DIE ABHANDENE WELT:

Katja Riemann sucht ihre Schwester

Fröhlich: Katja Riemann als Jazzsängerin. Sie trifft auf ihre Schwester – eine ernsthafte Operndiva. Foto: Jan Betke/Concorde Filmverleih/dpa

Nach dem Triumph ihres Porträts von „Hannah Arendt“, widmet sich Margarethe von Trotta nun einer persönlichen Geschichte. Die 73-jährige Grande Dame des deutschen Kinos („Die bleierne Zeit“, „Rosa Luxemburg“) erzählt von einer Frau, die zufällig ihre Schwester findet, von der sie bislang nichts wusste. Klingt nach Seifenoper, basiert aber auf wahren Begebenheiten – und ist der Regisseurin ganz ähnlich passiert. Erst mit 37 erfuhr Margarethe von Trotta durch einen Zufall, dass sie noch eine Schwester hat. Ihre Mutter hatte ihr bis zum Tod nie erzählt, dass sie ihre 15 Jahre ältere Tochter zur Adoption freigegeben hatte.

Mit Katja Riemann und Barbara Sukowa hochkarätig besetzt, präsentiert sie ein feinsinniges Schwestern-Drama, das emotional funktioniert und dessen raffinierte Puzzle-Konstruktion für einige Überraschungen gut ist. Die Riemann spielt die mittellose Musikerin Sophie. Deren Vater Paul (dargestellt von Matthias Habich) entdeckt im Internet zufällig das Foto der New Yorker Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa), die seiner verstorbenen Frau Evelyn verblüffend ähnlich sieht. Paul drängt seine Tochter, sofort nach Amerika zu reisen, um dort die Sängerin zu treffen.

In der Garderobe der Diva

Widerwillig macht sich Sophie auf die Reise und schleicht sich in die Garderobe der Diva. Die reagiert zunächst abweisend auf den Besuch aus ihrer alten Heimat, umso begeisterter ist Manager Philip von der attraktiven Sophie. Nach erfolgreicher Flirt-Offensive unterstützt der kleine Macho seine neue Freundin aus Deutschland bei ihrer Suche nach verdrängten Familiengeheimnissen. Von der Mutter der Sängerin erhofft sich Sophie neue Erkenntnisse, trotz Demenz der alten Dame (Karin Dor) finden sich tatsächlich Puzzlestücke, die ein neues Bild ergeben. Zurück in Deutschland, geht die Spurensuche weiter. Weiß Vater Paul nicht viel mehr als er seiner Tochter sagt? Welche Rolle spielt Onkel Ralf in dieser vertrackten Familienaufstellung? Als eine Kiste mit Liebesbriefen auftaucht, kommt es zum Showdown der verfeindeten Brüder: Ein Kampf der Senioren mit Schnittblumen – bei dieser wohl putzigsten Actioneinlage des Jahres kann auch Katja Riemann auf dem heimischen Sofa ihr Lachen kaum noch halten.

Margarethe von Trotta, die nach dem Tod ihrer Mutter den Brief einer Frau erhielt, die sich als ihre unbekannte Schwester vorstellte, hat das Geschwister-Thema schon lange umgetrieben. In „Schwestern oder die Balance des Glücks“ oder „Fürchten und Lieben“ schildert sie Schwestern-Schicksale, in dem Film „Die abhandene Welt“ erzählt sie nun von ihrem ganz persönlichen.

Die Mischung aus Mystery-Drama, Lovestory, verdrängten Familiengeheimnissen samt einer kleinen Prise Komik gelingt mit angenehmer Leichtigkeit.

Die verschachtelte Geschichte entblättert sich mit bravouröser Raffinesse. Entscheidenden Anteil am Gelingen hat das exzellente Ensemble. Katja Riemann gibt vergnügt die fröhliche Jazzsängerin, derweil die Sukowa als Gegenstück den verhärmten Opernstar spielt, der erst zögernd Gefühle duldet. Dass die beiden seit langem auch als Sängerinnen unterwegs sind, können sie mit ein paar Gesangseinlagen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Und es gibt ein kleines Wiedersehen mit Karin Dor, die schon bei Bond („Man lebt nur zweimal“) und für Hitchcock („Topas“) spielte: • • • • ο ο

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