WÜRZBURG

In Würzburg erleben AnnenMayKantereit ihr größtes Tour-Konzert

Bei den Fans in der mit 2100 Besuchern ausverkauften Würzburger Posthalle hat die Band AnnenMayKantereit am Samstagabend für Tanzstimmung und Emotionen gesorgt - beim größten Konzert ihrer Tour.
Spielten am Samstag in der ausvekauften Würzburger Posthalle: AnnenMayKantereit.
Spielten am Samstag in der ausvekauften Würzburger Posthalle: AnnenMayKantereit. Foto: Lukas Seufert

Diese Stimme! So markant, rau, tief – beim Hören der Musik der Kölner Band AnnenMayKantereit hat man einen Sänger vor Augen, der schon alles erlebt hat – und dem man das auch ansieht. Und dann, beim Konzert ihrer „Wird Schon Irgendwie Gehen“-Tour, steht Henning May auf der Bühne: Anfang 20, schlaksig, völlig unspektakulär in T-Shirt und Jeans, jungenhaftes Gesicht, so gar nicht verbraucht.

Bei den Fans in der laut Veranstalter mit 2100 Besuchern ausverkauften Würzburger Posthalle, „dem größten Konzert unserer Tour“, so May, sorgt die Band mit dem sperrigen Namen, der sich aus den Nachnamen ihrer Gründungsmitglieder zusammensetzt, für Tanzstimmung und Emotionen. Als der Sänger zum ersten Lied („Jeden Morgen“) ansetzt, jubelt die Menge. Mays Stimme und die Texte, die perfekt das Lebensgefühl von 20- bis 30-Jährigen spiegeln, aus denen das Publikum auch hauptsächlich besteht, reißen nicht nur die weiblichen Fans mit. Beim poetischen „Nicht nichts“ sitzt im Publikum jedes Wort. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Jungs den Text kennen“, freut sich May. „Nicht nichts ohne Dich, aber weniger, viel weniger für mich“, besingt er das Ende einer Beziehung.

Mit einigen Texten holt May die Zuhörer – vor allem, wenn es Studierende sind – in ihrem Alltag ab: In „Mein Mitbewohner“ geht es um die typischen Themen eines WG-Lebens, vom Badputz bis hin zu Blumen auf dem Balkon; in „Neues Zimmer“ besingt May neben dem Gefühl von Fremdheit auch Alltagsprobleme: „Ummelden ist noch mehr Stress, gut, dass ich das eh vergess‘.“ Und bei „21, 22, 23“ singen selbst Mittdreißiger „Und wenn ich Dich dann frage, was Du werden willst, sagst Du immer nur: Ich weiß nicht, Hauptsache nicht Mitte dreißig“ begeistert mit.

Die Anfänge in der Schulzeit


Dass viele mit ihren Smartphones Fotos machen und filmen, thematisiert May in einem Lied ohne Titel, „das immer anders ist“ und die jeweilige Situation vor Ort aufgreift: „Es ist kein gutes Gefühl, beim Singen von einem Liebeslied gefilmt zu werden, den Scheiß schaust Du Dir doch eh nie wieder an“, singt May. „Ich habe Angst, dass Ihr das Konzert nicht richtig genießt, weil Ihr so damit beschäftigt seid, Bilder zu machen oder Nachrichten zu schreiben“, erklärt der Sänger später. Die Folge: spontaner Applaus – und viele schlagartig verschwindende Handys.

Ehrlich, direkt, spontan und unverfälscht: So klingen die Songs von AnnenMayKantereit. „Wir sind das Thema“, erklärte May einmal in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. „Unsere Frauen, die Menschen, die wir lieben; alles, was uns was angeht und berührt.“

Die Anfänge der Band liegen in der Schulzeit und im gemeinsamen Musikmachen auf der Straße: Schlagzeuger Severin Kantereit, Gitarrist Christopher Annen und Sänger/Pianist Henning May kennen sich bereits seit dem Gymnasium und gründeten 2011 die Band, zu der 2014 Bassist Malte Huck stieß. Intelligent, oft melancholisch, sprachlich geschliffen und mit Wortwitz, das macht die Texte von AnnenMayKantereit aus. Häufige Tempo- und Rhythmuswechsel sowie der Einsatz von Mundharmonika und Melodica sorgen für Überraschungsmomente – und dafür, dass sich das Publikum innerhalb kürzester Zeit in eine tanzende Menge verwandelt.

Mit „Oft gefragt“, einem Lied für Mays Vater („Du bist zu Hause, für immer und mich, hab‘ keine Heimat, hab‘ nur Dich“), verabschieden sich nach einer knappen Stunde die vier Musiker – um unter drängenden Zugabe-Rufen direkt zurückzukehren. Zunächst ist da allein May, mit der von vielen ersehnten Ballade „Barfuß am Klavier“. Als zur zweiten Zugabe die übrigen Bandmitglieder auf die Bühne dazukommen, strahlt May. Und beweist so, dass die Konzerte von AnnenMayKantereit trotz der außergewöhnlichen Stimme ihres Sängers keine One-Man-Show sind. Diese vier Jungs haben großen Spaß, zusammen auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen – das spürt man als Zuhörer in jeder Sekunde.

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