SCHLOSS ASCHACH

Kunst geht fremd: Wohnen wie die alten Römer

Kunst geht fremd . . . und macht schön: Bayernkönig Ludwig I. liebte es klassisch. Drum ließ er Ludwigshöhe, sein Schlösschen in der Pfalz, nach dem Vorbild einer antiken Villa gestalten.
Im Stil der alten Römer: Entwurf für den Großen Speisesaal auf Schloss Ludwigshöhe. derzeit zu sehen im Schloss Aschach. Foto: Ines Otschick

Die Region Unterfranken ist mit Schlössern, Burgen und Klöstern reich gesegnet. Wer den Ehrgeiz und die Muße hatte, tatsächlich alle zwölf Teilnehmer-Museen der Kunsttauschaktion „Kunst geht fremd . . . und macht schön“ abzuklappern, konnte zwischen Miltenberg und Wechterswinkel das ein oder andere Kleinod entdecken. Wen das Ausflugsfieber erst jetzt packt, der kann zum Beispiel noch das am Rande von Bad Bocklet gelegene Schloss Aschach besuchen, das sich um diese Jahreszeit in einen Mantel aus flammend rotem Weinlaub hüllt. Im 12. Jahrhundert ursprünglich als Burg konzipiert, im 16. Jahrhundert zweimal niedergebrannt und wiederaufgebaut, bot das Schloss den Grafen von Luxburg über Jahrzehnte hinweg allsommerlichen Unterschlupf. Heute zeigt es als Museum die exklusiv eingerichteten gräflichen Wohnräume sowie die umfangreiche Kunstsammlung des 1956 gestorbenen Karl von Luxburg, der als Diplomat in China, Indien und Argentinien tätig war und seine fränkische Sommerwohnung mit zahlreichen Ostasiatika verschönerte.

Die Geschichte fasziniert

Ein chinesischer Bronzebuddha des Grafen geht gerade im Mainfränkischen Museum Würzburg „fremd“, wo er zwischen Tilman Riemenschneiders christlichen Holzschnitzereien einen optimalen Platz gefunden hat.

Die in Aschach gezeigten Tauschobjekte der Museen der Stadt Aschaffenburg hingegen profitieren kaum vom gräflichen Ambiente, da sie – bis 6. November – in einer düsteren Fensternische vor sich hin dämmern, die eine Extra-Beleuchtung gut vertragen hätte. Das ist zwar schade, aber nicht dramatisch, denn in diesem Fall von „Kunst geht fremd“ fesselt die Geschichte hinter dem Tauschobjekt mehr als das Objekt selbst: Zwei Entwürfe des Aschaffenburger Malers Adalbert Hock (1866 bis 1949) zur Ausgestaltung von Schloss „Villa Ludwigshöhe“ verweisen auf ein weiteres Schlossjuwel, das hoch über dem Rhein beim rheinland-pfälzischen Städtchen Edenkoben liegt (das heute knapp 7000 Einwohner zählt).

Entstehung und Gestaltung dieser „Villa Ludwigshöhe“, die wohl mehr Schlösschen als Villa ist, sind mit dem Aschaffenburger Pompejanum trotz einer räumlichen Distanz von fast 150 Kilometern eng verwoben. In der schmalen „Kunst geht fremd“-Broschüre wird diese Schloss-Villa mehrfach „Ludwigsruhe“ genannt, was jedoch ein Versehen und nicht korrekt ist.

Die Arbeiten am Aschaffenburger Pompejanum, Nachbau einer römischen Idealvilla und heute beliebtes Ausflugsziel, gingen 1846 allmählich ihrem Ende entgegen. Just zu diesem Zeitpunkt gab Ludwig I., König von Bayern, seine Villa Ludwigshöhe beim Architekten Friedrich von Gärtner in Auftrag – Edenkoben lag damals im pfälzischen Landesteil Bayerns. In den folgenden sechs Jahren – der Architekt starb während der Bauarbeiten, daher die Verzögerung – entstand ein markantes Gebäude im klassizistischen Stil, das wie das Pompejanum italienischen Anregungen folgt. 14 Jahre lang war es Sommersitz Königs Ludwig I., der zwar zwischenzeitlich zu Gunsten seines Sohnes abdankte, es aber weiterhin alle zwei Jahre im Juli und August bewohnte und dort am 25. August auch seinen Geburtstag feierte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nutzte Prinzregent Luitpold das Anwesen, später Ludwig II. In dieser Zeit restaurierte Adalbert Hock gerade die römisch inspirierten, bereits schadhaft gewordenen Wandgemälde im Pompejanum – was in den Ludwigshöher Kreisen schnell den Wunsch auslöste, auch die Innenräume der pfälzischen Schlossvilla mit derlei „pompejanischer“ Malerei ausschmücken zu lassen. Der Auftrag dazu erreichte Hock im Jahr 1899, Entstehungsjahr auch der beiden Entwürfe; für seine Arbeit griff er auf zahlreiche Vorlagen aus dem Pompejanum zurück.

Optische Täuschungen

Die beiden Entwürfe sind 33 mal 45 sowie 33 mal 65 Zentimeter groß und zeigen – in Gouache, Bleistift und Tusche auf Karton – Hocks Pläne für den großen und kleinen Speisesaal der Villa. Sie erlauben einen Blick in die Werkstatt des Künstlers, der mit optischen Täuschungen wie Scheinarchitektur und gemalten Wandbespannungen, mit Grotesken und im Wind schwebenden Genien – so hießen im alten Rom die persönlichen Schutzgeister des Mannes – Spielformen und Motive verwendet, die seit den Ausgrabungen im wahren Pompeji europaweit beliebt waren.

Die Entwürfe fügen sich im zweiten Stock des Schlosses Aschach in eine Vielfalt von Wanddekorationen aus der Zeit um 1900 ein, bis sie im November schließlich an ihren ursprünglichen Platz in den Museen Aschaffenburg zurückkehren.

Kunst geht fremd . . . und macht schön

Zwölf Museen beteiligen sich dieses Jahr an den künstlerischen Seitensprüngen, die bis 6. November ausgewählte Objekte kreuz und quer durch Unterfranken reisen lassen. Unter dem Motto „Kunst geht fremd … und macht schön“ verlassen zwölf Kunstwerke ihr angestammtes Museum, um sich ein neues, temporäres Zuhause zu suchen. In ungewohnter Umgebung sollen sie ihre Betrachter für ein paar Monate irritieren, provozieren und zu intensiverem Sehen anregen: Was ist Schönheit? In unserer Sommerserie stellen wir jedes der zwölf Kunstwerke vor.

Eine Broschüre führt durch die diesjährigen Seitensprünge, angenehm schmal und dünn und somit geeignet für jede Hand- und Jackentasche. Auf den letzten Seiten findet sich eine Liste aller Museen mit Öffnungszeiten, Adressen und Telefonnummern, begleitenden Veranstaltungen und eine Unterfrankenkarte mit allen teilnehmenden Ortschaften. www.kunst-geht-fremd.de

Das Graf-Luxburg-Museum im Schloss Aschach präsentiert die Wohnräume der Grafenfamilie von Luxburg im Stil der Gründerzeit. Auch deren Sammlung an Gemälden, Skulpturen, Möbeln, Kunsthandwerk und Ostasiatika ist hier zu sehen. Wechselausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen. Tel. Telefon (0 97 08) 70 41 88-0. www.museen-schloss-aschach.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, Einlass zum geführten Rundgang um 14.15, 15.15 und 16 Uhr, Sonn- und Feiertage 11–17 Uhr.

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