WÜRZBURG

Meisterkonzert: Aufrüttelnde Lieder gegen den Krieg

Der Tenor Christoph Prégardien und der Pianist Michael Gees bilden ein ideales Team. Beim Würzburger Meisterkonzert der Musikalischem Akademie begeisterten sie im Großen Saal der Musikhochschule mit einem bunten Strauß an Liedern der deutschen Romantik.

Dass es nicht immer Schubert sein muss, wenn es um den „Erlkönig“ geht, zeigten die beiden mit der Vertonung des Goethe-Gedichts durch Carl Loewe. Prégardien zog alle dramatischen und lyrischen Register, um in die Rollen von Vater, Sohn und Erlkönig zu schlüpfen. Ansonsten überwogen im ersten Konzertteil inhaltlich eher zartere Ausdruckswelten, bei denen sich der Tenor als feiner Psychologe und der Pianist als facettenreicher Ton-Zeichner erwiesen. Prégardiens Stimme war anfangs ziemlich obertonreich und von einer leicht metallischen Schärfe, die im Laufe des Abends dem gewohnt intensiven und nuancenreichen Timbre wich.

Höhepunkt des Konzerts waren ein halbes Dutzend „Wunderhorn“-Lieder von Gustav Mahler. Mit Ironie, Galgenhumor und echtem Pathos entführten Prégardien und Gees in eine Welt, in der die Tiere sehr menschliche Züge haben und das Soldatenleben gar nicht heldenhaft, geschweige denn lustig ist. Im Gegenteil: Sänger und Pianist ließen die Mahler-Lieder zu humoristischen Miniaturen werden, bei denen es einem eiskalt über den Rücken laufen konnte.

Militärmärsche, Fanfaren und „Wunderhorn“-Verse wurden in den Mahler-Liedern zu einer Gespenster-Musik, zu der Tote und Lebende in Reih und Glied marschierten. Die Interpreten verstanden es meisterhaft, diesen überhaupt nicht mehr romantischen, sondern sehr modernen Zug aus den Liedern zu holen, die damit zur satirisch wach rüttelnden Antikriegsmusik wurden, deren erstaunlich aktuelle Botschaft lautete: Es gibt keinen sinnvollen Krieg.

Das Publikum brach in Jubelstürme aus und bekam zwei Zugaben: Mahlers Vertonung von Friedrich Rückerts „Ich bin der Welt abhanden gekommen“, wobei Sänger und Pianist die Nähe des Lieds zum berühmten Adagietto aus Mahlers fünfter Sinfonie anschaulich machten, und Schuberts „Nacht und Träume“.

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