WÜRZBURG

Krankenhaus mit Wein im Überfluss?

Munter: Boris Wagner und Anja Gutgesell arbeiten die Bürgerspital-Geschichte auf.
Munter: Boris Wagner und Anja Gutgesell arbeiten die Bürgerspital-Geschichte auf. Foto: Nico Manger

Krankenhaus mit angeschlossener Kelterhalle? Nächstenliebe? Täglich Wein im Überfluss? Und immer wieder beten? Das Quartett auf der Bühne der Kelterhalle des Würzburger Bürgerspitals – ein verkannter Schauspieler, der vom Blatt weg inszenieren will, ein australisches Trampgirl, das einen Aushilfsjob sucht, eine Sängerin und ein Sänger, die sich stimmgewaltig übertrumpfen – wissen nicht genau, warum und was sie unter der Fuchtel einer aufgeregt dozierenden Leiterin proben sollen. Und dass nicht Liebschaften, sondern Liegenschaften etwas mit ihrem Job zu tun haben . . .

In breitem Fränkisch

Zum Jubiläumsjahr der Stiftung Bürgerspital, das 1316 zur Aufnahme pflegebedürftiger Menschen und für das eigene Seelenheil gegründet wurde, trägt das Mainfranken Theater mit „Ein Widder mit Flügeln – 700 Jahre Bürgerspital Würzburg“ ein Schauspiel mit Musik von Alexis Agrafiotis und Josef Schimpf bei. An authentischem Ort sorgt das launige Stück mit historischem Hintergrund von Ulrike Schäfer, dessen Titel sich auf das Wappentier der Stifter bezieht, für beste Unterhaltung.

Unter der Regie von Axel Stöcker agiert ein munteres Sänger- und Schauspieler-Team, unterstützt von Bürgerspital-Kellermeister Elmar Nun, der sich unbefangen und in breitem Fränkisch in eine Rahmenhandlung einbringt, in der nur für den Festakt geübt werden soll. Doch unvermittelt sind sie mitten drin in historischen Höhepunkten des Spitals und der Würzburger Geschichte.

Während sich Claudia Kraus in der Rolle der verantwortlichen Leiterin eines Festkomitees mit ihrem bunt gewürfelten Haufen herumschlägt, auch noch vom Stiftungschor (würdevoll und weinselig: Bürgerchor Würzburg) überrumpelt und erst nach Genuss von einigen Schoppen lockerer wird, erzählen sich die Jahrhunderte wie von selbst.

Anschaulich der Weinkarton, der zur Haube der Stiftungsgattin Mergardis umfunktioniert wird, zwei Tempotaschentücher werden zum würdevollen Kragen des Johannes von Steren. Anja Gutgesell brilliert mit dem ihr eigenen Temperament. 100 Jahre später klopfen eine wohlhabende Pfründnerin und ein armer Schlucker an die Spitaltüren und erfahren, was unterschiedlicher gesellschaftlicher Status bedeutet. Daniel Fiolka mit seinem zur Krücke umfunktionierten Besen hat hier das Nachsehen.

Das Team auf der Bühne springt mühelos von einem Jahrhundert ins nächste, wechselt temporeich die Rollen und lässt den trockenen Sommer von 1540 aufleben, in dem aus verschrumpelten Trauben ein Jahrtausendwein wird. Christina Theresa Motsch schildert die Situation im Weinberg umwerfend und mit viel Esprit. Mit dem Jahr 1801 haben die Bayern das Sagen und Boris Wagner mit einer Franz-Joseph-Strauß-Parodie seinen großen Auftritt. Eine Bestandsaufnahme der Jetztzeit, bekannte und unbekannte Melodien und Lieder runden das gelungene Schauspiel ab.

Nächste Vorstellungen: 09., 10., 16. Juli. Karten: Tel. (09 31) 39 08-124

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