WÜRZBURG

Im Luisengarten: Hannes Wader ist immer noch sehr nah dabei

Jetzt ist er schon 71, und kein Ende scheint in Sicht. So vergeht Jahr um Jahr, und der Liedermacher Hannes Wader betört immer noch seine mit ihm grau gewordenen Fans. Im ausverkauften Würzburger Luisengarten hat er auch die erste Studio-CD seit sechs Jahren im Gepäck. Sie heißt „Nah dabei“ und beinhaltet alles, was dem alten Fahrensmann, heute hier, morgen dort, wichtig erscheint: Liebe, Heimat, Widerstand, Tod, und das schon so lang. Der Mann ist immer noch sehr nah dabei.

Geschlagene zwei Stunden steht Wader in hellem Hemd und zerknitterten Jeans auf der Bühne, nur mit seiner akustischen Gitarre, auf der er immer ein bisschen herumklimpert, wenn er die Geschichtchen um seine Lieder herum erzählt.

Faschismus und Inzucht

Über den deutsch-jüdischen Flüchtling Peter Gingold aus Frankfurt zum Beispiel, der sich der französischen Widerstands-Bewegung gegen die Nazis anschloss („Boulevard Saint Martin“). Oder von einer Uraufführung, wie er sie nennt, über einen wunderschönen Bauernhof, hinter dessen Fassade Mord, Folter, Inzucht, Faschismus zu Hause sind, natürlich zu mit immer noch flinken Fingern geschlagenen, schönen Dur-Melodien, damit der Gegensatz zwischen Text und Musik noch größer wird. Es geht aber auch anders, zum Beispiel bei „Nah dabei“, einem ironischen Lied über seine Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht, bei „Für Cordula“, einer Liebeserklärung an seine zweite Ehefrau, oder beim „Lied vom Tod“, einer tiefschwarzen Liste von Möglichkeiten, auf der Zielgeraden des Lebens einen gebührenden Abschluss zu finden, mit ein bisschen brüchiger geworden Stimme vorgetragen.

Von Elvis bis Dean Martin

Natürlich hat Wader auch ein paar Anleihen dabei, von dem französischen Chansonnier Jacques Prévert „Les feuilles mortes“ („Die welken Blätter“) etwa oder „Das griechische Lied“ im 7/8tel-Rhythmus und das großartige „Im Wartesaal zum großen Glück“ des Bremers Walter Andreas Schwarz, von dem man kaum glauben kann, dass es der erste deutsche Beitrag zu einem Ereignis war, 1956 in Lugano, das sich jetzt Eurovision Song Contest nennt.

Rhythmischer Beifall und vier Zugaben, davon drei Evergreens: Dean Martins „Memories are made of this“, dem hierzulande Freddy Quinn unter dem Titel „Heimweh“ zu einem Millionen-Erfolg verhalf. Dann „Muss I denn zum Städtele hinaus“ in der Elvis-Presley-Fassung („Wooden Heart“) und schließlich Roger Millers Hobo-Hymne „King of the Road“. Da singen dann viele im Publikum mit, wie früher, auch wenn es vor 40 Jahren noch die Internationale war!

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