Würzburg

Lifschitz bei den Bachtagen: Was Bach und Beethoven verbindet

Der ukrainische Pianist deckte vielfach Bezüge zwischen beiden Komponisten auf. Und machte den Abend so zu einer stimmigen und mitreißenden Gesamtkomposition.
Konstantin Lifschitz
Konstantin Lifschitz Foto: Adam Shemper

Es war wohl kein Zufall, dass eine Gold- und Silberschmiedewerkstatt die Patenschaft für das Klavierrezital von Konstantin Lifschitz übernommen hatte. Kleine und große Meisterwerke, fein herausgearbeitet, glänzend und dem Anspruch des diesjährigen Gesamtprogramms „für die Ewigkeit“ genügend, kamen an diesem Abend im Konzertsaal der Musikhochschule Würzburg bei den Bachtagen zu Gehör. Der Pianist aus der Ukraine hatte bei seiner Werkauswahl profundes Gespür für Zusammenhänge bewiesen.

Die Folge von Präludien und Fantasien aus Johann Sebastian Bachs „Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann“ reihte Lifschitz wie Perlen aneinander, deren Schimmer für sich sprach. Bassbetont und ungestüm begann er mit dem Präludium c-Moll, oft gehört, gleichwohl frisch und ehrlich. Die folgende c-Moll-Fantasie legte er energisch und streng im Metrum an. Im Weiteren zelebrierte er gelegentlich unbetonte Taktzeiten, wechselte zwischen Direktheit und Überschwang, blieb dabei immer auf dem Boden.

Ein in allen Farben funkelndes Feuerwerk

Kein manieriertes Aufbauschen, keine übertriebenen Ausrufezeichen. Das Adagio in G-Dur stand bewusst für sich – leicht stockend, wie nach dem rechten Weg suchend, gelangte Lifschitz zu einem versöhnlichen Schluss. Wie ineinander verflochtene Spuren bildeten die beiden Stimmen des Duetto G-Dur. Als hätte er sich nun warmgespielt, ließ Lifschitz bei Bachs „Chromatischer Fantasie und Fuge d-Moll“ ein in allen Farben funkelndes Feuerwerk abbrennen, jede Salve stand für sich und trug doch zum durchscheinenden Ganzen bei.

Nach der Pause Beethovens Klaviersonate op. 110 As-Dur, die die Beschäftigung mit der Bach‘schen Klavierübung verriet: Klarheit des Anschlags, Leichtigkeit, eine selbstbewusste und bisweilen bestimmende linke Hand. Ein drängendes Allegro führte auf direktem Weg zu einem Angelpunkt des Werks: Ein vielfach wiederholtes zweigestrichenes A: Fragen, wohin es gehen soll, Zerlegen alles Vorangegangenen. Das war der Wendepunkt des Abends. Denn danach flossen die Energien umso freier, triumphierten die Oktavgriffe der linken Hand umso stolzer. Großartig!

Spritzig und auftrumpfend servierte Lifschitz den dritten Satz von Beethovens Klaviersonate op. 31 Nr. 2 quasi als Dessert und schloss mit einer veritabel gesanglichen „Aria“ der Goldberg-Variationen. So rundete er den Abend zu einer symmetrischen Gesamtkomposition ab, die den tiefen Bezug zwischen Bach und Beethoven offenbar werden ließ.

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