Interview mit Katharina Saalfrank: Warum die Super Nanny zur Psychologin geht

„Kürzlich habe ich mal sehr emotional eine Träne vergossen, das ist mir vorher noch nicht passiert“: Super Nanny Katharina Saalfrank. Foto: FOTO RTL

In der Realityreihe „Die Super Nanny“ berät die Pädagogin Katharina Saalfrank Familien mit Erziehungsproblemen – seit der ersten Folge im Herbst 2004 steht das Format in der Kritik. Experten bemängeln unter anderem, dass die Sendung billigen Voyeurismus bediene und die Würde der Kinder verletze. Saalfrank erhielt 2007 den Deutschen Fernsehpreis als bester TV-Coach, ihre Sendung wurde zum Dauerbrenner: Am 10. Dezember zeigt RTL die 100. Folge („Die Super Nanny Spezial“, 20.15 Uhr).

Frage: Nach 100 Folgen „Super Nanny“ sind Sie ein beliebtes Spottobjekt von TV-Komikern. Können Sie über Parodien auf Ihre Sendung lachen?

Katharina Saalfrank: Ich kann über manche Parodien sehr herzlich lachen, vor allem über die von Anke Engelke, sie bringt meinen gesamten Gestus und meine Sprache sehr genau auf den Punkt. Die Parodien in „Switch“ finde ich manchmal ein bisschen anstrengend. Ich finde, die könnten mehr daraus machen, außerdem lache ich lieber über mich selber als über die Kinder. Wenn nach vier Jahren immer noch die Erziehungsmaßnahme „der stille Stuhl“ parodiert wird, der nur wenige Male gezeigt wurde, dann finde ich das etwas platt und einfallslos.

Auch nach 100 Folgen fragt man sich bei manchen drastischen Szenen zwischen Kindern und Eltern immer noch, ob da wirklich alles echt ist.

Saalfrank: Es ist alles authentisch. Ich finde, das sieht man auch, wenn sich ein Kind mal hinwirft oder traurig ist, wenn eine Mutter mal überfordert ist, sind das doch tagtägliche Dinge zwischen Eltern und Kindern. Es wäre also gar nicht nötig, etwas zu inszenieren. Außerdem ist es nicht meine Arbeit, mit Schauspielern oder gestellten Situationen umzugehen, ich bin wirklich als Diplom-Pädagogin beauftragt.

Es gab von Anfang an viel Kritik.

Saalfrank: Der Vorwurf, die Leute würden nur zuschauen, weil sie froh sind, dass es bei ihnen nicht so ist, stimmt nicht. Ich bekomme viele Zuschriften von kinderlosen Menschen, die sagen, dass sie in ihrer Kindheit selber Erlebnisse wie etwa Gewalt oder Abwertung hatten und jetzt durch die Sendung den Anstoß zu einer Therapie erhalten haben. Ich bin froh, dass die Sendung vom Konzept des englischen Ursprungsformats abrücken durfte. Dort werden die Kinder zu Beginn ganz schrecklich dargestellt, dann kommt diese „Super Nanny“ und schraubt an ihnen rum, und schon sind die Eltern wieder glücklich. Das ist Unsinn. Wir dürfen die pädagogische Arbeit authentisch zeigen und können so auf Missstände im familiären Umfeld von Kindern hinweisen.

Haben Sie manchmal Angst? Manche Szenen wirken bedrohlich, etwa jener Fall, als Sie eine Frau vor ihrem gewalttätigen Mann im Frauenhaus in Sicherheit bringen mussten.

Saalfrank: Das war schon eine bedrohliche und außergewöhnliche Situation für alle. Aber ich mache nichts, bei dem ich das Gefühl habe, das könnte schief gehen, da arbeite ich mit meinem Bauchgefühl.

Wie schütteln Sie die bedrückenden Einblicke in schwierige Familienverhältnisse wieder aus den Knochen?

Saalfrank: Es gibt schon sehr belastende Situationen, gerade für die Kinder, das nimmt mich auch mit. Kürzlich habe ich auch mal sehr emotional eine Träne vergossen, das ist mir vorher noch nicht passiert. Nach der Arbeit gehe ich immer selber zu einer Psychologin – sie hilft mir dabei, das Erlebte einzuordnen. Das ist eine wichtige emotionale Entlastung, alles andere wäre unprofessionell.

Das Jubiläumsspezial ist ein Rückblick auf die bisherigen Folgen.

Saalfrank: Ja, es gibt ein Wiedersehen mit fünf Familien, aus jedem der vergangenen Jahre eine. Wir sitzen zusammen und blicken gemeinsam zurück auf die Arbeit und die Entwicklungen bis heute. Es sind Familien, die noch mal Lust hatten, mich zu sehen – auch vor der Kamera.

Das wollen nicht alle?

Saalfrank: Die Familien machen unterschiedliche Erfahrungen, wenn sie mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit gehen. Manche machen gute und werden von der Umwelt bestärkt, einige jedoch sind auch nicht so schönen Situationen ausgesetzt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Familien, die sich öffnen, dann von ihrer Umwelt stigmatisiert werden.

Wer stigmatisiert sie denn? Die Boulevardmedien?

Saalfrank: Nein, nicht die Presse – jedenfalls in der Regel nicht. Es kommt eher vor, dass Lehrer nicht gut damit umgehen oder dass zum Beispiel die Nachbarn sagen: „Wir haben es ja schon immer gewusst.“ Die Familien werden ja immer nach der Arbeit mit mir und auch speziell zur Ausstrahlung psychologisch begleitet. An dem betreffenden Mittwoch kommt eine meiner Kolleginnen, eine Psychologin, und schaut mit der Familie die Sendung. Dann finden gemeinsame Gespräche darüber statt, und die pädagogische Arbeit wird noch mal reflektiert.

Zur Person

Katharina Saalfrank Katharina Saalfrank, geboren am 22. November 1971 in Bad Kreuznach, ist Diplom-Pädagogin und Musiktherapeutin. Sie ist Mutter von vier Söhnen und lebt in Berlin.

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