PARIS

Jeanne Moreau: Ein Teil des Mythos bleibt

Jeanne Moreau ist tot: Mit 89 Jahren ist die französische Schauspielerin am Montag in Paris gestorben. Es bleibt die Erinnerung an eine herausragende Schauspielerin und eine moderne, freie Frau.
Schauspielerin Jeanne Moreau ist tot
Jeanne Moreau 1965 in dem Film „Mata Hari – Agent H-21“ Foto: UPI, dpa

Von ihrem eigenen Tod sprach Jeanne Moreau abgeklärt und poetisch zugleich, direkt und ohne Tabu; so wie es ihre Art war. Das Leben sei „wie ein brachliegender Garten, der uns bei der Geburt anvertraut wird“, sagte sie einmal. „Man muss ihn schön lassen zu dem Zeitpunkt, an dem man die Erde verlässt.“ Jetzt ist das passiert: Am Montagmorgen starb die französische Schauspielerin in ihrer Pariser Wohnung. 89 Jahre wurde sie alt – 65 davon prägte sie das französische und internationale Kino als eine seiner besonders legendären Persönlichkeiten. Die Erinnerung, die sie hinterlässt, ist durchaus mit einem blühenden und sehr vielseitigen Garten zu vergleichen.

In fast 60 Theaterstücken stand Jeanne Moreau auf der Bühne und mehr als 110 Filme drehte sie. Der erste war, im Jahr 1949, „Letzte Liebe“ und zuletzt spielte sie 2015 eine Gastrolle in der Komödie „Das Talent meiner Freunde“ eines Nachwuchsregisseurs. Dazwischen war „La Moreau“, wie Bewunderer sie nannten, die Muse (manchmal auch mehr) großer Regisseure von Orson Welles über François Truffaut, Louis Malle und Jean-Luc Godard bis zu Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders.

Die Moreau war eine der wenigen Charakterdarstellerinnen, die sich über Jahrzehnte hinweg hielten. „Gefährliche Liebschaften“, „Fahrstuhl zum Schafott“, „Jules und Jim“ sind nur einige der Klassiker, die sie früh zu einer Leinwand-Ikone machten. Sie spielte Nonnen, Prostituierte, Liebende, Ehebrecherinnen. Und verkörperte in „Viva Maria!“ an der Seite von Brigitte Bardot die verführerische französische Femme fatale par excellence.

Die in Paris geborene Tochter einer englischen Tänzerin und eines französischen Gastwirts begann gegen den Willen ihrer Eltern eine klassische Theaterausbildung, unter anderem an der Comédie Française, wo sie mit 20 jüngstes Ensemble-Mitglied wurde. „Wenn man von seiner Familie nicht ermuntert wird, treibt einen eine große Entschlossenheit, Energie“, erklärte Moreau selbst.

Mit 21 Jahren heiratete sie den Regisseur Jean-Louis Richard und gebar nur einen Tag nach der Hochzeitsfeier den gemeinsamen Sohn, Jérôme. Später schockierte sie mit der für sie so typisch schonungslos ehrlichen Aussage, sie habe kein Kind gewollt und sei kein mütterlicher Typ. Nach zwei Jahren ging die Beziehung zu Richard zu Bruch, ebenso wie eine spätere Ehe mit dem US-Regisseur William Friedkin. Liebesbeziehungen sollten viele weitere folgen, oft mit berühmten Männern wie Marcello Mastroianni – mit dem Jeanne Moreau unter anderem im Streifen „Die Nacht“ vor der Kamera stand –, Schriftsteller Peter Handke, Modemacher Pierre Cardin. „Ich habe viele Männer verführt. Ich war immer von Männern angezogen, die Talent haben“, sagte Moreau 2012.

Mit vielen Schriftstellern knüpfte die Literatur-Liebhaberin Freundschaften, von Marguerite Duras bis Patricia Highsmith.

Als freie, moderne Frau trat Jeanne Moreau im Leben wie in ihren Filmen auf, wurde zum Star der intellektuell-experimentellen Nouvelle-Vague-Bewegung; und weit darüber hinaus. Ihre sinnlich tiefe Stimme nutzte sie bisweilen auch zum Singen. Bis zu ihrem Tod werde sie spielen, sagte sie vor ein paar Jahren: „Ich habe anderes zu tun als mir zu sagen: Merde, ich werde alt.“

Zahlreiche Auszeichnungen erhielt sie, von einem Ehren-Oscar über den Goldenen Bären bei der Berlinale 2000 bis zur Goldenen Palme in Cannes für ihr Lebenswerk. Zweimal saß sie der Jury des Festivals von Cannes vor.

Zu den vielen Persönlichkeiten, die am Montag betroffen auf Jeanne Moreaus Tod reagierten, gehörte auch Präsident Emmanuel Macron. Als Künstlerin habe sie das Kino in seiner Komplexität und seinem hohen Anspruch verkörpert: „Man könnte sagen, dass ein Teil der Kinolegende von uns geht, aber ihre ganz Arbeit zielte ja genau darauf ab, niemals ihre Kunst in einer Mythologie erstarren zu lassen.“

Und so gibt es einen Teil des Mythos, der bleibt.

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Jeanne Moreau 2009 Foto: Louis Teji, dpa

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