Würzburg

Lilly will beim ESC-Vorentscheid für eine Überraschung sorgen

Sie hatte sich nicht beworben, sondern wurde eingeladen. Jetzt willElisabeth Brüchner alias Lilly Among Clouds aus Würzburg aber auch mit ihrem Song "Surprise" punkten.
„Ich bin wirklich gespannt, ob ich das schaffe, das habe ich noch nie gemacht.“ Lilly Among Clouds, bürgerlich Elisabeth Brüchner, Teilnehmerin beim deutschen ESC-Vorentscheid.
„Ich bin wirklich gespannt, ob ich das schaffe, das habe ich noch nie gemacht.“ Lilly Among Clouds, bürgerlich Elisabeth Brüchner, Teilnehmerin beim deutschen ESC-Vorentscheid. Foto: Katja Ruge

Einzige Kandidatin aus Bayern, einzige, die ihren Song selbst geschrieben hat: An diesem Freitag, 22. Februar, tritt Elisabeth Brüchner alias Lilly Among Clouds aus Würzburg beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an. Sieben Kandidaten singen im Studio Berlin-Adlershof um den Einzug in die Endrunde in Tel Aviv. Motto: „Unser Lied für Israel“.

Für Lilly ist es der erste große Fernsehauftritt. Live ab 20.15 Uhr in der ARD. Vor einem Millionenpublikum. Sonst steht sie mit Band auf der Bühne. Jetzt ganz allein. Nur drei Minuten Zeit hat sie für ihren Song. „Ich glaube, dass es absolut spannend wird“, sagt Lilly ein paar Tage vor der Live-Sendung. „Ich habe mir auch die Lieder der anderen vorher nicht angehört. Ich finde nämlich immer ganz schnell alles besser als meine eigenen Songs.“

Akribische Vorbereitung beim mehrtägigen Songwriter-Workshop

Die Aufregung ist Lilly anzumerken. In den letzten Wochen hat sie sich akribisch vorbereitet. Sie hat an einem mehrtägigen Songwriter-Workshop teilgenommen und ihren Auftritt intensiv geprobt. „In diesen drei Minuten entscheidet sich, wie du beim Publikum ankommst oder nicht“, sagt Lilly und lacht. „Ich bin wirklich gespannt, ob ich das schaffe, das habe ich noch nie gemacht.“

Lilly Among Clouds beim Würzburger Hafensommer im vergangenen Jahr.
Lilly Among Clouds beim Würzburger Hafensommer im vergangenen Jahr. Foto: Daniel Peter

Zum ESC-Vorentscheid war Lilly durch Zufall gekommen. Sie hatte sich nicht selbst beworben, sondern wurde bei einem ihrer Auftritte entdeckt und gefragt, ob sie nicht mitmachen wolle. Für die 29-Jährige ist es der erste Musikwettbewerb. Für die Konkurrenz ist es fast schon Routine: BB Thomaz aus Düsseldorf und Gregor Hägele aus Stuttgart waren schon bei „The Voice of Germany“. Linus Bruhn aus Hamburg hat die RTL2-Show „My Name Is“ gewonnen.  „Ich bin ein bisschen neidisch auf die anderen Kandidaten, die Fernsehen viel besser kennen als ich“, sagt Lilly. „Die gehen ganz anders an die ganze Sache heran. Aber ich wollte das unbedingt auch einmal machen. Den Stress, die Anspannung. Das Coole am Fernsehen ist ja, du merkst gar nicht, wie viele Leute zuschauen.“

Großes Publikum ist für Lilly kein Neuland. Sie ist auf großen Festivals wie dem Reeperbahn-Festival in Hamburg oder dem Eurosonic Noorderslag im holländischen Groningen aufgetreten, hat beim weltweit beachteten SXSW-Festival im texanischen Austin gespielt und stand bei der Australian Music Week auf der Bühne. Für den ESC hat Lilly einen neuen Song geschrieben: „Surprise“. Es geht darin um Oberflächlichkeit und Erwartungshaltungen.

"Du hast den Rest von mir noch nicht gesehen“

Mit diesem Thema wird die Musikerin, die im niederbayerischen Straubing geboren ist, in Würzburg studiert und dort auch ihre ersten musikalischen Schritte gemacht hat, immer wieder konfrontiert. „Mein Hauptklischee ist, dass ich viel jünger geschätzt werde", erzählt sie. „Es hat mich unglaublich frustriert, dass das auch beinhaltet, dass man jungen Menschen nichts zutraut." Und „Surprise“ bedeute: "Du hast den Rest von mir noch nicht gesehen."

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Obwohl Lilly ihr Politik-Studium an der Uni Würzburg mit dem Bachelor abgeschlossen hat, lautet ihre Berufsbezeichnung inzwischen Künstlerin. Parallel zu den ESC-Vorbereitungen arbeitet sie an ihrem zweiten Studioalbum. Das wird wie ihr Debüt „Aerial Perspective“ beim Label Play It Again Sam erscheinen, bei dem sie einen europaweiten Plattenvertrag unterschrieben hat.

Lilly ist übrigens nicht die erste Künstlerin aus Unterfranken beim ESC-Vorentscheid. Vor vier Jahren hatte Voice-Of-Germany-Gewinner Andreas Kümmert aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart) den Vorentscheid gewonnen und dann vor laufender Kamera auf den Sieg verzichtet. „Ich finde, der Eurovision Song Contest ist nicht berechenbar“, sagt Lilly. "Da haben schon Songs gewonnen, die ich nicht verstanden habe. Es waren aber auch Siegersongs dabei, die ich absolut nachvollziehen konnte." Deshalb würde es sich für sie nicht wie eine Enttäuschung anfühlen, sollte sie nicht gewinnen. "Das Publikum soll ja aussuchen, wer Deutschland bei der Endrunde in Israel vertreten soll. Das ist also absolute Geschmackssache." Das Ergebnis werde deshalb auch nichts daran ändern, wie sie ihre eigene Musik sehe.

Das Finale des Eurovision Song Contest findet am 18. Mai unter dem Motto "Dare To Dream!" in Tel Aviv statt. Zwei deutsche Gewinner gab es bisher in der Geschichte des Wettbewerbs: Nicole im Jahr 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ und Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 mit „Satellite“.

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