WÜRZBURG

Kino: Ein Märchenprinz im Rollstuhl

Da geht doch was: Emilia Clarke als Lou, Sam Claflin als querschnittsgelähmter Will.
Da geht doch was: Emilia Clarke als Lou, Sam Claflin als querschnittsgelähmter Will. Foto: Warner Bros.

Kein Roman ging 2013 in Deutschland öfter über den Ladentisch als „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes – 1,2 Millionen Exemplare verkaufte damals der Rowohlt Verlag. Ein Jahr zuvor hatte „Ziemlich beste Freunde“ die Kinohitparade gestürmt. Es ist also keine Überraschung, dass auch die fiktionale und sehr viel romantischere, aber auch tragischere Variante des Themas ihren Weg auf die große Leinwand gefunden hat. Theaterregisseurin Thea Sharrock dürfte mit ihrer Kino-Adaption einen Nerv treffen, zumal Autorin Moyes auch das Drehbuch beigesteuert hat und ständig am Set präsent war.

Louisa „Lou“ Clark (Emilia Clarke) hat ein Herz aus Gold, aber chronisch leere Taschen. Die Mittzwanzigerin verliert jede Anstellung, weil sie ihren Mitmenschen immer nur Gutes tut, was sich mit den geschäftlichen Interessen ihrer Arbeitgeber nicht vereinbaren lässt. Eine Chance hat die Jobvermittlung ihr aber noch zu bieten: Gut zahlende Kunden suchen eine Betreuerin für ein behindertes Familienmitglied.

Lou hat von häuslicher Pflege zwar keinen blassen Schimmer, sagt aber auf ihre unvergleichlich enthusiastische Art sofort zu. Beim Vorstellungsgespräch erwartet die junge Frau eine gehörige Überraschung. Bei dem Hilfsbedürftigen handelt es sich nicht um einen älteren Herrn, sondern um den ungemein attraktiven Will Traynor (Sam Claflin), der nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt ist. Seitdem verbringt der Investmentmanager aus einer soliden Millionärsfamilie des englischen Adels seine Tage deprimiert im Rollstahl.

Hauch aus dem Märchenwald

Lou muss sich nicht um den physischen Teil kümmern, den übernimmt ein Krankenpfleger. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, Will Gesellschaft zu leisten und im Notfall Hilfe zu holen. Leichter gesagt als getan, wenn der Mann im Rollstuhl keinen Wert auf Bespaßung legt und jedem Kontaktversuch mit Ablehnung und Sarkasmus begegnet. Bald stellt sich heraus, dass Will seinen Eltern sechs Monate eingeräumt hat, danach will er seinem Leben in einem Schweizer Sterbehospiz ein Ende setzen.

Der Zuschauer ahnt: Da geht doch was! Sobald Lou ins Spiel kommt, weht ein Hauch aus dem Märchenwald durch die britische Idylle. Emilia Clarke will jede Assoziation zu ihrer Rolle der Drachenmutter in „Game of Thrones“ im Keim ersticken. Dabei legt sie einen liebenswerten Fall von Overacting an den Tag. Mit Sam Claflin bildet Clarke ein Hauptdarstellerduo, dem man den Funkenflug durchaus abnimmt. Vor große Überraschungen wird das Publikum allerdings nicht gestellt.

Der Film wird das Publikum in zwei Lager spalten: Die einen kämpfen gegen die Tränen, die anderen gegen bleischwere Augenlider. Am Ende werden die empfindsameren Zuschauer die Taschentücher auswringen und die abgebrühteren vom Saallicht wieder geweckt. Beides geht völlig in Ordnung: • • • ο ο ο

Cinemaxx Würzburg, Cineworld im Mainfrankenpark, Filmwelt Schweinfurt, Movie Marktheidenfeld, Universum Bad Kissingen, Starlight Bad Neustadt (FSK ab 12)

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bestseller
  • Cinemaxx
  • Filmwelt Schweinfurt
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!