmusiker nach wie vor funktioniert. Dass er und sein grandioses, mit Bläsern und Sängerinnen gespicktes Racing Team auf der Bühne Spaß haben, sieht und hört man – vor allem dann, wenn sie Songs ein neues Gewand verpassen.

Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Auf aktuelle Bilder von dem Abend mussten Main-Post und Schweinfurter Tagblatt leider verzichten. Grund dafür ist ein Vertrag, den der MP/ST-Fotograf vor dem Konzert unterzeichnen musste und der unter anderem eine Strafe von 5000 Euro androht, falls jemand die Bilder im Internet downloadet. Da die Redaktion derlei aber gar nicht ausschließen kann und sich auf diese Weise auch nicht bevormunden lassen will, hat sie beschlossen, auf aktuelle Fotos zu verzichten.

Mit Bela B spielt am 30.11. in der Würzburger Posthalle ein weiteres Ärzte-Mitglied in der Region.

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