WÜRZBURG

Im Bockshorn: Django Asül und der Piraten-Seehofer

Django Asül
Django Asül Foto: Maria Obermeier

„Wertvollsten Offensivspieler des bayerischen Politkabaretts“ hat ihn die „Süddeutsche Zeitung“ nach dem Maibock-Anstich gerade genannt. Im Münchner Hofbräuhaus machte Django Asül bei seiner Rede so viel Dampf, dass gar CSU-Staatsminister und SPD-Landtagswahlspitzenkandidaten über das „beste je erlebte Derblecken“ schwärmten und von einem „wahren Meisterwerk“ sprachen.

Zum frisch gezapften Bockbier hatte der Niederbayer mit türkischen Wurzeln den bayerischen Politikern die Pointen um die Ohren gehauen – vordergründig freundlich, dabei so frech, so perfide, dass er von den Hofbräu-Leuten auf der Stelle für die nächste Rede verpflichtet wurde.

Frisch umjubelt kam Django Asül am Freitagabend nach Würzburg. Der Kabarettist ist auf „Testtour“ und unterzieht sein neues Programm „Paradigma“ dem Praxistest. In Cham war er schon vor echtem Publikum, in Nürnberg „für die proletarische Ecke“, am Freitag war das (voll besetzte) Bockshorn in Würzburg dran. „Da ist das Level so weit oben“, flunkert Asül mit dem frisch geschriebenen Skript in der Hand. „Wenn die es kapiert haben, kann man auch mal nach Aschaffenburg.“

2500 Auftritte habe er nach 15 Bühnenjahren hinter sich, immer sei es das Gleiche: „Ich komm' raus, Sie sitzen da, ich red' zwei Stunden und geh' dann wieder.“ Er wolle endlich mal was über sein Publikum wissen. Also plaudert der Kabarettist ein wenig mit am Main urlaubenden Damen vom Niederrhein und einem Klebemaschinentechniker. Und tut dann doch, was er am besten kann: Augenbraue weit hochziehen, tief die Stirn runzeln und – und selber reden. Über Unzulänglichkeiten, Ungereimtheiten und über alles, das ja sowieso mit allem zusammenhängt.

Thema in Programmhälfte eins? Politik. „Mittlerweile machen Banken Werbung damit, dass sie Wulff niemals einen Privatkredit gegeben haben.“ Dann zieht der „gelernte Sparkassler“ im gepflegt grantigen Wirtshaus-Ton und Stammtisch-Tenor über die EU-Politik und Griechenland („Nix anderes als Mecklenburg-Vorpommern mit Costa Cordalis“) her. Ein bisschen bayerische Politik noch: „Apropos Piraten: Wundern Sie sich nicht, wenn der Horst Seehofer in den nächsten Tagen mit Augenklappe rumläuft.“

Thema in Hälfte zwei? Django Asül. Der Deggendorfer erzählt, wie er den türkischen Pass abgab und nach der ersten Nacht als Neu-Deutscher „am Morgen nicht mehr aus dem Bett raus“ kam. Ein Mitarbeiter im Landratsamt klärte auf: „Was Sie als Druck auf den Schultern empfinden, das ist die historische Verantwortung.“ Asül hatte sich ohne Hilfe eines Physiotherapeuten einbürgern lassen. Deutsch sein ist anstrengend. Blieb ihm nur der Tipp des Amtsmitarbeiters: „Falls Sie mal der Rücken schmerzt, machen Sie es wie Frau Merkel und verzichten auf ein Rückgrat.“ Fazit zum neuen Programm? Formidabel.

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