WÜRZBURG

Kurze Antworten von Stephen Hawking

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Stephen Hawking Foto Leon Neal, AFP Foto: Leon Neal (AFP)

„Intelligenz ist entscheidend für das, was es bedeutet, ein Mensch zu sein“, schrieb Stephen Hawking, nachzulesen in dem nun erschienenen Buch „Kurze Antworten auf große Fragen“. Nur so sei die Zivilisation erklärlich, der Mensch habe sie sich nach und nach erarbeitet, habe sie erfunden und werke immer noch an ihr. „Irgendwann in den 13,8 Milliarden Jahren kosmischer Geschichte geschah etwas Wunderbares“, fährt er fort. „Die Informationsverarbeitung wurde so intelligent, dass bestimmte Lebensformen Bewusstsein erlangten. Zu diesem Zeitpunkt erwachte unser Universum und wurde sich seiner selbst bewusst. Ich sehe einen Triumph darin, dass wir zwar nur aus Sternenstaub bestehen, aber ein so genaues Verständnis des Universums entwickelt haben.“

Ein Wissenschaftler wie der britische Physiker, der womöglich größte Kopf seit Einstein, betrachtet das Erdgeschehen anders als religiöse oder gleichgültige Zeitgenossen.

Gefahren der Künstlichen Intelligenz

Für den im März 76-jährig gestorbenen Hawking, der seit Jahrzehnten an einer schweren Nervenkrankheit litt, ist der Fortschritt unaufhaltsam. Aber nicht unbedenklich. „Auf die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, Pläne zu entwickeln oder Schlüsse zu ziehen“, dürften wir stolz sein. „Der potenzielle Nutzen ist immens.“ Aber wenn es um den nächsten Schritt der Menschheit gehe, die Künstliche Intelligenz (KI), sollten wir auch die Gefahren sehen. Darauf beharrt der Physiker.

Militärs würden bereits weltweit Wettrüsten theoretisch durchspielen, da gehe es um Roboterwaffen und darum, wer an die Macht kommt. „Das Aufkommen superintelligenter KI wäre entweder das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann. Das eigentliche Risiko bei KI ist nicht Bosheit, sondern Intelligenz.“ Da ist Hawking wieder bei seinem Hauptthema.

Das Buch, so der Verlag, sei eine Zusammenfassung aus dem „umfangreichen persönlichen Archiv“ Hawkings. Er habe stets Antworten auf „große Fragen“ gesucht, „in Form von Reden, Interviews, Essays, Entgegnungen und Stellungnahmen“. Was bedeutet, dass in diesem Buch nichts Neues von Hawking zu lesen ist, viele Passagen finden sich in früheren Veröffentlichungen, vor allem in seiner 2013 erschienenen Autobiografie.

Gottes Schöpfung

Man wollte es mit einer Art Hawking kompakt versuchen, doch die meisten Zusammenfassungen sind inkonsistent. Das Sammelsurium folgt keiner Logik, die „großen Fragen“ erhalten in den „kurzen Antworten“ nicht immer befriedigende Auskünfte. Teilweise erweisen sich die zusammengeklumpten Zitate Hawkings als Schnipsel, die einem einfach nicht weiterhelfen. Das ist ärgerlich.

Beispiel Gottes Schöpfung. „Wie passt die Existenz Gottes in Ihre Vorstellung vom Anfang und Ende des Universums?“ wird rhetorisch gefragt. „Und wenn Gott existierte und Sie hätten die Möglichkeit, ihm zu begegnen, was würden Sie ihn fragen?“ Das ist ein unfairer Einstieg. Gott, ob es ihn nun gibt oder nicht, wird als Autorität lächerlich gemacht. Hawkings Nachlassverwalter waren übergriffig. Sie verprellen die Gläubigen, die Hawking auch lesen wollen, weil er viel über Gott gesagt hat. Der Ursprung der Welt erkläre sich von selbst, heißt es stattdessen.

Stephen Hawking war Wissenschaftler und wird hier als Philosoph ins Spiel gebracht. Die Textcollage reduziert seine Bedeutung.

Stephen Hawking: Kurze Antworten auf große Fragen. Klett-Cotta, 240 Seiten mit Abbildungen; 20 Euro

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