Würzburg

Mainfranken Theater: Die Fragen der Menschheit als Tanz

Hinter dem Titel TanzXperiment verbirgt sich eine neue Reihe der Tanzcompagnie, geschaffen für den intimen Rahmen der Kammer. Im Bild Etienne Gagnon-Delorme, Marcel Casablanca und Ka Chun Hui.  Foto: Gabriela Knoch

Dominique Dumais, Ballettdirektorin des Mainfrankentheaters in Würzburg, betrachtet es als „Privileg für einen Choreografen, seine eigene Truppe zu haben, mit der man etwas entwickeln, kreieren und erforschen kann“. Die Lust am Ausprobieren, am Experiment, ist gerade bei Veranstaltungsreihen wie dem Laboratorium Tanz in der Vergangenheit oder, in dieser Spielzeit, den „TanzXperimenten“, greifbar. Und sie führe zu frischen, aufregend unverbrauchten Ergebnissen. Am Samstagabend fand diese Reihe mit dem Expedition No 3 ihren Abschluss in den Kammerspielen. Die dritte Ausgabe mit dem Untertitel „Homegrown“ (deutsch etwa: „aus eigenem Anbau“) beschreitet noch einmal neue Wege:

Rhythmus im Mittelpunkt: Larson macht ein spannendes Thema daraus

Während in den Expeditionen No 1 und No 2 improvisiert wurde, haben acht Tänzer und Tänzerinnen der Compagnie für das Finale Choreografien erarbeitet - füreinander oder auch für sich selbst. Die Stücke, die die Tanzprofis entwickelt haben, sprechen von einer intensiven und innigen Beschäftigung mit dieser Ausdrucksform, der sie sich von unterschiedlichsten Ausgangspunkten nähern. Rhythmus ist das Thema, mit dem sich Tyrel Larson beschäftigt, mal komödiantisch, mal virtuos und so kräftig, dass ganz hinten im Zuschauerraum noch die Tür scheppert.

Katharina Nakui und Etienne Gagnon-Delorme zeigen Mensch und Natur beim TanzXperiment am Mainfranken Theater in Würzburg. Foto: Gabriela Knoch

Zartere Töne schließen sich an, Soli (gleich zwei von Maya Tenzer) und Gruppenchoreographien, in denen die Mitwirkenden Themen aufgreifen, die sie beschäftigen. Es sind im Grunde die großen Fragen der Menschheit, die die Tänzerinnen und Tänzer umtreiben: Beziehungen und Bindungen zwischen Menschen (Dominic Harrison und Ka Chun Hui) und Mensch und Natur (Katherina Nakui), Macht und Ohnmacht, das Verstreichen der Zeit wie in Anna Jirmanovas Choreografie für Maya Tenzer. Marcel Casablanca erforscht auf amüsante Weise, was gesellschaftlich als „seltsam“ gilt, Étienne Gagnon-Delorme rückt das Verbindende und Trennende des Geschmacks in den Fokus.

Unterschiedlich und eigenständig fügen sich die Stücke zu einem lebendigen Ganzen zusammen, voller Energie und in der intimen Atmosphäre der Kammerspiele immer nah am Publikum.

Langer und begeisteter Applaus

Dominique Dumais hat (die Hoffnung war im Untertitel „Homegrown“ wohl angelegt) zwei Ziele erreicht: Ihre Compagnie hat im Zusammenspiel eine künstlerische Heimat gefunden, und sie ist gewachsen, individuell als künstlerische Persönlichkeiten als auch als eine Gruppe, die sich bereichert und inspiriert: Langer und begeisterter Applaus für eine gelungene Expedition, die neugierig macht auf das, was es noch zu erforschen gäbe.

TanzXperiment läuft das nächste Mal am Freitag, 19.7. 2019 um 20 Uhr in den Kammerspielen.

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