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Intime Einblicke: Maximilian Schell legt ein Puzzle

Maximilian Schell Foto: dpa

Nein, nicht Autobiografie. Es ist eigentlich ein Puzzle, das Maximilian Schell vorlegt, aus detailreich erzählten Erlebnissen, Bildern, Schriftstücken. „Ich fliege über dunkle Täler“ ist das Buch überschrieben, und als Untertitel steht da schlicht „Erinnerungen“. Doch der 81-jährige Schauspieler, Oscar-Preisträger, Regisseur, Drehbuchautor und Bonvivant, der sich eine Karriere sowohl in Europa als auch in Amerika erarbeitete, liefert mehr.

Es sind Momentaufnahmen aus einem reichen Künstlerleben mit Höhenflügen und Abstürzen. Es ist ein Panoptikum der großen Namen, das traditionelle deutschsprachige Theaterkultur und Hollywood verbindet. Und es ist eine persönliche Spurensuche, in Erinnerungen an prägende Menschen und Orte, in Träumen und nicht zuletzt in der Sprache.

Der 81-Jährige, der in Wien geboren wurde und als Kind mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in die Schweiz floh, ordnet die vielen Facetten der Erinnerung chronologisch und macht die Stationen seines Lebens an Menschen fest. So treten die Eltern, der „Opapa“ und die ältere Schwester Maria ebenso vor den Vorhang wie Judy Garland und Marlene Dietrich, Gustaf Gründgens und Marlon Brando. Schell, einer der Taufpaten von Hollywoodstar Angelina Jolie, zeigt einen theatralischen Sinn für gute Anekdoten. Etwa wenn er einen abenteuerlichen vermeintlichen „Spaziergang“ im Death Valley schildert oder eine nächtliche Autofahrt mit Judy Garland, die bei der Gelegenheit zum ersten Mal Mozart-Klängen gelauscht haben soll.

Der Sprachkünstler verweist häufig, oft völlig unvermittelt, auf Verse, Gedichte und Bühnenmomente, die für ihn entscheidend waren. Das sind Gedichte des Vaters ebenso wie Theatererlebnisse und sehr häufig persönliche Widmungen, die intime Einblicke in sein künstlerisches und privates Leben geben.

Der Privatmensch Schell kommt immer wieder auf jenen Ort zurück, an dem die Stränge seines Lebens zusammenzulaufen scheinen, auf „die Alm“ in Kärnten. In einem von Reisen, Umzügen und kurzen Arbeitsaufenthalten geprägten Künstlerleben ist die Holzhütte stets Ruhepunkt und Zufluchtsort geblieben.

Oft ist vom Tod die Rede, und vor allem in diesen Momenten lässt sich der Bonvivant tief in die Seele schauen. Schon die ersten Zeilen widmet Schell einem verstorbenen Künstlerkollegen; und wenn er schildert, wie er dem gegen den Krebs kämpfenden Ulrich Mühe Marmelade aus Walderdbeeren kocht, scheint es, als fühlte er sich selbst nicht mehr so weit entfernt von dem Ort oder der Zeit, wo er „die Engel“ vermutet.

Maximilian Schell: Ich fliege über dunkle Täler (Hoffmann und Campe, 320 Seiten, 24,99 Euro)

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