Giebelstadt

Kinderfestspiele: Blauäugig zum Erfolg

„Zogg und die Retter der Lüfte“ bei den Kinderfestspielen Giebelstadt. In der Jubiläumsspielzeit steht das Stück mit Musik wieder auf dem Spielplan. Foto: Hans-Peter Krause

Zwischen blühenden Sträuchern sitzen Brigitte Obermeier und Hannes Hirth im Garten am Theater Sommerhausund plaudern über alte Zeiten. Drinnen laufen Proben: Aus einem offenen Fenster fetzt ein Boogie-Woogie. Beides hat miteinander zu tun: Die Klavierklänge gehören zu dem Stück „Das Geheimnis des Einlings“, das bei den Kinderfestspielen in Giebelstadt uraufgeführt wird. Und die beiden Theaterleute reden darüber, dass es die Kinderfestspiele seit 20 Jahren gibt.

Eigentlich reicht die Geschichte vom Freilichttheater für junges Publikum weiter zurück als zwei Jahrzehnte: Zunächst hatten Obermeier und Hirth bei den Röttinger Festspielen (heute Frankenfestspiele) Kindertheater gemacht. Doch es lief nicht glatt mit der damaligen Festspielleitung, sagen die beiden. Nach zwei Jahren war Schluss und das Paar erst einmal enttäuscht. Denn die beiden machen gerne Kindertheater: „Kinder reagieren unmittelbar“, so Hannes Hirth. „Freude Angst, Spannung kommen direkt rüber.“

Herausforderung Geyer-Bühne

„Ein Bekannter hat uns dann den Tipp gegeben, doch mal in Giebelstadt nachzufragen“, erzählt Brigitte Obermeier. In dem 15 Kilometer südlich von Würzburg gelegenen Marktflecken existierte Theater-Infrastuktur: Giebelstadt war schon damals als Freilicht-Spielort bekannt. Schließlich wird hier – mit Unterbrechungen – seit 1925 das Spiel um den Ritter Florian Geyer aufgeführt. Nachdem sie mit der Gemeinde einig geworden waren, gingen Obermeier und Hirth das Projekt „Kinderfestspiele Giebelstadt“ an – „blauäugig“, sagt Brigitte Obermeier.

Es kamen einige Herausforderungen auf die Profis zu. Zum einen die große Bühne, die hohe Anforderungen an Regie, Bühnenbild und Schauspieler stellt. Zum anderen sind da jede Menge Zuschauerplätze – aktuell 950. Die muss man erst mal voll kriegen.

„Wir dachten: ,Es wird schon werden‘“, umreißt Brigitte Obermeier die Stimmung der ersten Zeit. Und es wurde. Es wurde sogar etwas Besonderes: Zwar bieten auch andere Freilichtspiele Kindertheater. Doch Festspiele ausschließlich für junges Publikum – das dürfte bundesweit einmalig sein.

„Die Vorstellungen sind gut besucht“, sagt Obermeier. 12 000 bis 15 000 Zuschauer habe man pro Spielzeit, ergänzt Hirth. Eine ganze Menge – dauert doch eine Freilicht-Saison gerade mal fünf oder sechs Wochen.

Arbeit bis spät in die Nacht

Schulklassen stellen einen großen Teil des Publikums. Die kommen aber nicht einfach so. Also müssen die Theatermacher einiges an nicht-künstlerischer Arbeit leisten: „Wir fahren kreuz und quer durch Unterfranken, verteilen Flyer an Schulen und Kindergärten“, erzählt Brigitte Obermeier. 20 000 Infoblätter werden bei der Zielgruppe untergebracht, Handzettel gefaltet, in Kuverts gesteckt, per Post versendet; ebenso vorbestellte Karten. Das hält das Team der Kinderfestspiele oft bis spät die Nacht auf Trab.

Auch die künstlerische Arbeit hat im Lauf der 20 Jahre zugenommen. Zunächst war lediglich ein Stück aufgeführt worden. Seit einiger Zeit stehen drei auf dem Spielplan, zwei Premieren und eine Wiederaufnahme aus dem Vorjahr (heuer: „Zogg und die Retter der Lüfte“).

In den Stücken steckt viel Eigenarbeit. Hannes Hirth nimmt gerne Bücher als Vorlage. So schnitzte er Mark Twains „Tom Sawyer“ fürs Freilicht-Theater zurecht und das Bilderbuch „Der Grüffelo“, brachte Robin Hood ebenso auf die Geyer-Bühne wie Jules Vernes Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“.

Brigitte Obermeier und Hannes Hirth Foto: Ralph Heringlehner

Im Jubiläumsjahr präsentiert das Team der Kinderfestspiele sogar ein komplett eigenes Stück, „Das Geheimnis des Einlings“ von Martin Hanns. Der Würzburger Autor, Regisseur, Schauspieler, Komponist und Songschreiber hat schon allerhand für die Kinderfestspiele geschrieben und auch fürs Sommerhaus, das neue Winterhäuser Theater von Obermeier/Hirth.

Im Zwillingswald leben Schweinebär, Hasenhummel, Eseleule und andere zusammengesetzte Tiere. Ein Einling – er besteht nur aus einem einzigen Tier! – bringt die friedliche Welt durcheinander. An dem heiteren Stück übers Anderssein sollen auch Eltern ihre Freude haben, sagt Martin Hans. Und die Musik („Lieder sind besser als Monologe“) ist mehr als nur Boogie-Woogie. „Das Geheimnis des Einlings“ eröffnet die 20. Kinderfestspiele in Giebelstadt am 26. Mai. Der Vorverkauf stimmt zuversichtlich. Bereits ausverkauft sind die ersten drei Termine von „Momo“ (Premiere: 25. Juni).

Die 20. Spielzeit läuft also gut an. Bliebe nur noch die Sache mit dem Wetter. Freilichttheatermacher sind besonders wetterfühlig: Schon eine achtlos hingeworfene Bemerkung wie „nächste Woche soll's regnen“ kann für Nervenflattern sorgen . . .

Die 20. Kinderfestspiele Giebelstadt beginnen am 26. Mai mit der Uraufführung von „Das Geheimnis des Einlings“; am 25. Juni hat „Momo“ nach Michael Ende Premiere; Wiederaufnahme von „Zogg und die Retter der Lüfte“ ist am 4. Juli. Vorverkauf: (0 93 34) 8 08 46; Mail: info@kinderfestspiele-giebelstadt.de

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