Würzburg

Mainfranken Theater: Tanzcompagnie in atemloser Ekstase

Überraschend, spontan, energiegeladen: Die Tanzcompagnie am Mainfranken Theater zelebriert ihr viertes "TanzXperiment" ausdrucksstark zwischen Meditation und Wallung.
Alles improvisiert: Das ist das Konzept der Reihe 'TanzXperiment' der Tanzcompagnie am Mainfranken Theater unter Leitung von Dominique Dumais und Kevin O'Day. 
Alles improvisiert: Das ist das Konzept der Reihe "TanzXperiment" der Tanzcompagnie am Mainfranken Theater unter Leitung von Dominique Dumais und Kevin O'Day.  Foto: Gabriela Knoch/MFT

Den "Raum als Soundbad" hatte Ballettdirektorin Dominique Dumais ausgerufen und einen ersten langen Vokal in die Kammer des Theaters gesungen. Nicht nur die Mitglieder der Tanzcompagnie, sondern auch das Publikum ist im Mainfranken Theater aufgerufen, mit dem gleichen, einem anderen, einem konsonanten oder dissonanten Ton einzufallen. Die Tänzerinnen und Tänzer verteilen sich, bewegen sich singend durch die Reihen, auch die Zuschauer am Premierenabend befüllen für kurze Zeit die "Klangbadewanne".

"Klangkörper" oder die Suche nach dem Zusammenhang zwischen Stimme und Körperlichkeit ist das Motto der vierten Expedition in der Reihe "TanzXperiment". Das Konzept, so Dumais, sei es, Spontankompositionen zu erschaffen. Sie selbst gibt dazu Anweisungen, die nur für die Tänzer hörbar sind. Mit den Elementen habe man sich beschäftigt, versuche Feuer, Wasser, Erde in Bewegung umzusetzen und habe hierfür "Tasks" entwickelt.

Viel Körpereinsatz und Magie des Augenblicks

Alles sei an diesem Abend improvisiert: Die Kostüme kommen aus dem Theaterfundus, aber auch von den Tänzerinnen und Tänzern privat – das reicht dann vom Tutu bis zum Jeanshemd. Auch die Beleuchtung wird aus dem Augenblick heraus "komponiert". Nur die Musik ist vorbereitet, wenngleich nicht deren Reihenfolge im Ablauf. So wähnt man sich mal in einem tibetischen Mönchskloster, hört abgrundtiefen Meditationsgesang und Glöckchengeklingel, ein barockes Lamento, eine Belcantoarie, eine E-Gitarren-Nummer, auch Karibisches und Vokalpolyphones.

Auf der Bühne wälzen sich Leiber, brodelt die Ensembleenergie. Alles ist Bewegung, die Tänzer treten mal solistisch auf, umschlingen sich im Pas de deux, Pas de trois oder mehr. Es ist ein ständiges Wechselspiel mit viel Körpereinsatz: Ein Flug wie auf Wolken, ein magnetisches Klammern und wieder Lösen, ein Körper scheint sich zu zerlegen, zu häuten, fügt sich wieder zusammen, dann Tänzer wie unter Strom oder Drogen, einem wabernden Organismus gleich.

Starke Vorstellung auch ohne erkennbare Struktur

Immer wieder auch das atemlose Spiel mit Lauten, abgehackten Silben, mal fragend, mal bestimmend, mal flehend ("Remember me"). Plötzlich krabbelt ein Körper durch den Mittelgang Richtung Bühne, betastet die Zuschauer, blind irrend und sich wälzend.

Herrscht musikalisch mehr das Meditative, geht es fürs Auge unablässig ekstatisch zu – eine großartige Energieleistung der Tanzcompagnie, der starke Beifall war höchst verdient. Für den Betrachter fügte sich an diesem ersten Abend jedoch wenig zu der Struktur, die Dominique Dumais als Entwicklung und Umkehr angekündigt hatte.

Nächste Vorstellung: 16.1., 20 Uhr.    

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