BERLIN

Kleine Dramen in einem Kibbuz

Amos Oz
Amos Oz Foto: dpa

„Unter Freunden“ heißt das neue Buch von Amos Oz. In dem gelungenen Spätwerk des israelischen Autors geht es nicht um die großen Dramen, sondern um die kleinen. Alle acht Geschichten spielen in dem fiktiven, aber in vieler Hinsicht typischen Kibbuz Jikhat. Sie erzählen von den Menschen, die dort leben: Zvi, der Gärtner zum Beispiel, mit seiner Manie, bevorzugt schlechte Nachrichten weiterzuerzählen, oder der Lehrer David Dagan, der vielen Prinzipien treu ist, aber keiner Frau.

Amos Oz findet nicht alles gut, was seine Figuren da treiben, aber er schildert ihre Erlebnisse mit viel Einfühlungsvermögen, ihre Zweifel und ihre Zerrissenheit genauso wie ihre Überzeugungen und Ideale. Oz weiß, wovon er schreibt: Er wurde in Jerusalem geboren und hat dort seine Kindheit verbracht, entschied sich aber 1954 als Teenager, in den Kibbuz Chulda zu gehen. Mit kurzen Unterbrechungen lebte er bis 1986 dort.

Seine neuen Geschichten sind keine bittere Abrechnung, kein Blick zurück im Zorn. Aber Amos Oz erzählt auch nicht einfach von den zwischenmenschlichen Konflikten, die es überall gibt. Was ihn interessiert, ist gerade die Frage, wie sie sich im Kibbuz entwickeln. Das, was die Kibbuzniks als idealistischen Beitrag für die Gemeinschaft verstanden, erscheint in „Unter Freunden“ oft als unnötige Härte gegenüber dem Einzelnen. Es gehört zu den großen Stärken des Autors, in kleinen Szenen deutlich zu machen, woran die Kibbuzbewegung gescheitert ist. Ohne dick aufzutragen erzählt Oz von den kleinen Dramen, die Menschen nicht weniger zur Hölle werden können als die großen.

Amos Oz: Unter Freunden (Suhrkamp, 215 Seiten, 18,95 Euro)

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