BAD KISSINGEN

Kissinger Sommer 2018: Niveau gut, Auslastung weniger

Tilman Schlömp
Tilman Schlömp Foto: Maw

Aus künstlerischer Sicht sei er sehr zufrieden mit dem soeben zu Ende gegangenen Kissinger Sommer 2018, sagt Tilman Schlömp, der das Klassikfestival im zweiten Jahr verantwortet. Das Konzept, ausschließlich erstklassige Künstlerinnen und Künstler „mit Ecken und Kanten“ zu verpflichten, seit aufgegangen. So habe etwa Khatia Buniatishvili Tschaikowskys erstes Klavierkonzert so individuell und frei gespielt, dass man es kaum wiedererkannt habe. Auch neue Formate wie das komplett von einer Lichtdramaturgie begleitete Programm „Waterworks“ der Baltic Sea Philharmonic oder das Konzert in der Therme KissSalis seien sehr gut aufgenommen worden, so der Intendant beim Bilanz-Pressegespräch.

In der Auslastung des gesamten Festivals allerdings spiegelt sich das nicht wider: Die sank von bereits wenig zufriedenstellenden 70 Prozent im vergangenen Jahr auf 63 Prozent. Schlömp erklärt das einerseits damit, dass es nicht gelungen sei, das Publikum in Konzerte mit hierzulande (noch) nicht so bekannten Ensembles wie etwa dem Originalklangorchester „Les Siecles“ zu locken.

Andererseits sei mit einem Angebot von 34 232 Plätzen (2600 mehr als im Vorjahr) in 63 Veranstaltungen ein „Maximum erreicht, vielleicht auch überschritten“, so der Intendant. Der Kissinger Sommer werde deshalb im kommenden Jahr sein Angebot reduzieren. Wie sehr, das steht noch nicht fest.

Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg meint, der Kissinger Sommer sei auf dem Weg der Verjüngung und Modernisierung ein gutes Stück vorwärtsgekommen. So haben sich so viele Schüler wie nie zuvor – über 350 – am Zukunftslabor beteiligt, das wiederum 1400 Menschen erreichte. Allerdings müsse man auch weiterhin Erwartungshaltungen des Publikums bedienen, mit „gut abgehangenen“ Werken wie eben Tschaikowskys Klavierkonzert.

Mit einem Einspielergebnis von etwas über 1,1 Millionen Euro liegt der Kissinger Sommer 2018 rund 52 000 Euro über dem des Vorjahres. Mit knapp 1,6 Millionen sind die Kosten nahezu gleichgeblieben – „die Ausgaben haben wir im Griff“, sagt Schömp. Er kann sich vorstellen, dass verstärkte Werbung bessere Zahlen bringen könnte: „Das ist ein vorsichtiger Vorschlag, wenn sich die Auslastungszahlen in eine Richtung bewegen, die nicht gut ist.“

Oberbürgermeister Kay Blankenburg macht wenig Hoffnung: „Wir sind als Stadt verpflichtet, unseren Haushalt zu sanieren, weil wir Stabilisierungshilfe beziehen.“ Das Gefühl, mit mehr Ausgaben für Werbung werde man auch mehr Einnahmen erzielen, reiche da noch nicht aus. „Da brauchen wir schon empirische Bestätigung.“

Ermutigend, so Erna Buscham, Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros, seien die Erfahrungen mit sozialen Netzwerken: „Die Infos fließen schon, jetzt geht es nur noch um die Hürde, wie kriegen wir die Menschen in die Konzerte rein.“

„Aufbruch in die Moderne 1918“, hatte das Motto für 2018 gelautet. 2019 soll es wieder etwas weiter zurückgehen in die Vergangenheit, es gibt einen Arbeitstitel, den Schlömp aber noch nicht verrät. Liest man zwischen den Zeilen des Flyers mit den Highlights 2019, der bereits vorliegt, könnte es um die Klassik gehen.

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